Illnau-Effretikon/ Flughafen

Für mehr Arten auf den Wiesen

Martin Möhr will seinen Hof in Brünggen ökologisch aufwerten. Mitglieder des Rotary Clubs Zürich-Flughafen halfen mit und pflanzten unentgeltlich Sträucher und seltene Obstbäume an.

Mitglieder des Rotary Clubs Zürich-Flughafen pflanzten auf dem Landwirtschaftsbetrieb Vogelsang in Freiwilligenarbeit Sträucher und Obstbäume an.

Mitglieder des Rotary Clubs Zürich-Flughafen pflanzten auf dem Landwirtschaftsbetrieb Vogelsang in Freiwilligenarbeit Sträucher und Obstbäume an. Bild: Heinz Diener

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Der Pfosten, welcher den jungen Apfelbaum stützt, muss im Westen stehen. Walter Keller muss den Baum deshalb umplatzieren, er hatte ihn auf die flasche Seite setzen wollen. Der Baumeister ist Mitglied des Rotary Clubs Zürich-Flughafen. Am Freitag stand er auf einer Wiese, die zum Landwirtschaftsbetrieb Vogelsang in Brünggen, einem Ortsteil von Illnau-Effretikon gehört.Dass der Pfosten im Westen stehen muss, habe seinen Grund, erklärt er. So schützt er gegen Wind und nimmt dem Baum die Sonne nicht weg. Und unter die Wurzeln des Baumes kommt ein Drahtgitter. Damit die Mäuse sie nicht gleich wegfressen.

Solches wusste der Baumeister vorher nicht. Das haben ihm jene erzählt, die vom Fach sind. Etwa Heinz Meier, Geschäftsführer der gleichnamigen Gärtnerei, der Geräte und Maschinen unentgeltlich zur Verfügung stellt. Um beispielsweise das Loch für die Bäume auszuheben.

«Wir leisten diesen unentgeltlichen Einsatz für die Natur.»Alex Sala, Rotarier

Keller, Meier und 13 weitere Rotarier haben am Freitag und Samstag geholfen, 20 Hochstammbäume und Hecken wie etwa den Schwarzdorn am Waldrand zu pflanzen. Oder «Wieselhotels», wie sie es nennen, zu bauen. Das sind Asthaufen, unter denen sich die Tiere verkriechen können.

Für die meisten Rotarier ist das ein ungewöhnlicher Einsatz, ein unentgeltlicher Einsatz für die Natur, wie Alex Sala, Leiter Gemeindienst des Rotary-Clubs es nennt, der den Einsatz koordiniert. Denn im Alltag sind die Rotarier CEOs, Ärzte, Chemiker oder gar Tunnelbauer, sofern sie noch nicht im Ruhestand sind.

Bild: Heinz Diener

Es ist nicht das erste Mal, dass die Sektion Zürich-Flughafen in Brünggen hilft, den Landwirtschaftsbetrieb ökologisch aufzuwerten. Ende September wendeten sie schon einmal zwei Tage auf. Und in den nächsten Jahren wollen sie wieder kommen. Um weitere Arbeiten zu erledigen und um zu sehen, ob das, was sie getan haben, auch zum erhofften Erfolg geführt hat. Ob sich etwa neue Insekten-, Vögel- oder Säugetiere wie das Wiesel angesiedelt haben.

Kontrapunkt setzen

Der Arbeitseinsatz kam durch eine Freundschaft eines Rotariers mit dem Besitzer der Hofs, Martin Möhr, ehemaliger Gemeinderat von Kyburg und Obmann der Jagdgesellschaft Kyburg, zustande. Der 71-Jährige hat den Betrieb von seinem Vater geerbt und sich dazu entschieden, «einen Kontrapunkt zur ausgequetschten Landwirtschaft» zu setzen.

So will er die 14 Hektaren Wiesland und fünf Hektaren Wald nur noch extensiv statt intensiv nutzen. «Und die Artenvielfalt fördern.» Wirtschaftlich lohne sich das nicht. Im Gegenteil, «das kostet viel Geld». Aber das sei es ihm wert. «Ich möchte etwas haben, worüber ich mich freuen kann», sagt er.

Natur unter der Lupe

Ein Fachbüro hat die Vegetation, Flora und Fauna unter die Lupe genommen und Massnahmen vorgeschlagen, wie der Betrieb «ökologisch ausgestaltet» werden kann. Die Ziele orientieren sich an den vom Bund vorgeschlagenen Biodiversitätsförderflächen. Nach drei Jahren soll erstmals untersucht werden, ob diese Massnahmen wirksam sind.

«Ich möchte etwas haben, worüber ich mich freuen kann.»Martin Möhr, Hofbesitzer

Gleichzeitig haben sechs Studenten, welche die Fachausbildung für biologisch-dynamische Landwirtschaft in Rheinau machen, an zwei Tagen ihre praktische und mündliche Prüfung auf dem Hof absolviert. Sie mussten ein Betriebskonzept ausarbeiten und Ideen zur Vermarktung, Tierhaltung, dem Wohnraum, Pflanzen und weiterem mehr entwickeln.

Einige der Ideen will Hofbesitzer Martin Möhr später verwirklichen. Dass die Studenten nach Brünggen kommen durften, ist ebenfalls einer Freundschaft zu verdanken: jener zwischen ihm und dem Leiter der Biodynamischen Landwirtschaftsschule in Rheinau, Martin Ott.

Und was haben die Rotarier vom Projekt? «Es ist eine Abwechslung und etwas Sinnvolles», sagt etwa Claude Cornaz, Verwaltungsratspräsident der Vetropack Holding AG. Und Walter Grete, ehemaliger Chef der Zürcher Ärztegesellschaft findet: «Mir gefällt die Gesellschaft, es kittet uns zusammen und wir lernen etwas Neues.»

Erstellt: 22.10.2018, 16:32 Uhr

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