Zum Hauptinhalt springen

Fasnächtler integrieren Asylsuchende

Heute beginnt in Bassersdorf die grösste Fasnacht der Region. Für den Festzeltaufbau und die Einrichtung sowie Dekoration in der Möslihalle haben die Organisatorendes lokalen Fasnachtskomitees dieses Jahr erstmals tatkräftige Unterstützung von Asylsuchenden bekommen.

Hoch hinaus geht das Helferquartett auf der Leiter im Zelt, während Fasnächtler Marcel Vogler (ganz links) staunend Anweisungen gibt.
Hoch hinaus geht das Helferquartett auf der Leiter im Zelt, während Fasnächtler Marcel Vogler (ganz links) staunend Anweisungen gibt.
Francisco Carrascosa

Auf dem Dorfplatz von Bassersdorf herrscht emsiges Treiben an diesem Mittwochmorgen. Rund ein Dutzend Männer sind, verteilt über den ganzen Platz, mit dem Aufbau für die Bassersdorfer Fasnacht beschäftigt.«Hou ruck, hou ruck. Warten! Hou ruck, hou ruck.» Es sind Anweisungen an die Helfer, die mit Seilen gerade eine Blache am Zeltanbau hochziehen. Es passt. Marcel Vogler, langjähriges Mitglied im Fasnachtskomitee Bassersdorf (Fakoba), ist zufrieden. Seine neuen Helfer hat er erst an diesem Morgen kennen gelernt. Es sind Yaser Chamdin, Meajel Al Zafiri, Ali Shah Abedi und Gholam Ali Heidari.

Die vier neuen Helfer sind nicht wie alle übrigen vom lokalen Fasnachtskomitee, sondern leben als Asylsuchende im Dorf. Sie stammen aus Syrien, Afghanistan und Kuwait. Hoch motiviert seien sie, hat Vogler schnell festgestellt. «Denen musst du nicht zweimal sagen, was sie tun sollen.» Der langjährige Bassersdorfer Fasnächtler ist bemüht, sich verständlich zu machen. Und es scheint zu klappen, wenn auch nicht immer gleich auf Anhieb. Das sei überhaupt nicht schlimm, findet der Präsident und Obernarr des Fakoba, Rolf Zemp.

«Eine Win-win-Situation»

Als Cheforganisator kann der Bassersdorfer Obernarr tatkräftige Hilfe gut gebrauchen. «Für die Basi-Fasnacht leisten unsere Mitglieder insgesamt weit über 1000 Stunden Freiwilligenarbeit.» Dennoch müssen auch externe Profis beigezogen werden, was das Fakoba zusätzlich berappen müsse. Da sei jeder zusätzliche Helfer für die vielen grossen und kleinen Arbeiten im Umfeld der Basi-Fasnacht ein Segen, freut sich Zemp. Beim zuständigen Asylbeauftragten der Gemeinde, Felix Goldinger, ist der Obernarr auf offene Ohren gestossen. «Es ist eine Win-win-Situation», freut sich Zemp, während Goldinger zustimmend nickt und meint: «So werden unsere Asylsuchenden sinnvoll beschäftigt, kommen in Kontakt, können ihre Deutschkenntnisse anwenden und werden ins Dorfleben integriert.» Das Verstärkungsquartett schultert Metallträger, montiert hoch oben auf der Leiter den Heizschlauch im Zelt, bringt die überdimensionierten Schaumstoffkonfetti an und hängt die bunten Kunststoffbahnen unters Zeltdach.

«Wir sprechen nur ein bisschen Deutsch», entschuldigt sich der Jüngste, Ali Shah Abedi. Sie würden immer gern mithelfen, wo es möglich sei, beteuern sie. Am besten Deutsch spricht Meajel Al Zafiri aus Kuwait. Im Gegensatz zu den andern kennt er die Dorffasnacht schon. «Ich war mit meinen Kindern schon letztes Jahr da.» Den grossen Umzug am Sonntag werde er wohl wieder besuchen, sagt er und lacht. Wie toll er denn das laute und schrille Treiben im Dorf findet, kann er nicht genau erklären. Eine Ablenkung vom Alltag ist es auf jeden Fall. Denn dieser ist vor allem durch Abwarten geprägt und zwischendurch durch einem Deutschkurs. Arbeiten darf er nicht. Für die Hilfe bei den Fasnächtlern gibts für die Asylsuchenden zusätzlich zu den 17.50 Franken am Tag von der Gemeinde noch 3 Franken pro Stunde. Und vom Fakoba wirds obendrein ein paar Einkaufsgutscheine geben. Nächste Woche bietet der Abbau und das Aufräumen noch einmal eine Chance, anzupacken und somit auch das Haushaltsgeld etwas aufzubessern.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch