Kloten

Hilfe für fremdsprachige Kinder und Eltern

In den DaZ-Vorschulgruppen werden Kinder aus Migrationsfamilien gefördert. Neben Kompetenzen, die den Übertritt in den Kindergarten erleichtern, lernen sie mit ihren Eltern die Grundzüge der deutschen Sprache.

Dilay (4) bastelt zusammen mit ihrer Mutter Muazzez Özyürek im Integrationskurs in Kloten.

Dilay (4) bastelt zusammen mit ihrer Mutter Muazzez Özyürek im Integrationskurs in Kloten. Bild: Sibylle Meier

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Das Tagesthema in der DaZ (Deutsch als Zweitsprache) Vorschulgruppe sind Tiere. Mit Liedern und Bewegungen lernen die Kinder verschiedene Tierarten kennen. Noch etwas zaghaft ist das Engagement beim Liedtext, aber wie ein Affe sich am Kopf kratzt, wissen alle. Nach dem Singen lesen die Betreuerinnen mit den Kindern das Buch «Die kleine Raupe Nimmersatt».

Passend dazu basteln die Kinder zusammen mit ihren Müttern und ihrer Vätern selbst eine Raupe aus Papier. Die Eltern sollen ihren Kindern aber nur helfen, wenn es nötig ist. Das selbstständige Arbeiten sei wichtiger als perfekt ausgeschnittene Kreise.«Ava war anfangs sehr schüchtern, aber sie hat viel gelernt und spielt und bastelt jetzt sehr gerne», sagt Pia Mader. Ihre dreijährige Tochter versucht unterdessen konzentriert mit einem Stift der Schablone nachzufahren. Muazzez Özyürek zeigt sich begeistert: «Die Kinder lernen schneiden und malen. Das macht ihnen Spass und sie sind glücklich.» Die Resonanz der Eltern ist ausnahmslos positiv. «Jede Gemeinde sollte so etwas haben», sagt Mustafa Zykleina.

Dritte Stunde bietet Eltern Anregungen

Zweimal die Woche treffen sich die Kinder aus Migrationsfamilien für jeweils drei Stunden. Geleitet werden sie von Lehrpersonen für Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Die Kinder spielen, singen und essen zusammen, während die Eltern nebenan in verschiedenen Niveaus von A1 (Anfänger) bis B1 (Einbürgerungsniveau) Deutsch lernen. Einmal wöchentlich verbringen die Eltern die dritte Stunde zusammen mit ihren Kindern. Miteinander führen sie das Thema, welches die Kinder zuvor kennengelernt haben, spielerisch oder gestalterisch weiter.

Die gemeinsame Stunde soll den Eltern auch als Anregung dienen, das Kind zuhause zu fördern und vermehrt mit ihm zu spielen und zu basteln. Sie werden zudem über verschiedene Angebote, wie Erziehungshilfe und Bibliotheken informiert. Dabei kommt es auch zur sozialen Vernetzung unter den Eltern.

Durchgehend positive Rückmeldungen

Nach einer zweijährigen Pilotphase wurde das Projekt als Teil des kantonalen Integrationsprogramms auf das Schuljahr 2013/14 definitiv eingeführt. Der Stadtrat bewilligte die entsprechenden Gelder, sodass das Projekt Teil des ständigen Angebotes der Stadt Kloten wurde. Im Schuljahr 2017/18 wird das Projekt nun zum siebten Mal durchgeführt. Die Kosten, die sich auf rund 130 000 Franken jährlich belaufen, werden durch Stadt- und Integrationsgeldern gedeckt. Durch die positiven Rückmeldungen der Eltern und Kindergärten zeigten einige umliegende Gemeinden grosses Interesse am Projekt. Sie wenden unterdessen individuelle Modelle zur Vorschulförderung an.

Der Erfolg der DaZ Vorschulgruppen zeigt sich auch in den jährlichen Umfragen bei den Kindergarten Lehrpersonen, die sehr positiv ausfallen. Tanja Janezic, eine Lehrperson aus dem Kindergarten im gleichen Gebäude, hat seit der Einführung nur gute Erfahrungen damit gemacht. «Die Kinder kennen die Lieder und die Rituale, wie zum Beispiel in einem Kreis zusammensitzen, bereits und können deshalb von Anfang an mitmachen», sagt Janezic.

Den Kindern, die keine Vorschulförderung erfahren haben, fehlt dies und sie brauchen deshalb viel länger, bis sie sich eingewöhnt haben und vom Kindergarten profitieren können. «In den Vorschulgruppen lernen sie nicht nur die Sprache, sondern auch Fertigkeiten und den sozialen Umgang mit Gleichaltrigen, was den Übergang in den Kindergarten harmonischer gestaltet», sagt Janezic. In nur einem Jahr eine neue Sprache zu lernen ist für die Kinder nicht möglich, aber sie erhalten eine solide Basis, auf der sie aufbauen können. Weiter meistern sie den Ablöseprozess von den Eltern und lernen selbstständiger zu sein, indem sie sich selber an- und ausziehen oder den Znüni eigenständig auspacken und essen.

Einige unter ihnen kommen in den Vorschulgruppen das erste Mal in Kontakt mit Schere und Leim. Sie haben so die Möglichkeit Basiskompetenzen mit verschiedenen Bastelmaterialien zu entwickeln. Die Eltern zeigen sich durch die Teilnahme am Projekt offener und sind besser über das Schulsystem, die Angebote in Kloten und die Erwartungen der Schule informiert.

Angebot läuft inzwischen von alleine

«Uns ist wichtig, die Eltern und ihre Kinder flächendeckend zu erfassen», betont Kurt Hottinger, Stadtrat von Kloten, Ressortvorstand Bildung und Schulpräsident. Deshalb schickt die Stadt sämtlichen Eltern eineinhalb Jahre vor dem Kindergarteneintritt ihrer Kinder einen Fragebogen, um herauszufinden welche Familiensprache gesprochen wird. Anfänglich brauchte es einiges an Aufwand, um auf das Förderprogramm aufmerksam zu machen. Mittlerweile hat das Projekt einen so guten Ruf, dass sich viele Eltern von sich aus melden. Die stetig steigende Schülerzahl macht eine Erhöhung des Angebotes in den nächsten Jahren durchaus denkbar. Hottinger äussert die Vision: «Jedes Primarschulhaus sollte eine Vorschulgruppe anbieten.»

Erstellt: 15.02.2018, 17:37 Uhr

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