Bülach

Flüchtlinge können sich sinnvoll und vielfältig beschäftigen

Sie lernen Deutsch und den Abfall richtig zu trennen und sie treiben Sport. Mit grossem Einsatz von Freiwilligen haben die Bülacher Kirchen ein Programm für Asylsuchende auf die Beine gestellt.

Die Sportangebote finden bei den Flüchtlingen grossen Anklang (Symbolbild).

Die Sportangebote finden bei den Flüchtlingen grossen Anklang (Symbolbild). Bild: Keystone

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Die Umlaute seien für Fremdsprachige schwierig, erzählt Line Kacprzak, Leiterin der Bülacher Freiwilligenarbeit für Asylsuchende. «In den Deutschkursen üben die Teilnehmer, bis ihnen das Gesicht wehtut, doch häufig kommt immer noch ‹Bulach› heraus.» Insgesamt seien die Fortschritte aber enorm, freute sich die Projektleiterin an der gestrigen Medienorientierung. «Die Teilnehmenden sind sehr eifrig und motiviert.»Seit Anfang 2016 bieten die beiden Landeskirchen gemeinsam ein Programm für Asylsuchende an.

«Als die Flüchtlinge noch in der Zivilschutzanlage untergebracht waren, brauchten wir einen Ort mit Tageslicht, wo sie sich tagsüber aufhalten können», erklärt Sozialvorsteher Ruedi Menzi. Deshalb sei der Stadtrat 2015 auf die Kirchen zugegangen und habe sie gebeten, ein Angebot auf die Beine zu stellen. Beide waren sofort bereit, diesen Einsatz zu leisten. Auch heute noch, da die Flüchtlinge in oberirdischen Unterkünften wohnen, sind sie froh um die Struktur.

Nach einer halbjährigen Pilotphase sprach die Stadt einen einmaligen Beitrag von 30 000 Franken für ein Jahr; die Bewilligung desselben Betrags für ein weiteres Jahr soll demnächst erfolgen. Die beiden Kirchen steuern je 5000 Franken jährlich bei.

Lernen statt herumhängen

Das heutige Programm kann sich sehen lassen: Der Deutschunterricht findet dreimal pro Woche in neun Schulklassen mit durchschnittlich neun Teilnehmern statt. Dabei werden sechs verschiedene Niveaus angeboten. Sogar Menschen, die bisher kaum eine Schulbildung genossen haben, lernen sprechen, lesen und schreiben. Gleichzeitig machen sie die ehrenamtlichen Lehrpersonen mit unserer Kultur und Lebensweise vertraut. Sie erfahren zum Beispiel, wie sie öffentliche Verkehrsmittel benutzen können oder wie das Recycling funktioniert. Weitere Angebote sind sportlicher und kultureller Art.

Die überwiegende Mehrheit der Asylsuchenden – vorwiegend junge Männer aus verschiedenen Ländern – nutze die Chance , sagt Line Kacprzak.

Auch Freiwillige profitieren

Eine Bereicherung sei die Sache aber auch für die Freiwilligen selber, betont die Projektleiterin. «Die Hemmschwelle, mit Leuten aus anderen Kulturen in Kontakt zu treten, sinkt.» Zurzeit leisten rund 60 Personen ein- bis zweimal pro Woche Freiwilligenarbeit oder helfen sporadisch aus. Es handelt sich allesamt um Leute mit didaktischen Erfahrungen, die zudem von einer ausgebildeten DAZ-Lehrerin gecoacht werden (DAZ: Deutsch als Zweitsprache). Neu werden Kunst-, Musik- und Gestaltungstherapeuten Kurse anbieten – ebenfalls auf ehrenamtlicher Basis. Die Fachleute haben auch Erfahrungen in der Aufarbeitung traumatischer Erlebnisse.

Bevor sie mit dem Unterrichten beginnen, erhalten die Ehrenamtlichen eine Einführung, bei der sie sich mit dem Schweizer Asylwesen, der Freiwilligenrolle sowie Aspekten verschiedener Kulturen auseinandersetzen. In regelmässigen Treffen haben sie zudem Gelegenheit, untereinander Erfahrungen auszutauschen. ()

Erstellt: 17.05.2017, 10:40 Uhr

Infobox

Personen mit Interessean Frei­willigenarbeit für Asylsuchende melden sich bei der Projektleiterin:
line.kacprzak@kath-buelach.ch, Telefon 079 709 11 37.

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