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Ein Sopransaxofon und seine Geschichte

Wenn 150 Personen im Takt mit ihren Köpfen, Händen und Füssen wippen, dann ist Jazzzeit im Grampen in Bülach. Das Daniel Bechet& Olivier Franc Quintet spielte erstklassig, virtuos und mit viel Herz.

Olivier Franc spielte im Grampen auf dem Sopransaxofon von Jazzlegende Sidney Bechet.
Olivier Franc spielte im Grampen auf dem Sopransaxofon von Jazzlegende Sidney Bechet.
Leo Wyden

Die französische Jazzband trat vergangenen Freitag zum ersten Mal beim Bülacher Jazzklub auf. Zu Ehren des legendären Sopransaxofonisten Sidney Bechet spielten sie an diesem Abend hauptsächlich seine Kompositionen. Mit seinem vibratoreichen Saxofonspiel gilt Sidney Bechet als einer der wichtigsten Solisten des frühen Jazz.

Er spielte unter anderen mit Louis Armstrong und Josephine Baker sowie im Orchester von Duke Ellington mit. Der in New Orleans geborene ­Bechet starb 1959 in Frankreich, seiner Wahlheimat, und hinterliess neben seinem Musikerbe, seinen fünfjährigen Sohn Daniel sowie das Sopransaxofon, auf welchem er die letzten acht Jahre gespielt hatte.

Sowohl der Sohn als auch das Instru­ment waren am Freitag im Grampen anwesend. Daniel ­Bechet am Schlagzeug und das 130 000 Franken teure Sopran­saxofon in den Händen und an den Lippen von Olivier Franc.

Hommage aneine einzigartige Jazzlegende

Als die ersten Töne angeschlagen wurden, gab es bereits Bravorufe aus dem Publikum. Kein Wunder: Zwei Stunden lang zog die Band die Zuhörer in ihren Bann. Ob beim melodiösen Blues «Jacqueline», den Sidney Bechet für ­seine Frau geschrieben hatte, oder bei seinem «Montmartre-Boogie-Woogie» – das Publikum applaudierte begeistert nach jedem Solo. Und als dann Olivier Franc die Klassiker von Bechet, «Si tu vois ma mère» und «Petite Fleur», anstimmte, schmolz das Herz der Anwesenden definitiv.

Franc spielte virtuos und mit viel Herz. Mit dem Instrument liess er ein grosses Spektrum an Gefühlen erklingen. Mal spielerisch und leichtfüssig, mal fulminant und rasant, aber auch melancholisch oder träumerisch. Zum Reper­toire der Band gehörte auch das Stück «Summer­time» von George Gershwin, denn Bechet hatte 1939 eine legen­däre Version des Liedes, das zu den grossen Aufnahmen der Jazzgeschichte gehört, aufgenommen.

Das Sopransaxofonvon einem Jazzfan erhalten

Aber zurück zum Instrument mit Legendenstatus. Olivier Franc erhielt es von einem Schweizer Jazzfan, der das Sopran­saxofon 2006 an einer Auk­tion ersteigerte. Für Franc ist es das Beste unter seinen 20 Saxofonen. Er vermutet, dass durch das jahrelange Hinein­blasen von Bechet und die dadurch hervorgerufenen Vibrationen das Metall des Instruments eine ganz bestimmte Klangfarbe erhalten hat.

Grandios waren mit ihren Soli im Grampen auch Jean Baptiste Franc, der Sohn von Olivier am Piano, der Bassist William Brunard, der Posaunist Benoit de Flamesnil und Sidneys Sohn, Daniel Bechet am Schlagzeug. Auf alle Fälle waren die Hommage und die Liebe der Band an den berühmten Jazz­musiker für das Publikum hör- und spürbar.

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