Food Waste

Esswaren per App vor der Mülltonne retten

Auf der App Too Good to Go verkaufen Restaurants und Läden Lebensmittel, die sie sonst fortwerfen müssten. Die Nachfrage wächst täglich.

Statt wegzuwerfen, übergibt Iris Kaszas von der Pasta Oase eine Mahlzeit an Eliane Clivaz.

Statt wegzuwerfen, übergibt Iris Kaszas von der Pasta Oase eine Mahlzeit an Eliane Clivaz. Bild: Balz Murer

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Kurz vor zwei Uhr mittags betritt Eliane Clivaz das Restaurant Pasta Oase an der Industriestrasse in Wallisellen. Sie zückt ihr Smartphone und zeigt an der Theke die digitale Kaufquittung vor. Über die App namens Too Good to Go hat sie sich heute ein spätes Mittagessen reserviert. «Mit dem Baby habe ich häufig keine Zeit zu kochen», sagt die junge Frau, die ganz in der Nähe wohnt. Deshalb habe sie nun einmal diese App ausprobiert. Die Serviceangestellte reicht ihr zwei Kartonbecher. Der Inhalt ist stets eine Überraschung. Heute gibt es Penne mit Carbonara-Sauce und einen Salat.

«Wir werfen fast nichts weg.»Sascha Kouba, Geschäftsführer Pasta Oase

Ein ganzes Menü, das beim Mittagsservice übrig geblieben ist. Vielleicht hätte es das Restaurant sonst entsorgen müssen. Früher habe man Resten manchmal zu Pfarrer Siebers Sunnestube in Zürich gebracht, sagt Geschäftsführer Sascha Kouba. Doch über die App sei es einfacher, hungrige Abnehmer zu finden. Das Lokal mit dem originellen Interieur gibt es seit einem guten Jahr. Mittlerweile habe man die benötigten Mengen gut in den Griff bekommen, sagt der Kouba. «Wir werfen fast nichts weg.»

Auf Too Good to Go bieten Restaurants, Kaffeebars und Lebensmittelläden nach Geschäftsschluss Speisen an, die sie nicht verkaufen konnten. Schweizweit beteiligen sich mittlerweile gut 1600 Betriebe daran, in der Region Unterland sind es rund 25 – darunter etwa die Sushi-Kette Yooji’s mit einer Filiale im Glattzentrum, die Hotels Novotel und Ibis am Flughafen, die asiatischen Restaurants Nooch und Sahar im Walliseller Richti-Areal, diverse Kaffeebars mit Sandwiches und Kuchen, aber auch Bäckereien, Spar-Filialen und Alnatura-Läden. Die meisten Angebote sind am Flughafen und in Wallisellen zu finden.

App verzeichnet rasantes Wachstum

Hinter Too Good to Go steckt eine ganze Bewegung, die ihren Hauptsitz in Kopenhagen hat. Sie ist in diversen Ländern Europas aktiv, um die Lebensmittelverschwendung einzudämmen und somit etwas gegen den Klimawandel zu tun. Neben dem Betreiben der App organisiert sie Informationskampagnen für Privatpersonen und Schulen und engagiert sich auf politischer Ebene, zum Beispiel um bei Ablaufdaten auf Lebensmitteln zu verdeutlichen, dass sie meist auch darüber hinaus geniessbar sind.

«Unsere Vision ist Zero Waste – also null Verschwendung.»Delila Kurtovic, Geschäfsstelle Too good to go Züirch

«Fast die Hälfte der weggeworfenen Esswaren geht auf das Konto von Privathaushalten», sagt Delila Kurtovic von der Geschäftsstelle in Zürich. Man wolle die immer grössere Reichweite nutzen, um die Leute für diese Umweltsünde zu sensibi­- lisieren. «Unsere Vision ist Zero Waste – also null Verschwendung.»

Die Anzahl Kunden wächst rasant. Seit die App vor einem guten Jahr in der Schweiz lanciert wurde, haben sie bereits fast eine halbe Million Personen heruntergeladen. Täglich kommen 1500 bis 2000 Downloads dazu. Und auch immer mehr Betriebe machen mit. Das Ziel bis Ende Jahr sei, eine Million Essensportionen vor dem Abfall zu retten, sagt Kurtovic. Bei jedem Kauf erscheint die aktuelle Zahl auf der Website. Aktuell sind es gut 500000.

Die Gerichte kosten rund ein Drittel des Preises, den Kunden im regulären Verkauf bezahlen. Die Penne carbonara plus Salat in der Pasta Oase kamen somit auf 7.90 Franken zu stehen. Eine normal grosse Portion Sushi ist meist für rund 14 Franken zu haben, und in manchen Snackbars gibt es kurz nach Ladenschluss eine ganze Tasche Sandwiches für knapp fünf Franken. Der Betrag wird jeweils direkt über die hinterlegte Kreditkarte abgerechnet.

Die meisten Restaurants bieten ihre Speisen erst etwa um 22 Uhr an, wenn sie Betriebsschluss haben. Im Kühlschrank sind sie aber problemlos mindestens bis zum nächsten Tag haltbar. Wer früher Hunger hat, schaut sich bei den Lebensmittelläden um oder bei den Hotels in der Flughafenregion, welche oft bereits vor dem Mittag Resten vom Frühstücksbuffet ausschreiben.

Auch Abfall will man künftig vermeiden

Ein weiteres Ziel von Too Good to Go ist es, das Verpackungsmaterial zu reduzieren. «Wir motivieren die Betriebe, auch mitgebrachte Behälter zu akzeptieren», sagt Delila Kurtovic. Eine Option wäre auch, künftig mit Mehrweggeschirr-Systemen zusammenzuarbeiten. Bis jetzt packt ein Grossteil der Restaurants die Speisen vorgängig in Plastik- oder Kartonbehältnisse ab. Bei Yojii’s zum Beispiel macht man dafür hygienische Gründe geltend.

«Ich selber nehme meistens eine eigene Dose mit und frage immer wieder nach», sagt Delila Kurtovic. Sie ermutigt andere App-Nutzer, dies ebenfalls zu tun. In der Pasta Oase sei es bereits heute kein Problem, sein eigenes Gefäss mitzubringen, sagt Sascha Kouba. «Wir begrüssen das sehr.»

Erstellt: 16.09.2019, 16:30 Uhr

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