Wallisellen

Flüchtlinge als Stars auf der Theaterbühne

Am Sonntag führt das Flüchtlings-Theater Malaika das Stück «Die Küche ist voll!» im Bernhard Theater Zürich auf. Mit auf der Bühne steht auch der in Wallisellen wohnhafte Syrer Abdulghani Muhamad.

Gesamtprojektleiterin Nicole Stehli (mit Tochter Enya) hat neben den darstellerischen Fähigkeiten von Abdulghani Muhamad auch seine Gesangskünste entdeckt.

Gesamtprojektleiterin Nicole Stehli (mit Tochter Enya) hat neben den darstellerischen Fähigkeiten von Abdulghani Muhamad auch seine Gesangskünste entdeckt. Bild: Paco Carrascosa

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Über sich sagt Abdulghani Muhamad: «Ich bin ein Löwe». Vor vier Jahren flüchtete der Bankangestellte aus Syrien in die Schweiz. Seine sechs Brüder und zwei Schwestern, die in ganz Europa verstreut leben, sieht er nie. Deswegen fühle er sich oft einsam im Walliseller Asylheim.

Doch immer wieder schöpfe er neue Kraft. Zu dieser verhilft dem 53-Jährigen unter anderem die Mitwirkung im Flüchtlings-Theater Malaika. «Hier vergessen wir alle unsere Sorgen», sagt Abdulghani Muhamad. Er habe in dieser Gemeinschaft viele neue Freunde gefunden.

Zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen des Ensembles probt er einmal wöchentlich in der Helferei in der Stadt Zürich. Bevor ein neues Stück uraufgeführt wird, gibt es jeweils eine Intensiv-Probewoche. Wegen des Auftritts im Bernhard Theaters sei er überhaupt nicht nervös, sagt Muhamad. Er liebe es, vor vielen Leuten zu stehen.

Viele kleine Szenen ergeben ein Ganzes

Malaika bedeutet auf verschiedene Sprachen «Engel». Zum Theaterensemble gehören 40 Flüchtlinge aus zehn verschiedenen Ländern sowie Einheimische. Jährlich zeigen sie in rund 20 Aufführungen im ganzen Land ihr Können. In ihrem neusten Stück «Die Küche ist voll!» geht es um die Vorbereitung auf eine grosse Hochzeit.

Die Darstellerinnen und Darsteller setzen sich darin damit auseinander, weshalb sie aus ihren Heimatländern flüchten mussten, und mit welchen emotionalen Hochs und Tiefs sie in ihrem Leben in der Schweiz konfrontiert sind. «Es sind viele kleine Szenen, die durch einen roten Faden miteinander verwoben werden», beschreibt Gesamtprojektleiterin Nicole Stehli das Konzept.

Das Stück wird ganz nach den Ideen der Flüchtlinge gestaltet. «Ich spreche über meinen seelischen Schmerz», verrät Abdulghani Muhamad. Zudem wird er ein selber geschriebenes Lied vortragen. «Er hat eine grosse Präsenz, wenn er singt», sagt Nicole Stehli, «wenn auch die Lieder in den Aufführungen immer etwas länger werden als bei den Proben», fügt sie augenzwinkernd hinzu.

Das Kochen als zweites Standbein

Nebst dem Theater gehört das Kochen zu den gemeinsamen Aktivitäten. «Wir haben gemerkt, dass die Mailaikas häufig gut und gerne kochen, so dass das Kochen zu einem zweiten Standbein wurde», erklärt Nicole Stehli. Eines der vielen Kochangebote ist das monatliche Essen in der Helferei, zu dem auch Einheimische eingeladen sind. Beim gemeinsamen Essen enstehen ungezwungene Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen – gelebte Integration. Die Essen sind sehr beliebt, und es gehen zahlreiche Anfragen ein, weshalb dieser Bereich professionalisiert werden soll.

Auch für Abdulghani Muhamad ist das Kochen genauso wichtig wie das Theaterspielen. Stolz zeigt er auf seinem Handy Bilder seines am letzten Helferei-Essen zubereiteten Buffets mit Spezialitäten aus seiner Heimat. «Wir schätzen sein Engagement und seine Hilfsbereitschaft sehr», schwärmt Nicole Stehli.

Abdulghani Muhamad ist aber nicht nur Schauspieler, Sänger und Koch: Er schreibt auch Gedichte auf Kurdisch. In seinem Heimatland Syrien hat er einige davon in Buchform herausgegeben. Hier in der Schweiz habe er leider oftmals den Kopf vor lauter Sorgen nicht frei, um zu dichten.

Eine erfreuliche Nachricht traf jedoch vor kurzem ein: Der 53-Jährige hat den Status eines vorläufig aufgenommenen Flüchtlings erhalten. Sein Ziel ist es nun, ein Zimmer zu mieten und einen Job zu finden. Vielleicht sprudeln dann auch die Reime wieder vermehrt.

Das Theaterstück «Die Küche ist voll!» wird am kommenden Sonntag, 30. Juni, um 18 Uhr, im Bernhard Theater in Zürich aufgeführt.

Erstellt: 25.06.2019, 15:17 Uhr

Flüchtlingstheater Malaika

Das Flüchtlingstheater Malaika ist ein Theater- und Integrationsprojekt und besteht seit 2014. Es möchte Flüchtlinge und Einheimische zu gemeinsamen Aktivitäten zusammenbringen. Gründerin und Gesamtprojektleiterin ist die Theater- und Sozialpädagogin Nicole Stehli aus Zürich. Das Flüchtlingstheater Mailaika ist als Verein organisiert und kann für Aufführungen mit oder ohne Kochen gebucht werden: www.fluechtlingstheater-malaika.ch. (red)

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