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Eine schillernde Figur tritt kürzer

Ein Grüner aus der Innerschweiz, schwul und leidenschaftlicher Feuerwehrmann? Für Reto Schindler passt das gut zusammen. Auch nach seinem Rücktritt vom Parteipräsidium wird er in Kloten präsent bleiben.

Tritt nach grosser Erfolgswelle als Präsident der Grünen in Kloten ab: Reto Schindler.
Tritt nach grosser Erfolgswelle als Präsident der Grünen in Kloten ab: Reto Schindler.
Francisco Carrascosa

Die Schrift auf seinem Pullover zieht sich quer über die Brust: Chloote. «Schon als Bub war ich Fan des EHC Kloten», sagt Reto Schindler. Damals lebte er noch in der Innerschweiz. Seit er vor elf Jahren zu seinem damaligen Freund nach Kloten zog, ist er hier heimisch geworden.

Der 35-Jährige arbeitet bei der Stadt als Entsorgungsbeauftragter, politisiert im Gemeinderat, wo er auch Mitglied der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission ist, und engagiert sich in der Feuerwehr. «Ich stehe zu 100 Prozent im Einsatz für Kloten», sagt Schindler. Seit zehn Jahren ist er auch noch Präsident der Grünen Partei Kloten.

Doch nun hat er in der derzeitigen Vizepräsidentin Belinda Mastev eine Nachfolgerin gefunden und wird ihr das Amt im Mai übergeben. «Es ist toll, nach einer so grossen Erfolgswelle abtreten zu können», sagt der dynamische junge Mann. Bei den letzten Gemeinderatswahlen 2018 gewannen die Grünen einen Sitz dazu und sind nun mit drei Personen vertreten.

Grüne Schwyz mitbegründet

Für Politik hat sich Schindler bereits in der Sekundarschule zu interessieren begonnen. Sein Lehrer habe das Thema spannend und praxisnah zu vermitteln verstanden, erzählt er. «Mir wurde bewusst, dass ich ein Linker bin.» Bis Ende 20. Jahrhundert gab es aber im Kanton Schwyz im linken Spektrum nur die SP. Diese sagte Schindler nicht zu. Aktiv wurde er deshalb erst 2007, als er mit einigen Gleichgesinnten die Grüne Partei Schwyz gründete. Bei den Grünen glaubt er seine Kernanliegen am besten vertreten: Ökologie, Soziales und Gleichstellung verschiedener Bevölkerungsgruppen.

Nach seinem Umzug nach Kloten nahm er bald Kontakt mit Regula Kaeser-Stöckli auf, die damals Parteipräsidentin der Grünen war. Er engagierte sich im Gemeinderatswahlkampf 2010 und konnte zwei Jahre später für einen zurückgetretenen Kollegen nachrutschen.

«Jeder soll seine Meinung äussern dürfen.»

In der Innerschweiz sei Rassismus unterschwellig stets spürbar gewesen, sagt Schindler. Als Kind verbrachte er viel Zeit in der Beiz, in der seine Mutter arbeitete. Da bekam er auch so manches Stammtischgespräch und -gepolter mit. «Ich fand das häufig daneben», erinnert er sich. Seine Mutter habe sich aber manchmal eingeschaltet und für mehr Toleranz geworben. «Das machte mir Eindruck.»

Mit 16 Jahren zog er zu seinem Vater nach Volketswil und war nicht mehr so oft in Schwyz anzutreffen. Grund für den Wohnortwechsel war die KV-Lehre, die er bei einer Bank in Zürich begann. Mit Anzug und Krawatte pendelte er tagtäglich an die Arbeit. Unterdessen ist ihm wohler in Jeans und Pullover.

Nach einem Praktikum bei der Stiftung Pigna in Kloten, wo Menschen mit Behinderung wohnen und arbeiten, war Schindler für vier Jahre Geschäftsführer der Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich (HAZ). Dort setzte er sich für die Rechte von Schwulen, Lesben und Bisexuellen ein.

Er selber hatte aufgrund seiner sexuellen Orientierung zwar nie Diskriminierung erfahren – abgesehen von ein paar saloppen Sprüchen, die er über sich ergehen liess: «Jeder soll seine Meinung äussern dürfen.» Auch seine Kollegen in der Innerschweiz akzeptierten es problemlos, als er sich als junger Erwachsener zur Homosexualität bekannte. Trotzdem hat er bei der aktuellen Abstimmung über die Erweiterung der Rassismus-Strafnorm ein Ja eingelegt: «Schutz vor Hass ist dringend nötig.»

Freundin bei der SVP

Neben seinem 80-Prozent-Job bei der Stadt Kloten wendet der junge Mann einen grossen Teil seiner verfügbaren Zeit für die Stützpunktfeuerwehr auf. Seit kurzem leitet er auch die Jugendfeuerwehr. Mit gut 50 Einsätzen, 20 Übungen und etlichen Kursen kommen jährlich rund 200 Stunden zusammen. Als Mitglied des Bereichs Strassenrettung kommt es vor, dass er schwer verletzte Personen aus einem Auto herausschneiden muss. «Ich helfe gern Menschen in Notsituationen», erklärt Schindler seine Leidenschaft. Doch manchmal sei es auch belastend. Jederzeit kann ein Alarm eingehen. Dann muss er alles stehen und liegen lassen und sofort los.

In der Feuerwehr Kloten schätzt Schindler, dass sich auch viele Frauen und ausländische Personen engagieren. Der Kontakt mit verschiedensten Menschen ist ihm wichtig. Wenn er mit seiner Hündin Daya unterwegs ist oder etwas einkaufen geht, treffe er stets viele Bekannte und plaudere mit ihnen, erzählt er. «In Kloten leben viele interessante Leute aus allen Ecken der Welt.»

«In Kloten leben viele interessante Leute aus allen Ecken der Welt.»

Eine seiner besten Kolleginnen ist SVP-Gemeinderätin Tina Kasper. Seit er im Gemeinderat politisiert, habe er immer mehr gemerkt, dass man Kompromisse eingehen müsse, um etwas zu erreichen, sagt Reto Schindler.

Auch hält er nichts davon, politisch aktiven Menschen hämisch vorzuhalten, wenn ihr Lebensstil nicht immer zu hundert Prozent mit ihren Forderungen übereinstimmt. Denn der Einzelne habe nur wenig Einfluss. «Es sind die grossen Projekte und allgemeingültigen Leitlinien, die einschenken.» Deshalb will er sich sowohl im Gemeinderat als auch als Stadtangestellter weiterhin für ökologische Verbesserungen einsetzen.

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