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Gestalten hilft, die Seele zu heilen

Künstlerisches Schaffen ist für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung weit mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung.

Schutzengel: Wilma Raguth zeigt ihr Werk. Carmine Mastragiacomo und Gruppenleiterin Mirjana Spehar sind begeistert von den Bildern, die noch bis Ende September am Empfang Hardundgut in Embrach ausgestellt sind.
Schutzengel: Wilma Raguth zeigt ihr Werk. Carmine Mastragiacomo und Gruppenleiterin Mirjana Spehar sind begeistert von den Bildern, die noch bis Ende September am Empfang Hardundgut in Embrach ausgestellt sind.
Sibylle Meier

Das Empfangsgebäude Hardundgut auf dem Hard-Areal in Embrach dient derzeit als Galerie: Ob grafisch-formal oder fröhlich-verspielt – die Exponate zeigen eine breite Vielfalt an Motiven und Techniken. Von Wasserfarben über Transfertechnik bis zur Brandmalerei. Zwölf Männer und Frauen stellen in Flur und Aufenthaltsraum 52 Werke aus, welche sie in der Tagesstätte Atelier Hardoskop gestaltet haben.

Manche Exponate sind nur mit Initialen angeschrieben. Den Rummel suchen die Künstler nicht. «Die Entscheidung, einen Teil von sich preiszugeben, erfordert Mut», sagte Carmine Mastrogiacomo, Leiter des Ateliers, anlässlich der Vernissage am vergangenen Freitagnachmittag, zu der sich beim Apéro rund 30 Personen eingefunden haben.

Verarbeiten von Emotionen

Das Atelier Hardoskop – ebenso wie Hardundgut als Initiant der Ausstellung ein IV-Betrieb des kantonalen Sozialamtes Zürich – bietet Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung ein vielfältiges Beschäftigungs- und Tagesstrukturangebot, das mit verschiedenen Aktivitäten alle Sinne und kognitiven Fähigkeiten wecken, erhalten und fördern will. «Etwas für sich zu machen, die eigene Kreativität gestalterisch zum Ausdruck zu bringen, wirkt heilend für die Seele», ist der gelernte Psychiatriepfleger mit kunsttherapeutischer Ausbildung Mastrogiacomo sicher.

Das Resultat ist etwa ein Engel mit silbernen Flügel im blauen Gewand. Das Gesicht fehlt, ein Herz hält er in der Hand. «So stelle ich mir meinen Schutzengel vor», kommentiert Wilma Raguth ihr Bildmotiv. «Ich habe immer schon ein bisschen gemalt. Seit einer Depression vor vier Jahren beschäftige ich mich intensiver damit – es hilft mir, Ruhe zu finden.»

Die 58-Jährige wohnt mit West Highland Terrier Cindy in der eigenen Wohnung in Embrach. Eine Mitarbeiterin vom Psychiatrischen Spitex hat ihr vom Atelier erzählt und sie im April zum Schnuppern begleitet. «Es gefiel mir sofort.» Der Besuch an zwei Nachmittagen pro Woche helfe ihr, den Alltag zu strukturieren und auszufüllen. «Das Malen ist für mich auch Therapie», erklärt Raguth. «Ich kann meine Gefühle in die Bilder einbringen.» Positive Emotionen lassen sie zu leuchtenden Acrylfarben greifen. «Ich habe auch dunkle Bilder zu Hause – ich zeichne viel mit Kohle, wenn es mir nicht so gut geht.» Im Atelier übe sie, ihren Bildern Dreidimensionalität und Tiefe zu verleihen, aber auch, wieder auf Menschen zuzugehen: «Wer gerade da ist, hilft dem anderen.»

Schaffen ohne Leistungsdruck

Die Arbeit mit aktuell 30 Klienten von 18 Jahren bis 60plus verlange von den Gruppenleitern Einfühlungsvermögen und hohe Flexibilität, betont Mastrogiacomo. «Das Atelier dient dem Abfedern, denn es wird ohne Leistungsdruck geschafft. Als Vorbereitung auf die Arbeit in einer geschützten Werkstätte kann es jedoch auch eine Sprungfeder sein.»

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