Bülach

Fussball-Gaderoben müssen erneut vors Parlament

Im Mai 2016 hat das Bülacher Parlament 2,1 Millionen für ein neues Garderobengebäude des FC Bülach gesprochen. Doch die Submission zeigte bald: Dieses Geld reicht nirgends hin. Jetzt beantragt der Stadtrat weitere 1,2 Millionen.

Ganz so feudal wie auf dem Campus des FC Basels werden die neuen Garderoben in Bülach wohl kaum aussehen.

Ganz so feudal wie auf dem Campus des FC Basels werden die neuen Garderoben in Bülach wohl kaum aussehen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Garderobengebäude auf der Fussballanlage Gringglen ist derart sanierungsbedürftig, dass es ersetzt werden muss. Seit der FC Bülach 2014 das Baurecht und damit auch die Verantwortung für die Gebäude der Anlage an die Stadt zurückgegeben hat, fanden sich Fussball-Erneuerungsbauten auf der politischen Agenda der Stadt; zunächst waren Tribüne, Kunst- und Naturrasen an der Reihe, im Mai 2016 hat das Parlament dann einen Kredit von 2,1 Millionen Franken für ein neues Garderobengebäude gesprochen.

Doch in diesem Neubauvorhaben ist der Wurm drin. Zunächst war der Stadtrat von 3,1 Millionen Franken ausgegangen, zog diese Pläne aber von sich aus wieder zurück. Ein Jahr später beantragte er dem Parlament einen Kredit über 2,5 Millionen Franken, den der Gemeinderat auf die erwähnten 2,1 Millionen Franken zurückstutzte.

Es folgten zwei Anläufe von Ausschreibungen: Die erste Submission vom September lieferte nur ein einziges Angebot, das deutlich über dem Kredit lag. Man schrieb das Projekt ein zweites Mal aus; diesmal lagen zehn Bewerbungen vor, wiederum alle über den bewilligten 2,1 Millionen. Das beste Projekt auf dem Tisch veranschlagte 3,1 Millionen – mit Nebenkosten und Planungsarbeiten wären demnach 3,5 Millionen Franken nötig.

Am letzten Mittwoch hat der Stadtrat nun entschieden, die fehlenden 1,2 Millionen Franken (150 000 Franken steuert der FC Bülach selber bei) dem Parlament als Nachtragskredit vorzulegen. Damit liegt das Geschäft bei der Rechnungsprüfungs- und bei der zuständigen Fachkommission IV. Behandelt wird es im Rat voraussichtlich im Oktober.

«Es sind Fehler passiert»

Ein Garderobengebäude, das plötzlich um 57 Prozent teurer wird – der Sicherheits- und Sportvorsteher von Bülach, Jürg Hintermeister, ist sich bewusst, dass da in der Ratsdebatte Fragen kommen würden. «Bei diesem Geschäft waren von Anfang an die Emotionen zum Fussball dominanter als das Sachgeschäft», sagt er. Und: Es seien auf verschiedenen Seiten Fehler gemacht worden. «Der allererste Vorschlag von 2015 lag bei 3,1 Millionen – heute wissen wir, dass dieser Vorschlag richtig gewesen wäre.»

Hintermeister selbst hatte aber der zuständigen Projektgruppe die Vorgabe gemacht, bei 2,5 Millionen zu landen. «Das war mein erster Fehler», räumt er ein. Dass der Gemeinderat dann mit den «dominanten Emotionen» den Betrag auf 2,1 Millionen Franken gekürzt habe, das sei dessen Fehler gewesen. «Ich habe dann beim Architekten und bei der Projektgruppe nachgefragt, ob das Projekt für 2,1 Millionen gebaut werden könne und habe ein ‹Ja› erhalten», führt Hintermeister weiter aus. Er habe dieses Ja dann nicht weiter hinterfragt, auch weil er das Geschäft endlich habe durchbringen wollen, «das war mein zweiter Fehler». Dazu sei noch eine Fehlkalkulation des Architekten gekommen.

Jetzt also wird sich das Parlament erneut zur Akte Garderobe äussern müssen. «Fakt ist, dass die Fussballanlage Gringglen seit 2014 städtisch ist – und sie befindet sich in einem Zustand, der nicht zu verantworten ist», sagt Hintermeister.

Bleibt die Frage, was das Vorhaben der Bülacher so teuer macht. Der FC Embrach etwa hat erst jüngst für 1,3 Millionen Franken seine Garderoben erweitert und saniert. «Einerseits sind bei uns auch die Strom- und Wasserleitungen im Boden so marode, dass alles ersetzt werden muss», erläutert der Sportvorsteher. Andererseits bestehe die politische Vorgabe, dass man das neue Garderobengebäude später verschieben können muss – dann nämlich, wenn das Areal Gringglen dereinst überbaut werden wird.

Ein Nein zahlen die Nachbarn

Mit dem skizzierten Abstimmungsfahrplan lässt es sich kaum vermeiden, dass das emotionale Dossier «FC-Garderoben» zum Gegenstand des Wahlkampfs 2018 werden wird. Für Jürg Hintermeister ist derweil klar: Würde derselbe Gemeinderat, der den ursprünglichen Antrag gekürzt hat, nun den Nachtragskredit versenken, so würde die Stadt trotzdem Geld in die Finger nehmen müssen: «Eine Million würde umgehend fällig, und zwar gebunden», sagt er.

Denn nicht nur seien der Schimmelpilzbefall, das undichte Dach und die Löcher in den Duschböden nicht länger hinzunehmen, sondern der Verein erfülle derzeit eine Auflage vom Verband nicht, wonach alle erforderlichen Massnahmen zur Prävention von sexuellen Übergriffen getroffen werden müssen. Bei derzeit nur zwei Duschräumen ist in Bülach die Unterteilung nach Geschlecht, sowie zwischen Kindern und Erwachsenen schlicht nicht möglich.

Gleichzeitig werde der FC bei einem Nein Mannschaften abmelden müssen, sagt Hintermeister. Das wiederum würde wohl zuerst die Fussballer aus den Kreisgemeinden treffen, die in der Folge den Beitrag an die Sportinftrastruktur der Stadt (derzeit 25 Franken pro Einwohner) kürzen könnten. «Und nicht zuletzt wäre es ein Imageverlust für die Stadt», schliesst der Sportminister, «Der FC ist immerhin der grösste Verein der Region».

Erstellt: 24.08.2017, 11:05 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare