Embrach

Flugunfähiger Sperber aus Embrach wird in der Greifvogelstation gepflegt

Der Sperber, dem jemand die Federn eines Flügels abgeschnitten hat, erhält nächste Woche «Ersatzfedern». Gemäss Andi Lischke, dem Leiter der Greifvogelstation Berg am Irchel, wird er danach bald frei gelassen werden können.

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Am Sonntag, 10. September, wurde in Embrach ein flugunfähiger Sperber entdeckt, der von einer Katze angegriffen wurde. Er konnte gerettet und in die Greifvogelstation Berg am Irchel gebracht werden. StationsleiterAndi Lischke untersuchte den taubengrossen Vogel und stellte fest, dass dem Sperberweibchen die Federn des rechten Flügels abgeschnitten worden waren. Dadurch konnte es nicht mehr fliegen und wäre für die Katze eine leichte Beute gewesen.

Andi Lischke erstattete umgehend eine Strafanzeige gegen unbekannt. «Das machen wir immer in solchen Fällen», sagte der Stationsleiter. Es handle sich um eine doppelte Straftat: «Der Täter hat gegen das Artenschutzgesetz und gegen das Tierschutzgesetz verstossen.»

Mausern oder schiften?

In der Greifvogelstation legte der abgemagerte Sperber gut an Gewicht zu: Von anfänglich 215 Gramm stieg sein Körpergewicht auf nun 295 Gramm. Der Vogel, der sich vor allem von Singvögeln ernährt, wird mit Eintagsküken gefüttert, die in der Hühnerzucht massenweise anfallen und eingeschläfert werden. «Sie entsprechen also seiner natürlichen Nahrung», erklärte der Biologe.

Der Greifvogelspezialist stand nun vor der Entscheidung, beim diesjährigen Sperberweibchen die Mauser – also die natürliche Auswechslung des Federkleids – abzuwarten oder den lädierten Flügel mit entsprechenden Sperberfedern zu bestücken. Er habe sich für die zweite Variante, nämlich das Schiften, entschieden, da die Mauser erst nächstes Jahr stattfinde und weil die Kiele der abgeschnittenen Federn noch vorhanden und fest im Flügel verankert seien, sagte Lischke. «Man kann es also reparieren.»

«Ich werde nun das benötigte Material besorgen und nächste Woche die abgeschnittenen Federn schiften», erklärte Lischke. Dabei führt er ein dünnes Karbonröhrchen in den Federkiel als stabile Verbindung zur neuen Feder. Die beiden Verbindungsstellen werden mit Sekundenkleber befestigt. Es müssen knapp 20 Federn ersetzt werden. Danach werde das Sperberweibchen noch ein paar Tage Flugübungen machen, bevor es in die Freiheit entlassen werden könne. Die neuen Federn stammen aus Funden toter Sperber. Glücklicherweise sei das Sperberweibchen nicht anderweitig verletzt. Knochenbrüche, zum Beispiel, seien schlimmer, da hier im Heilungsprozess auch die Sehnen mit Physiotherapie gedehnt werden müssen.

Preise und Pokale

Das Motiv des Täters ist nicht bekannt. Wie zwei Gerichtsurteile zeigen, ist es jedoch schon vorgekommen, dass Vogelzüchter zur illegalen Tat geschritten sind. Es gebe solche, die zu illegalen Mitteln greifen würden, um ihre Tiere, in die sie viel Geld und Zeit gesteckt haben, vor Greifvögeln zu schützen. «Die schwarzen Schafe sind oft jene, die nicht aus Tierliebe züchten, sondern nur wegen der Preise und Pokale. Das ist das Problem», erklärte der Leiter der Greifvogelstation, der selber privat Vögel züchtet. Das seien auch jene, die nicht von Lebewesen, sondern von Zuchtmaterial sprechen würden. Solche gebe es nicht nur unter den Vogelzüchtern, sondern beispielsweise auch im Pferde- und Hundesport. «Diese Leute machen den Ruf eines Vereins kaputt. Tierhalter müssen sauber bleiben und Vereine sollten solche Leute rigoros ausschliessen», sagte Lischke.

Zwei frühere Täter verurteilt

Vergangenes Jahr wurde ein Züchter von Hochfliegertauben vom Bezirksgericht Dielsdorf zu einer bedingten Freiheitsstrafe von elf Monaten und einer Busse von 4000 Franken verurteilt. Der eingebürgerte Mazedonier hatte eine mit Nervengift präparierte Taube fliegen lassen, in der Absicht, einen Greifvogel zur Strecke zu bringen. Ein Habicht schlug die sogenannte Kamikaze-Taube und verendete.

Im März dieses Jahres verurteilte das Bezirksgericht Bülach einen Kosovaren zu einer bedingten Geldstrafe von 9000 Franken und einer Busse von 1500 Franken. Er hatte versucht, mit einer mit Gift bestrichenen Taube einen Wanderfalken zu töten. Der Versuch war jedoch misslungen.

Für Andi Lischke sind es aber nicht nur Leute aus dem ehemaligen Jugoslawien, die solche Straftaten begehen. Er wisse, dass zum Beispiel auch in Deutschland zu solch illegalen Mitteln gegen Greifvögel gegriffen werde. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.10.2017, 08:25 Uhr

Greifvogelstation Berg am Irchel

Jährlich werden bis zu 250 Greifvögel und Eulen gepflegt

Die Greifvogelstation Berg am Irchel existiert seit 1956. Gegründet wurde sie von Veronika von Stockar, die im Jahr 2007 von der Universität Zürich die Ehrendoktorwürde für ihr Lebenswerk erhielt. Ende 2008 übergab sie die Leitung der Station an Pan Eco, eine gemeinnützige, spendenfinanzierte Stiftung, die sich seit 1996 für Natur- und Artenschutz in der Schweiz und in Indonesien engagiert. Pan Eco ist auch die Betreiberin des Naturzentrums Thurauen.

In der Greifvogelstation werden jährlich zwischen 200 und 250 geschwächte oder verletzte Eulen und Greifvögel gepflegt, wie Stationsleiter Andi Lischke erklärt. Der Pflegeerfolg beläuft sich auf knapp 80 Prozent, was auch im internationalen Vergleich einen Spitzenwert darstellt.

Seit 1977 werden alle Patientendaten erfasst. Die Dokumentation weist die Zahl von rund 4500 Vögeln auf, die seither in der Station betreut wurden. Seit dem Jahr 2013 wird die Station umfassend renoviert und ausgebaut. Bei den allermeisten Patienten handelt es sich um Mäusebussarde, gefolgt von Turmfalken, Waldkäuzen, Rotmilanen und Sperbern. Aber auch einige Uhus und Steinadler waren Gäste in der Station in Berg am Irchel.
Wie den Informationstafeln am Gebäude und der Website Greifvogelstation.ch zu entnehmen ist, leiden die meisten der Patienten an Unfallverletzungen. Im Frühling und Frühsommer würden in der Station aber auch viele Jungtiere aufwachsen, die vor Hunger aus dem Nest gesprungen sind.

An zahlreichen Führungen, Exkursionen, Workshops und Vorträgen erfahren Einzelpersonen, Schulklassen, Vereine, Firmen und Gruppen viel Interessantes über Greifvögel und Eulen. Auch beteiligt sich die Greifvogelstation in Berg am Irchel an nationalen und internationalen Forschungs- und Schutzprojekten. (cy)

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