Kloten

Flugzeugsafari fast ohne Limiten

Am Samstagabend rückten zwei Dutzend Fotografen mit langen Objektiven auf der Zuschauerterrasse B an, um mit dem Veranstalter «LSPOspotter» auf Tour zu gehen und ihre Speicherkarten zu füllen.

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Sie sind eingemummt in Daunenjacken und schleppen auf dem Rücken teure Ausrüstungen, einige von ihnen locker im Gegenwert eines Kleinwagens. Von der «Reeling» aus blicken sie im Beutemodus aufs Vorfeld. Einer von ihnen ist Aaron Imstepf aus dem Oberwallis. Vor zehn Jahren flog er erstmals von Zürich nach Bangkok. «Volles Rohr Faszination. Die Technik. Das Drumherum. Von dem Moment an wusste ich, dass ich Pilot werde», sagt er. Doch bis es so weit ist, atmet der 17-Jährige als Spotter jede freie Minute seines Lebens Kerosin.

Früher zwängte der Kantischüler sein Objektiv durch Maschendraht, doch dann lernte er vor zwei Jahren Mike Wyss, den Organisator der organisierten Pirsch am Flughafen Zürich kennen. Spotter kommen schnell ins Gespräch. Sie sind auf den sozialen Medien und Fachseiten vernetzt. Sobald Mike Wyss wieder so eine Spottertour auf der Homepage ankündigt, peilt Aaron den Direktzug an. Heute Abend wird er rund 1000 Mal auf den Auslöser drücken.

Profis am Drücker

Und jetzt taucht Organisator Wyss, und mit ihm im Schlepptau auch René Blättler, von der Flughafen Zürich AG auf. Er wird darauf achten, dass die Fotojäger sich duzen, die Linien weder betreten noch überschreiten, die Pilone stehen lassen, immer traubenförmig im Grüppchen bleiben und die Flugzeuge nicht streicheln. Die Spotter geloben diese Spielregeln einzuhalten. «Das sind grundehrliche Typen», sagt Blättler beim Verteilen der Leuchtwesten und Ausweise. Rein gehts in den Bus. Drei Stunden dauert die Tour. Ohne Toiletten, Essen oder Trinken. Nach fünf Minuten Rütteln öffnen sich erstmals die Türen.

Die Spotter stehen vor der Boeing 737 der Thailändischen Königsfamilie. «Hammer. So nah. Das ist ein einmaliges Erlebnis», sagt Imstepf, während er den Vogel, mit dem Finger auf dem Auslöser, umrundet. Andere Spotter bauen Stative auf und zünden den Schuss per Fernbedienung. Bei fünf Sekunden Belichtungszeit vernichtet sogar der Wind, der am Bändel der Kamera zupft, die Aufnahme. Noch flüstern sie. Bald werden die Gespräche verstummen. Kalte Nacht friert Kiefer ein.

In dieser Form einmalig

Kurz nach 20 Uhr sitzt Organisator Mike Wyss in einem Zustand der glücklichen Erschöpfung in der menschenleeren Abflughalle. Auch er hat vieles gesehen, was selbst ihm bisher verborgen blieb. So zum Beispiel das Enteisen eines A330 oder den Lichttest einer nagelneuen Boeing 777. Wieder kamen seine Spotter aus der ganzen Schweiz, um das zu erleben, was der Winterthurer hier seit März 2019 anbietet, nämlich eine geführte Flugzeugsafari ohne Alterslimit und Vereinskorsett.

Wyss lobt die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Flughafen Zürich. «Als ich 2018 nachfragte, erteilte man mir nach ausführlicher Abklärung die Bewilligung unter Einhaltung strenger Auflagen», sagt er. Unter anderem muss er die Tour sechs Wochen im Voraus anmelden. Ein Tourguide der Flughafen Zürich AG begleitet das kollektive Knipsen. Die heutige Auflage war Nummer Sieben und die erste Nachttour. «Schon als Jugendlicher war ich verrückt nach Luftfahrt und hätte so ein Angebot extrem cool gefunden», erklärt der 20-Jährige, der hauptberuflich Klaviere verkauft. Bevor er sich ins Foodland zum Abendessen begibt, sagt er noch: «Eine goldige Nase verdiene ich mir nicht. Unterstützt von vielen guten Kollegen, entwickelte sich das ganze aber vom einfachen Zeitvertreib zur Passion.»

Erstellt: 01.12.2019, 16:35 Uhr

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