Technologie

Firmen wollen 5G

Der Widerstand gegen 5G-Antennen wächst – auch im Unterland. Doch wie wichtig ist die schnelle Datenübertragung für die Wirtschaft? Während einige Unterländer Firmen Chancen wittern, haben sich andere noch kaum damit befasst.

5G-Antennen fallen auf. Die geplante in Freienstein-Teufen soll 35 Meter hoch werden.

5G-Antennen fallen auf. Die geplante in Freienstein-Teufen soll 35 Meter hoch werden. Bild: Keystone

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Im Zug ein Video schauen, dazwischen die Fussballresultate abrufen und gleichzeitig Fotos auf Instagram hochladen: Exzessive Smartphone-Nutzende warten geradezu auf das äusserst leistungsfähige 5G-Netzwerk.

Die fünfte Generation drahtloser Breitbandtechnologie soll rund hundert Mal schnellere Datenübertragung ermöglichen als die derzeit üblichen 3G- und 4G-Netzwerke.

Doch die landesweite Erschliessung, welche die Telecom-Unternehmen vorantreiben, bietet nicht nur Vergnügen für Private, sondern soll auch für Firmen viele neue Möglichkeiten schaffen.

«Eine flächendeckende Abdeckung mit 5G stellt für Unternehmen in unserer Region einen Wettbewerbsvorteil dar.»

Grosse Erwartungen hat zum Beispiel der Baukonzern Implenia mit Hauptsitz in Dietlikon. «Die massiv höhere Geschwindigkeit wird es uns ermöglichen, die Digitalisierung auf den Baustellen voranzutreiben», sagt Informatik-Chef Stephan Burkart.

Besonders die grösseren Auftraggeber würden vermehrt nach dreidimensionalen digitalen Modellen verlangen, die stetig mit Zusatzinformationen wie Termin- und Kostenplanung erweitert werden können. «Die Technologie hat für Implenia enormes Potenzial, da sie uns erlauben wird, die digitalen Lösungen uneingeschränkt und ortsunabhängig auf den Baustellen zu nutzen», sagt Burkart.

Lastwagen besser orten

Auch für die Transportfirma Welti-Furrer mit einem Standort in Dielsdorf ist die schnelle Datenübertragung durch 5G sehr interessant. Zwischen Zentrale und Aussendienst würden immer mehr und grössere Daten hin- und hergeschickt, erklärt Geschäftsführer Philipp Vassalli.

Künftig werde man die Fahrzeuge auf der Strasse besser mit der Zentrale vernetzen können, um jederzeit über deren Standort und Zustand informiert zu sein sowie Auftragsabwicklungen online zu übermitteln. Weiter könne man sich Anwendungen beim Management und im Lager vorstellen, sagt Vassalli.

«Zudem sind wir überzeugt, dass eine flächendeckende Abdeckung mit 5G für Unternehmen in unserer Region einen Wettbewerbsvorteil darstellt.» Von einem Firmenwachstum im Kanton Zürich erhofft sich Welti-Furrer eine grössere Nachfrage nach ihren Logistik-Dienstleistungen.

Wirtschaft soll zulegen

Die Hoffnung auf Wirtschaftswachstum und neuen Stellen basiert auch auf Prognosen des Schweizerischen Verbands der Telekommunikation (Asut). In einer Studie schätzt der Branchenverband den Produktionszuwachs dank 5G in der Schweiz auf über 40 Milliarden Franken. Dabei sollen gegen 140 000 neue Arbeitsplätze entstehen, zum Beispiel in der Transportbranche, aber auch in der Industrie, im Detailhandel, der Kommunikation und im Dienstleistungssektor.

Den Standortvorteil betont gleichermassen die Swisscom, welche die schnellen Netzwerke trotz zunehmendem Widerstand aus der Bevölkerung bis Ende Jahr in der ganzen Schweiz anbieten will. Im Unterland sind bereits 18 entsprechende Antennen installiert. Die Schweiz habe als erstes europäisches Land 5G-Netzte in Betrieb, teilt Mediensprecherin Esther Hüsler mit.

Die Innovation halte Firmen vom Abwandern ins Ausland ab und helfe somit, Arbeitsplätze hier zu erhalten und neue zu schaffen. 5G soll weniger störungsanfällig sein als W-LAN und grössere Kapazitäten aufweisen. Somit ist die Technologie nicht nur im mobilen Umfeld nützlich, sondern als Ergänzugung zu W-LAN auch an fixen Standorten.

Noch kein 5G am Flughafen

Rund um den Flughafen gibt es bereits einige 5G-Antennen, am Flughafen selber jedoch nicht. Man sei mit den Telecomprovidern in ständigem Kontakt und diskutiere die Ausbaupläne für die Flughafengebäude, sagt Mediensprecherin Raffaela Stelzer. «Von einer schnelleren Internetverbindung würden sowohl unsere Passagiere und Besucher als auch viele Unternehmen profitieren.»

