Bülach

Eislauf-Eltern stellen sich gegen den Vorstand

Die Präsidentin hat genug. Sie tritt von ihrem Amt im Bülacher Eislaufclub zurück. Ihr folgen zwei weitere Mitglieder aus dem Vorstand. Auslöser dafür war die Generalversammlung, an der sich Eltern gegen den Vorstand auflehnten.

Damals war die Welt noch in Ordnung: Im März 2016 feierte der Bülacher Eislaufclub sein 30-jähriges Bestehen. 1100 Zuschauer fieberten mit. Die Feststimmung ist mittlerweile erloschen: Die Präsidentin und zwei weitere Vorstandsmitglieder treten per sofort aus dem Verein aus.

Damals war die Welt noch in Ordnung: Im März 2016 feierte der Bülacher Eislaufclub sein 30-jähriges Bestehen. 1100 Zuschauer fieberten mit. Die Feststimmung ist mittlerweile erloschen: Die Präsidentin und zwei weitere Vorstandsmitglieder treten per sofort aus dem Verein aus. Bild: Archiv ZU

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Die Generalversammlung des Bülacher Eislaufclubs am 7. Juni brachte Konflikte zum Vorschein, die sich bereits während der Saison angebahnt hatten. Begonnen hat es bei der Absegnung des Protokolls der letztjährigen Generalversammlung. Man habe etwas vergessen aufzuführen lautete der Vorwurf. Zurecht. «Das stimmt. Wir haben das Protokoll nun dementsprechend angepasst», sagt Präsidentin Michèle Lehmann. Beim Traktandum Jahresrechnung nahm das Drama dann seinen Lauf. Die Leute aus dem Publikum hatten es vor allem auf die Vorausplanung des Budgets abgesehen. Genauer auf die Verteilung des J+S-Geldes. Das sind Subventionen, die die Vereine vom Sportförderwerk des Bundes Jugend und Sport erhalten.

Die Situation beim Bülacher Eislaufclub gestaltet sich wie folgt: Es gibt zwei Trainer, die je eine Fördergruppe coachen. Die Läufer können selber entscheiden, zu welchem Trainer sie gehen. «Dies führte zu Machtkämpfen zwischen und innerhalb der beiden Gruppen», erzählt Michèle Lehmann. Nicht bei den Kindern, sondern unter den Eltern. Deshalb forderten die Eltern der einen Gruppe, dass mehr Geld in die Läufer, also ihre Kinder, gesteckt wird. «Auf dieses Art wollten sie uns zeigen, dass sie nicht zufrieden mit dem Vorstand sind.»

Eislauf-Regionalzentrum in Bülach gefordert

Diese Elterngruppe verlangte ebenfalls, dass in Bülach ein Regionalzentrum für Eiskunstläufer entsteht. Die Präsidentin wehrte sich dagegen. «Sollten wir in Bülach ein Regionalzentrum machen, braucht es dazu bis zu 500 Mitglieder.» Beim Bülacher Eislaufclub sind es zurzeit lediglich 30 bis 50 Aktive. «Wir müssen jedes Jahr Abgänge verzeichnen. Bevor wir das nicht in den Griff bekommen, ist die Idee mit dem Regionalzentrum nicht durchsetzbar.»

Die Präsidentin wollte ihren Fokus vermehrt auf die Kinder und Jugendlichen richten. Ihr Ziel war es, wieder mehr Spitzenläufer herauszubringen. Natürlich am liebsten so eine wie Sarah Meier, die einmal Europameisterin und zweimal Vize-Europameisterin wurde. Sie ist ebenfalls Mitglied beim Bülacher Eislaufclub. Lehmann: «Ich bekam die Chance nicht, um das durchzuziehen.» Sie sieht ein: «Die Meinungen gehen weit auseinander.»

Knapp wiedergewählt und Konsequenzen gezogen

Das traurige an der Sache: Die Kinder können sich selbst gar nicht dazu äussern. Von ihnen wird verlangt, dass sie ihre Leistung abliefern.

Nicht der ganze Verein stellte sich gegen die Präsidentin und die anderen Vorstandsmitglieder. Alle wurden an der Generalversammlung wiedergewählt, wenn auch knapp. «Ich kann mich gar nicht richtig darüber freuen.» Deshalb zieht sie daraus die Konsequenzen und tritt per sofort aus dem Verein zurück.

Ganz überraschend kommt das aber nicht. Sie habe schon während der Saison die lauter werdenden Unstimmigkeiten im Verein gespürt. Warum ist sie erst nach der Versammlung zu diesem Entschluss gelangt? «Ich wollte nicht während der Generalversammlung zurücktreten, sondern diese vernünftig zu Ende führen.» Nun sieht sie für sich aber keine Zukunft mehr in Bülach. «Mich hält nichts mehr hier. Auch weil meine Tochter nicht mehr aktiv ist.» Sie glaubt aber, dass der Club auch ohne sie weiterhin in guten Händen ist. «Ich denke, dass der Verein strukturiert weitergeführt wird.» Ihrem Rücktritt folgen zwei weitere Mitglieder aus dem Vorstand: Tatiana Haas, technische Kommission Kader und Nicole Schmidli, Eisverwalterin.

Wer die Lücken im Vorstand füllt, wird an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 5. Juli bestimmt. Und Michèle Lehmann ist froh, dass sie nun wieder mehr Zeit hat, um selber aufs Eis zu gehen, beim Eislaufclub Zürich.

Erstellt: 19.06.2017, 16:15 Uhr

Michèle Lehmann.

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