Bassersdorf

Fasnachtszeitung verteilt verbale Seitenhiebe

Traditionell ­erscheint in Bassersdorf ­ im ­Vorfeld der Fasnacht ­ «De ­Schwarz», das «offizielle ­Amts- und Schmutzblatt» ­zum Narrenfest. Zumeist in ­Reimform wird – mal augenzwinkernd, mal derb – über ­Ereignisse des vergangenen ­Jahres gespottet.

Auf der eher nüchtern gestalteten Titelseite halten sich die Fasnächtler noch zurück, in den Texten lassen sie dem Spott freien Lauf.

Auf der eher nüchtern gestalteten Titelseite halten sich die Fasnächtler noch zurück, in den Texten lassen sie dem Spott freien Lauf. Bild: Madeleine Schoder

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Mit der symbolischen Über­gabe des Schlüssels zur Narrenfreiheit wurde gestern um 20.21 Uhr die Bassersdorfer Fasnacht eröffnet. Parallel zur grossen Sause wird vom Fasnachtskomitee (Fakoba) jedes Jahr auch «De Schwarz», die Fasnachtszeitung, publiziert. ­Ein Blick in das knapp 50 Seiten umfassende «Amts- und Schmutzblatt» der Fasnacht zeigt: Es gab im letzten Jahr genug Geschichten, die eines verbalen Seitenhiebs würdig waren.

Von öden Dorfplätzen und übermütigen Fahrlehrern

Gleich mehrmals gutmütig auf ­ die Schippe genommen wird zum Beispiel Adolf Kellenberger. Der ehemalige Schulpfleger, der im Dorf dafür bekannt ist, dass er den Bassersdorfer Behörden genau auf die Finger schaut, hatte dieses Jahr mit seiner Idee, die Feuerwehren von Bassersdorf und Kloten zu vereinen, auf sich aufmerksam gemacht. «Was alles mög­lich wär, studiert ständig der Schreck von den Geisslohhöhen, / um Behörden und Instanzen auf Trab zu halten, die aus den Verwaltungshöhlen», kommentiert das Fasnachtsblatt die Einzel­in­it­ia­tive des in der Nähe des Geissloowegs wohnhaften Rentners. Genüsslich schlachtet «De Schwarz» zudem aus, dass Kellenberger sich an einem geselligen Abend im Schmittekeller auf dem Lokus eingesperrt hatte und aus seiner misslichen Lage befreit werden musste: «Um drei Ecken endlich die Feuerwehr ward alarmiert, / mit vier Mann diese anrückte, der Kurze tat etwas blamiert.»

Dankbar für eine Narren­zeitung natürlich auch die Geschichte eines Fahrlehrers, der ­in seinem Lernfahrzeug ­ohne Fahr­schüler auf dem Beifahrer­sitz Platz nahm und aus dieser Position heraus durch die Gegend kurvte. Dummerweise wurde auch die Polizei auf die ungewöhnliche und illegale Lenk­methode aufmerksam. Vor Gericht wurde der Hobby-Stunt­fahrer zu einer Busse verurteilt. «So kommt’s, wenn man stu­diert mit dem Arsch statt mit dem Kopf / das grosse Gespött nicht aus­bleiben tut, du armseliger Tropf», stichelt die Narrenredaktion.

Aufs Korn nehmen die Fas­nächt­ler vor allem die Behörden, zum Beispiel, wenn es um den neu gestalteten Dorfplatz geht. «Ein Bijou ohne­gleichen sollt’s wer­den, Basi’s zen­traler Kern. / Für Bürger eine Freude, nur davon sind wir sehr fern», dichtet das Fa­koba ­ und zieht einen Vergleich mit ­ dem architektonischen Erbe Ostdeutschlands: «Steht man in des Platzes Mitte und schaut in die Runde auf die Bauten, / beinah dem Plattenbaustil der Ex-DDR ähnelt, hört man verlauten.»

Auch bei der neuen Fuss­gän­ger­brücke, die nach dem Bau direkt nachgebessert werden musste, kommen die Behörden schlecht weg: «Verchehrskonform und ­passend is Bild isch d’ Bedinging, / öbs sicher und de Aaforderige passt, nid so wichtig.»

Es wird indes auch ge­lobt. Christian Pleisch, dem Nach­fol­ger von Verwaltungsdirektor Rolf Rin­der­knecht, windet das Fa­koba mit ein paar Zeilen ein Kränzchen: «D’Stim­mig isch besser, es amtet sich guet, / de Rindi isch gange, gleit het sich d’Wuet.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 04.02.2016, 22:22 Uhr

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