Die Bodenabfertigungsfirma Swissport zum Beispiel sieht mit der Technologie viele zusätzliche Chancen. Beim Beladen von Flugzeugen zum Beispiel müsse das Gewicht optimal verteilt werden, erklärt Mediensprecherin Nathalie Berchtold.

Dabei müssten die Mitarbeitenden stets die aktuellsten Daten erhalten um Sicherheitsvorschriften auf die aktuelle Situation zu übertragen. «So können Flüge speditiver abgewickelt werden.» Zurzeit sei die Internetverbindung am Flughafen teilweise zu wenig stabil.

Derweil kann die Fluggesellschaft Swiss noch keine Angaben zu konkreten Anwendungen machen, ausser dass die Fluggäste mit ihren Smartphones und Tablets profitieren könnten.

Noch wenig damit befasst

Auch etliche andere Unternehmen haben sich noch kaum mit den neuen Möglichkeiten auseinandergesetzt. So zum Beispiel der Niederweninger Maschinenkonzern Bucher Industries oder die in Rümlang ansässigen Bauunternehmungen Eberhard. «Wir warten nicht dringend auf 5G», schreibt Verwaltungsratspräsident Heinz Eberhard. Doch mit der Zeit werde man die Anwendungen bestimmt sinnvoll nutzen, etwa bei der Vernetzung von Standorten, Baustellen, Maschinen und Fahrzeugen.

Eberhard ist gleichzeitig Präsident der Arbeitgebervereinigung Zürcher Unterland (AZU). Dieser hat sich noch kaum mit dem Thema befasst, genauso wenig wie das Wirtschaftsnetzwerk Flughafenregion Zürich, dem über 600 Firmen und Organisationen angeschlossen sind.

Man hoffe aber auf einen raschen Durchbruch von 5G, erklärt Mediensprecher Peter Arnold. «Wir sind gegenüber neuen Technologien sehr positiv eingestellt, weil sie für Innovationen und den internationalen Wettbewerb strategisch wichtig sind.» Aufgrund des aktuellen Forschungsstands könne man davon ausgehen, dass 5G nicht gesundheitsschädigend ist, sagt Arnold.

Dezidiert haben sich bereits die schweizerischen Wirtschaftsverbände zum Thema geäussert. Gegenüber Tamedia hatte sich der Dachverband Economiesuisse besorgt gezeigt, dass «unbegründete Ängste die Digitalisierung bremsen oder verteuern könnten». In einigen Kantonen wurden bereits Moratorien verlangt, ebenso im Gemeinderat Opfikon. Und in Freienstein-Teufen haben über 1000 Personen eine Petition unterzeichnet, weil sie sich am Bild der geplanten Antenne stören oder gesundheitliche Schäden befürchten.

Erstellt: 28.05.2019, 18:29 Uhr

Der Stromverbrauch wird steigen

Es ist wie bei einer Autobahn: Bau und Unterhalt benötigen vergleichsweise wenig Energie. Doch eine neue Strasse wird mit Sicherheit dazu führen, dass viel mehr Autos gekauft werden, mehr Kilometer gefahren und mehr Benzin verbraucht wird.

So wird auch die 5G-Technologie bewirken, dass alle unterwegs deutlich häufiger Filme in hoher Qualität schauen. «Das Streaming von Videos benötigt viel Energie», sagt Friedemann Mattern, Professor für Informatik an der ETH Zürich. «Sowohl in den Netzen, die vom Server zu den Antennen führen, als auch in den Rechenzentren, wo die riesigen Datenmengen auf Servern lagern.»

Gemäss Mattern benötigt man für eine Stunde Streaming etwa 300 Wattstunden Strom; damit könnte man 2 Kilometer mit einem Elektroauto fahren oder im Wasserkocher 3 Liter Wasser zum Kochen bringen. Nur noch wenige würden in Zukunft Filme am Fernseher schauen, obwohl dies viel weniger Energie verbraucht.

Dagegen betont die Swisscom, 5G sei massiv energieeffizienter als ältere Technologien. Das Übertragen eines Bits benötige sowohl beim Sender als auch beim Empfänger einen Bruchteil des Stroms. Zudem stelle die schnelle Datenübertragung die Basis für neue Anwendungen dar, die zum Teil auch energetisch relevant sind. So zum Beispiel Smart Grids, welche Nachfrage und Angebot besser aufeinander abstimmen.

Sie werden vor allem im Zusammenhang mit dem Ausbau unregelmässig anfallender Strommengen wegen der erneuerbaren Energien grosse Bedeutung erlangen: Wenn in Norddeutschland gerade der Wind weht oder in Spanien die Sonne scheint, kann der überschüssige Strom zu Kühlhäusern oder Ladestationen für Autobatterien geleitet werden.

Doch auch die Swisscom-Verantwortlichen räumen ein, dass der starke Anstieg der übertragenen Daten die Stromersparnisse wieder zunichte machen könnte.

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