Bülach

Ein Politiker zieht Bilanz und schont seine Gegner nicht

Der ehemalige Bülacher Stadtrat Bruno Wermelinger hat eine Autobiographie geschrieben. Im Interview erklärt er weshalb das Buch keine Abrechnung sein will und was es der jungen Generation aufzeigen könnte.

Bruno Wermelinger zieht öffentlich Bilanz über sein berufliches und privates Leben.

Bruno Wermelinger zieht öffentlich Bilanz über sein berufliches und privates Leben. Bild: Sibylle Meier

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Bruno Wermelinger, wieso soll man die Autobiographie eines Bülacher Lokalpolitikers lesen?
Müssen tut niemand. Jeder kann selber entscheiden, ob er mein Buch lesen möchte. Dieses sprengt den Rahmen einer Autobiographie. Es umfasst auch Erfahrungen, Überlegungen und Zukunftsprognosen aus meiner Sicht. Die jüngere Generation könnte es interessieren, welche Entwicklung meine Generation in 75 Jahren erlebt hat. Nie zuvor war dieser Wandel grösser.

Ihre Kritik an einzelnen politischen Exponenten der Stadt Bülach ist ziemlich schonungslos. Weshalb diese Abrechnung mit der Vergangenheit?
Das Buch enthält keine Abrechnungen, sondern beschreibt Ereignisse in meinem Leben, auch in meiner Amtszeit als Politiker. Urteilen soll der Leser selber. Wer politisiert muss auch einstecken können. Meine Widersacher sind mit mir auch nicht immer pfleglich umgegangen.

Sie vergleichen Bülach mit Seldwyla. Steht es so schlimm um die Stadt?
Wahrscheinlich gibt es die von mir im Buch beschriebenen Vorfälle und Geschichten auch in anderen Gemeinden, aber in Bülach kenne ich die Dossiers. Als Politiker habe ich für Büüli viel erreicht und viel vorgespurt. Schade, dass einige Projekte nach meinem Rücktritt nicht umgesetzt wurden.

«Man muss doch dem Bürger zeigen, wie es wirklich war.»Aus dem Vorwort von «Das Ziel vor Augen»

Sie schreiben von sich selbst nicht in der Ich-Form, sondern von «Bruno». Weshalb?
Da habe ich lange hin und her überlegt. Beim Lesen von anderen Biographien hat mich dieses ständige «Ich» gestört. Wenn ich von «Bruno» schreibe, habe ich eine gewisse Distanz und erzähle aus heutiger Sicht, was Bruno in der Vergangenheit erlebt hat.

Dieser Bruno kommt ziemlich gut weg, finden Sie nicht?
Haben Sie je eine Autobiographie gelesen, in der jemand schlecht über sich selbst schreibt? Ich habe alles so erlebt, wie ich es beschreibe und erwähne in meinem Buch auch Flops und Niederlagen. Wichtig ist, dass alles der Wahrheit entspricht.

Wie sind Reaktionen auf Ihr Buch?
Bisher waren sie durchwegs positiv. Wer sich allenfalls betroffen fühlt und mit dem Inhalt nicht einverstanden ist, wird es mir erfahrungsgemäss jedoch kaum direkt sagen. In erster Linie habe ich die Autobiographie für mich selber geschrieben. Man hofft aber natürlich schon, dass auch noch ein paar andere zu Aha-Erlebnissen kommen, wenn sie das Buch lesen.

Erstellt: 05.08.2019, 16:07 Uhr

Zur Person

Bruno Wermelinger (Jahrgang 1944) absolvierte nach der Lehre die Ausbildung zum Maschineningenieur FH. Er arbeitete als Geschäftsleiter und Unternehmer. Seine politische Laufbahn begann er als 18-Jähriger als Stimmenzähler in Wangen-Brüttisellen. Als Mitglied des Landesrings der Unabhängigen wirkte er 1978 bis 1990 im Bülacher Gemeinderat, 1990 wurde er in den Stadtrat gewählt, dem er 12 Jahre lang angehörte. Wermelinger gehörte nach dem LdU, der «Allianz freie Bülacher», deren Gründungspräsident er war und der Beobachter Stadt Bülach (BSB) an. Letztere gründete er 2013 mit dem im Jahr 2017 verstorbenen, ehemaligen Stadtpräsidenten Wilfried Meier. Wermelinger ist Vater von zwei Söhnen und in zweiter Ehe verheiratet.

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