Bülach

Gschänklimärt made in Nussbaumen

Von Hand und mit Liebe gemachte Dinge auf Strohballen, Drehorgel anstatt Lautsprecher und selbstgebratene Wurst am offenen Feuer. Am Samstag war Gschänklimärt.

Strohballen statt genormte Verkaufsstände gibts am Nussbaumer Geschänklimärt.

Strohballen statt genormte Verkaufsstände gibts am Nussbaumer Geschänklimärt. Bild: Johanna Bossart

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Die Hand des Drehorgelmanns Hansruedi Burri ist vom vielen Kurbeln müde. Jedenfalls rutscht sie gelegentlich ab, woraufhin das Instrument einen Ton überspringt. «Stihile Nacht…», hallt es durch die Winterluft. Am Mann mit der roten Blume am Hut liefen heute schon Hunderte vorbei.

Einige bleiben stehen, so wie die fünfjährige Romina Montinaro. Das Mädchen zückt ihr eigenes Geldbörsli und wirft dem Drehörgeler einen Batzen in die Dose. Warum sie das mache? Sie sagt: «Weiss auch nicht.»

Mäuse in der Maus

An einem Stand mit Mittelalterschmuck steht eine Frau vor dem Spiegel und hält sich eine Kette mit einem Engelsflügel-Anhänger vor die Brust. Gleich gegenüber erwirbt ein Herr ein Töpfchen mit Nussbaumer Huusfondue. Man bleibt stehen, schaut sich um. Man trifft sich und plaudert. Die Auswahl an möglichen Geschenken ist riesig. In der Scheune findet man diese auf Strohballen dekoriert.

Der Duft erinnert irgendwie an den Stall von Bethlehem. Sobald sich die Augen ans schummrige Licht gewöhnt haben, entdecken sie spezielle Geschenkideen. So wie zum Beispiel die Maus aus Ton, die in ihrem Bauch ein Loch hat, durch welches ein zusammengerollter Geldschein passt.

Selber braten und backen

Fernab vom Weihnachtsstress sitzt man am Feuer. Wer eine Wurst erwirbt, bekommt auch gleich einem Holzstecken dazu. Für die Cervelat hat dieser eine Spitze, für die etwas längere Bratwurst gleich zwei, damit diese nicht auseinander bricht und in die Glut fällt. Und während der Drehorgelmann ein weiteres Lochband einspannt, trägt Paul Wobmann eine neue Ladung heisser Brote in die Scheune. Hier drinnen verkauft er die Laibe, welche seine Frau Doris gebacken hat. Morgens um drei setzte sie den Teig an. Seitdem holte sie vier mal 36 Brote aus dem familieneigenen Holzofen.

Doris Wobmann erzählt, dass die Idee zu diesen Weihnachtsmarkt 1997 keimte und 1998 erstmals umgesetzt wurde. «Seitdem halten wir an diesem romantischen Konzept fest», sagt sie. Strohballen anstatt genormte Stände, von jeder Art nur ein Angebot, alles von Hand, mit Liebe und in der Region gemacht, keine Fressmeile und keine Lautsprecher. «Das krasse Gegenteil zum Shoppingcenter und zum Internet. Die Menschen lieben das», sagt sie. Kurz vor dem Eindunkeln spielt der Drehorgelmann «Leise rieselt der Schnee».

Die Bülacherin Tamara Meier macht sich auf dem Heimweg. «Ich bin hier aufgewachsen, hole mir meinen Christbaum hier und heute habe ich ein Geschenk für einen kleinen Buben gekauft. Es ist ein Beissring an einer Kette», verrät sie. Auch der Drehorgelmann wurde fündig. Neben ihm steht ein Christbaum aus Ästen mit glitzernden Kugeln und LED-Lichtlein. Er sagt: «Für meine Frau und mich. Wir sind ja nur noch zu zweit.»

Erstellt: 22.12.2019, 14:43 Uhr

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