Winkel

Felder statt Konzepte beackern

Während 24 Jahren hat sich Arnold Meyer für seine Gemeinde engagiert. Zwölf Jahre war er Gemeindepräsident. Nun hat er entschieden: 2018 ist Schluss. Fortan möchte er vermehrt seine eigenen Felder beackern.

Sein halbes Leben ist Arnold Meyer für die Politik im Einsatz. Ab dem kommenden Sommer steht für den Winkler Gemeindepräsidenten die Landwirtschaft wieder an erster Stelle.

Sein halbes Leben ist Arnold Meyer für die Politik im Einsatz. Ab dem kommenden Sommer steht für den Winkler Gemeindepräsidenten die Landwirtschaft wieder an erster Stelle. Bild: Francisco Carrascosa

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Die geröteten Wangen verraten, dass Arnold Meyer diesen Vormittag nicht an seinem Schreibtisch im Gemeindehaus verbracht hat. Der Gemeindepräsident kommt von der Feldarbeit. Zuckerrüben ernten und Weizen anpflanzen stehen momentan auf seiner beruflichen Traktandenliste.

Den Wechsel zwischen Acker und Politik vollzieht Meyer nach 24 Jahren routiniert. Und doch: Er spürt die Doppelbelastung. Beides ­ – Hof und Gemeindepräsidium – richtig zu besorgen, fordert ihn stark. Wenn Meyer im Frühjahr 2018 nicht mehr zur Wahl antritt, möchte er einem Grundsatz treu bleiben, mit dem er erzogen wurde. «Wenn man für etwas bestimmt wurde, macht man es richtig.» Dieses Credo hat seine Politlaufbahn begleitet.

So auch 2002, als Meyer nach acht Jahren in der Rechnungsprüfungskommission, erstmals als Gemeinderat kandidierte. Er wurde zwar gewählt, schied aber als Überzähliger aus. Danach übernahm der SVP-Mann das eher unbeliebte Amt des Parteipräsidenten. «Ein Knochenjob», wie er sagt.

Weil niemand sonst wollte

Vier Jahre später, als sich niemand von der SVP der Kampfwahl für das Präsidium stellen wollte, ist er eben selber angetreten. «Wenn, dann richtig», hat er sich einmal mehr gesagt – und sich im zweiten Wahlgang gegen die parteilose Widersacherin durchgesetzt.

Seiter finden Präsidium und Landwirtschaft nebeneinander Platz . Seinen Hof in Winkel-Seeb aufzugeben, kam für Meyer nie in Frage. «Ich bin zu 100 Prozent gerne Bauer», erklärt der 50-Jährige. Das ist ein Glücksfall, denn als jüngstes von acht Kindern, war er traditionsgemäss ohnehin zur Übernahme des Hofes bestimmt. «Psychologie hätte mich auch noch fasziniert», sagt Meyer. Dieses Interesse sei ihm heute als Gemeindepräsident von Nutzen.

Er sei jedenfalls all die Jahre gut damit gefahren, anderen Menschen zu vertrauen. «Das führt dazu, dass nicht immer alles hinterfragt wird», sagt er. Nur so könne sich die Gemeinde nach vorne bewegen. Als Beispiele nennt Meyer das Alters- sowie das Kinder- und Familienkonzept seiner Gemeinde: «Da sind wir auf dem richtigen Weg.» Das Dorf für junge Familien attraktiv zu machen und der älteren Generation den Verbleib in der gewohnten Umgebung zu ermöglichen, müsse ein Ziel sein.

Stolz ist Meyer auch auf die intakte Infrastruktur, die er seinem Nachfolger übergeben kann. Winkel gelte zwar als reiche Gemeinde. Doch mit den 26 Prozent des Steuersubstrats, welches die Politische Gemeinde erhalte, müsse man zurückhaltend und sparsam umgehen, findet der SVP-Politiker.

In den zwölf Jahren seiner Präsidialzeit sind Herausforderungen und schwierige Momente nicht ausgeblieben. Als Beispiel nennt Meyer den jahrelangen Kampf gegen den Fluglärm: «Am Schluss wird doch immer gemacht, was der Flughafen und die Wirtschaft wollen, das ist frustrierend.»

Auch dass die Post trotz heftiger Gegenwehr die Gemeinde verlassen hat, war für den Gemeindepräsidenten eine Niederlage. Einen persönlichen Tiefschlag erlitt er, als im Mai 2012 sein Bauernhaus niederbrannte (der ZU berichtete).

Gemeinschaft geht vergessen

Etwas sorgenvoll betrachtet Meyer eine gesellschaftliche Entwicklung, von der auch seine Gemeinde nicht verschont bleibe: «Die Menschen werden immer Ich-bezogener, der Gemeinschaftsgedanke tritt in den Hintergrund.» Dabei brauche es Menschen, die sich vor Ort engagieren. Es gäbe in Winkel aber auch positive Ansätze, etwa in der Elternarbeit.

Und welches Engagement müsse seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger mitbringen? «Zeit, Teamfähigkeit und Präsenz im Dorf sind wichtig», findet Meyer. Nicht zu unterschätzen sei aber auch der Aufwand hinter den Kulissen. Etwa beim Thema Flughafen oder bei den Verhandlungen mit dem grossen Nachbarn Bülach. «Dort gelten wir nämlich zu Unrecht als Rosinenpicker», findet Meyer. Es gehe oft vergessen, was das kleine Winkel bezahle, zum Beispiel an die Sportanlagen.

Und das Parteibüchlein seiner Nachfolge? Nicht so wichtig, findet Meyer. Um die Gemeinde weiterzubringen müsse man über die Partei-Ideologie hinwegdenken. Eine Einschränkung macht der SVP-Mann dann doch: «Ich bin kein Fan von Parteilosen.» Ihnen fehle ganz einfach das Beziehungsnetz innerhalb einer Partei, beispielweise zu Kantons- oder Regierungsräten. Auch das Feedback der eigenen Partei sei wichtig: «Die pfeift einen schon mal zurück, wenn man auf dem Holzweg ist.»

Selbst auferlegtes Verbot

Er selber will seiner Nachfolge aber möglichst nicht dreinreden – im Gegenteil: «Ich habe mir selbst für ein bis zwei Jahre verboten, an Gemeindeversammlungen teilzunehmen.» Ein Leben ohne Versammlungen und Sitzungen eröffnet neue Perspekiven — vielleicht für längere Ferien? «Wer weiss?», sagt Meyer mit einem Schmunzeln, «aber eigentlich habe ich das Reisen bis heute nicht vermisst.» Viel lieber möchte er vorest wieder zu 100 Prozent Bauer sein. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.10.2017, 18:12 Uhr

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