Bülach

Externer Motor für die Wirtschaft kostet 1,2 Millionen Franken

Die Stadt Bülach möchte für Unternehmen attraktiver werden. Ein Wirtschaftsförderer soll die Entwicklung vorantreiben. Das kostet 1,2 Millionen Franken für vier Jahre. Einigen Parteien ist das eindeutig zu viel.

Stadtpräsident Mark Eberli (EVP): «Bülach ist ein regionales Zentrum, nahe am Flughafen gelegen, verfügt über eine gute Infrastruktur und bietet deshalb beste Voraussetzungen zum Wohnen und Arbeiten»

Stadtpräsident Mark Eberli (EVP): «Bülach ist ein regionales Zentrum, nahe am Flughafen gelegen, verfügt über eine gute Infrastruktur und bietet deshalb beste Voraussetzungen zum Wohnen und Arbeiten» Bild: Archiv Balz Murer

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Eigentlich wäre Bülachs Stadtpräsident Mark Eberli (EVP) der ideale Standortförderer. «Bülach ist ein regionales Zentrum, nahe am Flughafen gelegen, verfügt über eine gute Infrastruktur und bietet deshalb beste Voraussetzungen zum Wohnen und Arbeiten», sagte er anlässlich der Präsentation der Wirtschaftsstrategie der Stadt Bülach. Dennoch, so Eberli, sei bei der Unterstützung von Firmen durchaus noch etwas Luft nach oben. Der Stadtrat hat deshalb seine erste Wirtschaftsstrategie für Bülach, ausgelegtauf die Jahre 2018 bis 2022, verabschiedet. Die Exekutive erfüllt damit eines ihrer aktuellen Legislaturziele.

Die Strategie beinhaltet zehn Ziele und damit verbunden konkrete Massnahmen zur Stärkung der Wirtschaft. Zu diesen zählt die Pflege der bestehenden Unternehmen, aber auch das Anwerben neuer Firmen. «Vor allem Letzteres benötigt jedoch Ressourcen – und die haben wir heute nicht», so Eberli. Weil man die Firmen ja nicht mit Steuerrabatten oder Richtplanänderungen anlocken könne, brauche es jemanden, der sich um die Wirtschaftsförderung kümmere: «Der Stadtrat ist zum Entschluss gekommen, dass ein externes Mandat für die erste Phase die beste Lösung ist.»

Deshalb beantragter dem Gemeinderat einen Rahmenkredit von total 1,2 Millionen Franken, also von 2018 bis 2022je 300 000 Franken — 200 000 Franken für Personalkosten, 100 000 Franken für konkrete Projekte. Zur Strategie gehört auch die Einsetzung eines Beirats mit Fachleuten aus der lokalen Wirtschaft.

Arbeit gibt es genug

Eberli ist überzeugt, dass der Wirtschaftsförderer in Bülach ­genug Handlungsfelder findet. Eines liegt im Zentrum. Der Stadtrat möchte die Innenstadt, konkret die Achse Bahnhof, Untertor, bis Kasernenstrasse, aufwerten. «In Bülach-Süd, Herti, Bülach-Nord und ganz besonders im Jakobstal gibt es zudem noch einige Areale gemeinsam mit den Grundbesitzern zu entwickeln», erklärt der Stadtpräsident. Dabei könne man auf den bestehenden Erfolgsfaktoren aufbauen: «Bülach hat beispielsweise eine starke Position im Medizinalbereich. Da wäre ein weiteres Wachstum wünschenswert.»

Pflegen und überprüfen

Sowohl Stadtpräsident Mark Eberli als auch Stadtschreiber Christian Mühlethaler bestätigen, dass das Interesse von Firmen am Standort Bülach vorhanden sei. «Solche Anfragen müssen jedoch aktiv betreut werden», sagt Eberli. Der Auftritt des Wirtschaftsstandorts Bülach gegen aussen oder das Mitdenken bei der «Standortförderung Zürcher Unterland» würden ebenfalls zu den Aufgaben des Wirtschaftsförderers gehören.

Eberli hofft nun auf ein Ja des Parlaments, das den Kredit im ersten Quartal 2018 behandeln wird. Der Tenor an einem Workshop im August zum Thema sei jedenfalls positiv gewesen: «Viele der Teilnehmenden haben es begrüsst, dass in diesem Bereich etwas geht.»

Skeptische Parteien

Die Fraktionen, die gestern für eine Stellungnahme erreichbar waren, äusserten sich teils skeptisch.

Die SVP lässt noch offen, ob sie das Geschäft annimmt. Erst müsse man Antrag und Weisungen konkret prüfen und besprechen, erklärt Fraktionspräsident Cornel Broder. Er stösst sich aber ­daran, dass die Stadt «für ein horrendes Honorar» einen externen Berater anstellt: «Im Vergleichzu diesen hohen Ausgaben ist der Nutzen eines solchen Konzepts äusserst fraglich.»

Die SP-Fraktion begrüsst, dass das Strategiepapier Massnahmen über einen längeren Zeithorizont plant. Auch, dass der Stadtrat mit einem Kredit zur Umsetzungan den Gemeinderat gelangt und die Massnahmen nicht in den laufenden Rechnungen unterbringt, wertet man positiv. «Über den ­Inhalt, den Sinn und die Notwendigkeit der Wirtschaftsstrategie wird die SP-Fraktion im Zuge der Behandlung des Geschäfts beraten», erklärt Fraktionspräsident Samuel Lienhart.

David Galeuchet, Fraktionspräsident der Grünen, bedauert, dass die Strategie zu spät kommt: «Es hätte sie bei der Planung der grossen Bauvorhaben in Bülach-Nord gebraucht. Man hätte den Anteil Gewerbeflächen erhöhen und moderne Arbeitsplätze schaffen können.» Leider sei diese Chance verpasst worden.» Firmen in Bülach zu halten und neue Firmen zu gewinnen, sei wichtig. «Ob dies auf dem vom Stadtrat begangenen Weg möglich wird, bezweifeln wir aber», meint Galeuchet.

Andres Bührer, Fraktionspräsident BSB/GLP, begrüsst, dass Dynamik ins Thema Wirtschaftsförderung kommt: «Viel zu viel Zeit ist hier schlecht genutzt verstrichen.» Er kritisiert aber, dass der Stadtrat einmal mehr auf externe Mandate setze. Das garantiere nur etwas: «Es kostet massiv.» Aus Bührers Sicht hat der Stadtrat Unmengen an Steuergeldern verplant, ohne griffige Massnahmen zu garantieren, die Aussicht auf einen real positiven und messbaren Effekt haben. «Wir sind gespannt, ob hier noch etwas mehr kommt.»

Stadtpräsident Eberli hält entgegen, es gebe durchaus mess­bare Kriterien für den Erfolg einer Wirtschaftsstrategie. «Die Anzahl Arbeitsplätze oder die Steuereinnahmen zum Beispiel.» Zum Thema Kosten sagt Eberli: «Wenn man so etwas macht, dann richtig, sonst kann man ebensogut weitermachen wie bisher.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.10.2017, 14:11 Uhr

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