Embrach

Eine privilegierte Dorfbeiz, die am Ende einer Strasse weichen musste

Warmes Essen durfte in Embrach früher nur die Taverne «Zum Wilden Mann» servieren. Heute ist das Lokal von der Landkarte verschwunden. In den umliegenden Restaurants «Linde» oder «Sternen» wird dafür fröhlich weitergewirtet.

Der Gasthof zum «Wildenmann» in Embrach wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgerissen, weil er zu Nahe an der Strasse stand. Er war das Stammlokal vieler Embracher Vereine.

Der Gasthof zum «Wildenmann» in Embrach wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgerissen, weil er zu Nahe an der Strasse stand. Er war das Stammlokal vieler Embracher Vereine. Bild: Hochbauamt des Kantons Zürich

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Das Restaurant «Zum wilden Mann» an der gleichnamigen Kreuzung in Kloten ist im Unterland bestens bekannt. Aber auch einige Kilometer entfernt im Dorfkern von Embrach gab es einst eine Schenke mit demselben eingänglich-lustigen Namen. Die Taverne genoss Mitte des 19. Jahrhunderts eine Zeit lang gar das Privileg, als einziges Restaurant in der Gemeinde warme Speisen anbieten zu dürfen.

Dies missfiel den Wirten in den benachbarten Gaststuben, schreibt Markus Stromer in seinem Buch «Die Geschichte der Gemeinde Embrach – das 19. und 20. Jahrhundert». Auf Drängen der anderen Gaststuben hin lockerte die Gemeinde die Bestimmungen, so dass die anderen Wirte zumindest an besonderen Anlässen wie Berchtoldstag, Herbst- und Erntesonntag, Chilbi und Tanzsportveranstaltungen auch warme Mahlzeiten anbieten durften.

Ein «verdorbenes» Dorf

Auch sonst herrschte unter den zahlreichen Gaststuben in Embrach ein starker Konkurenzkampf, so dass sich auch der damals in Rorbas ansässige Statthalter mit den Beizen in der Gemeinde befassen musste. Ein gewisser Conrad Ganz hatte sich nämlich um ein zusätzliches Tavernenrecht bemüht. Mit dem «Wildenmann» (damalige Bezeichnung), der benachbaren «Linde» dem «Sternen», dem «Frohsinn», dem «Obrist» in der Chorherrengasse und weiteren Stubenwirtschaften hatten die Embracher damals aber schon viele Möglichkeiten, um sich ein Gläschen zu genehmigen. Der Statthalter kam deshalb zum Schluss, dass «bey der leider nur zu bekannten moralischen, oeconomischen und politischen Verdorbenheit der Gemeinde Embrach» ein zusätzliches Lokal in der Gemeinde ins Verderben führen würden.

Während im «Sternen» oder auch in der «Linde» noch heute gewirtet wird, sucht man im Embracher Dorfkern vergebens nach dem einst privilegierten Gasthof zum «Wildenmann.» Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Taverne ihren Stellenwert verloren und galt – im Gegenteil – als Verkehrshindernis, welches schnellstens aus dem Weg geräumt werden musste. Ende 1928 hatten nämlich die Landwirtschaftliche Konsumgenossenschaft Embrach und die Milchgenossenschaft das Haus gekauft um es in einen Laden und eine Milchsammelstelle umbauen. Der Kanton wollte das aber nur genehmigen, wenn der gesetzliche Abstand zum Trottoir von fünf Metern eingehalten würde. Am Ende einigte man sich auf einen Neubau mit drei Meter Abstand. Dies besiegelte das Ende des «Wildenmannes», welcher auch vielen Embrach Vereinen lange als Stammlokal gedient hatte.

Reichhaltiges Angebot

Heute hat Embrach mit gegen 15 Lokalen immer noch ein reichhaltiges Angebot an Restaurants zu bieten. So kamen in späteren Jahren mit dem «Hardschlössli» und dem «Bahnhöfli» zwei Lokale im unteren Dorfteil hinzu, in denen noch immer gewirtet wird. Im alten Dorfkern gibt es noch immer den «Sternen», den «Freihof»und die «Linde».

Erstellt: 26.07.2017, 17:20 Uhr

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