Freienstein-Teufen

Feuer und Flamme in Freienstein

Der Kulturschaffende Hansjörg Lehner führte am Samstagabend beim Neuen Kino Freienstein seine Feuerschau vor. Rund hundert Personen staunten über seine heisse Kunst.

Fast wie in einem Tanz ums Feuer zeigte der Künstler Hansjörg Lehner beim Neuen Kino Freienstein seine heisse Aktion.

Fast wie in einem Tanz ums Feuer zeigte der Künstler Hansjörg Lehner beim Neuen Kino Freienstein seine heisse Aktion. Bild: Sibylle Meier

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Am Samstagabend auf dem Spinnereiplatz beim Kino Frei­en­stein haben sich gut hundert Leute eingefunden, um sich von der Feuerschau des Kulturschaffenden Hans­jörg Lehner überraschen zu lassen. Die letzten Vorbereitungen trifft dieser in seinem Atelier Ton4 – in T-Shirt und Sandalen.

Mit dabei ist auch Martin Pusch, sein Assistent. Derweil übernimmt die vierköpfige Zürcher Band Ear Sin die musika­lische Gestaltung des Abends. Mit Akustik-Coverversionen bekannter Lieder vermögen sie das Pu­bli­kum mitzureissen. Es herrscht eine gemütliche Stimmung. Anne-­Ca­the­rine Lang vom Neuen Kino Freienstein bestätigt: «Ich höre immer wieder, dass bei uns ein Sommerferien-Feeling herrsche.»

Ein feuriger Polizeiangestellter

Doch dann gilts ernst: In einen ­roten Overall gepackt und mit grossen Handschuhen erscheint der Meister des Feuers. Er trägt einen schwarzen Hut, an dem klei­nere Kerzen befestigt sind, was den Eindruck vom Feuer-Künst­ler noch verstärkt. Als Einstieg mitgebracht hat er zwei inein­ander verschlungene Kreise, die er in Brand setzt und zu Händels «Einzug der Königin von Saba» tanzen lässt.

Hans­jörg Lehner ist Sicherheitsbeauftragter bei der Kantonspolizei am Flughafen Zürich. Als Teilzeitangestellter kann sich der 59-Jäh­rige ansonsten ganz seiner Leidenschaft, der Kultur, ­widmen. Schon als Kind sei er immer am Werken gewesen, und die Faszination für Materialien wie Papier oder Keramik habe ihn nie mehr losgelassen. Später ar­bei­te­te er als Maschinenzeichner, bei der Armee und als Erwachsenenbildner, wo er besonderen Wert auf Integration und den Abbau von Vorurteilen legte. So will er mit seinem Schaffen auch in erster Linie zwei Dinge erreichen: Freude wecken und subtil provozieren. Die rund zehnminütige Feuerschau gehört eindeutig zu Ersterem.

An diesem Abend läuft nicht ­alles rund. Doch Pannen steckt Hans­jörg Lehner lässig weg: «Es gibt immer wieder Momente, ­ in denen etwas nicht ganz rundläuft. Da muss man sich jeweils anpassen.» Und sie sind tatsächlich schnell vergessen: Rund hundert selbst gemachte Feuerschalen aus Ton werden von zwei jungen Leuten aus dem Pu­bli­kum nach und nach entzündet, was den Eindruck eines Lichterteppichs vermittelt.

Ein kurzer Schreckmoment

Nicht alle Zuschauer sind jedoch gerne so nahe am Geschehen. Verständlich, denn wenn man nicht weiss, dass Lehner mit einer ungefährlichen Brennflüssigkeit arbeitet, fühlt man sich teils fast schon etwas zu nahe. Als er mit seinem Assistenten mit feurigen Schlägern und ebenso feurigem Ball beginnt, Tischtennis zu spielen, entlockt er manchem (an-)gespannten Zuschauer ein herz­haftes Lachen. Doch dann, ­eine Schrecksekunde: Der Ball fliegt ins Publikum und wird mit dem Fuss abgefangen. «Natürlich, so etwas darf, selbst wenn es ungefährlich ist, nicht passieren», bestätigt Lehner. Entsprechend hält er sich mit weiteren sportlich-feurigen Aktivitäten zurück und kreiert stattdessen ein Herz aus Feuer, wofür es postwendend Szenen­applaus gibt. «Ich sehe mich als Ideenlieferant und ­erachte Improvisation als sehr wichtig. Ich zwinge quasi den ­Zufall in eine Form», erklärt er seine Motivation.

Mit dem Löschen der Kerzen auf seinem Hut beendet er die spektakuläre Vorstellung. Und auch Anne-Catherine Lang meint: «Der Abend war ein Erfolg. Zufriedene Zuschauer und eine poetische Feuerschau; was will man mehr?» ()

Erstellt: 13.07.2015, 09:09 Uhr

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