Dietlikon

Historische Perle glänzt mit modernem Wohnkomfort

Seit über 500 Jahren prägt das einst klösterliche Bauernhaus den Charakter des bäuerlichen Dorfkerns mit. Vor 15 Jahren entdeckte das Ehepaar Kurt und Ruth Schreiber seine Leidenschaft für die baufällige Liegenschaft und investierte in deren zeitgemässen Fortbestand.

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Kaum einer, der beim Ortsnamen Dietlikon nicht zuerst an Einkaufszentren denkt. Doch jenseits der vielbesuchten Konsumtempel blieb das ehemals ackerbäuerliche Dorf in seiner Struktur und grossenteils auch mit seiner Bausubstanz erhalten. In das beschauliche Bild des historischen Dorfkerns fügt sich die älteste Liegenschaft an der Riedenerstrasse harmonisch ein.

Neben der architektonisch-baugeschichtlichen Bedeutung besitzt das im Jahre 1512 als Mehrreihenständerbau errichtete Bauernhaus einen hohen Zeugniswert für die Geschichte Dietlikons. Der einst klösterliche Grundbesitz entwickelte sich zum Eigentum freier Bauern, erfuhr über die Jahrhunderte An- und Umbauten, Zwei- und Dreiteilungen, beherbergte erst Küfer-, später Wagnerwerkstätte, die ursprüngliche Bohlenfassade wurde im späteren 19. Jahrhundert durch Fach- und Mauerwerk ersetzt.

Zuletzt im gemeinsamen Besitz der Erbenfamilie und der politischen Gemeinde, stand die als Bänningerhof bekannte Liegenschaft seit 1996 zum Verkauf. Im Jahr 2000 wurde sie von der Baudirektion Zürich vorsorglich unter Schutz gestellt – als sich unter den strengen Auflagen der kantonalen Denkmalpflege kein Investor fand, hob man den auf ein Jahr befristeten Schutz wieder auf.

Alt und Neu verbinden

«Das Haus war in einem heruntergekommenen Zustand», erinnert sich Kurt Schreiber an die Situation, welche sich ihm und seiner Frau Ruth beim Kauf vor 15 Jahren bot. «Unser Ziel war es, möglichst viel der alten Substanz zu erhalten, jedoch den Wohnkomfort von heute herzustellen.» Dem Minergie-Standard entsprechend und behindertengerecht sollte das Ergebnis sein.

Der ehemalige Gemeindepräsident spricht von zähen Verhandlungen mit der örtlichen Baubehörde: «Schlussendlich haben wir gute Lösungen gefunden.» Der Architekt – ein Freund aus Studientagen – war herausgefordert, alle Räumlichkeiten in das vorhandene Raster des Balkengerüsts einzufügen. «Ich habe nach seinen Plänen ein Sperrholzmodell im Massstab 1:25 angefertigt, bis wir sagten: So wird gebaut.» Dennoch waren täglich Entscheidungen zu treffen: «Gerade, als wir überlegten, was mit einer Bohlenwand zu machen sei, brach diese zusammen – damit hatte sich die Sache erledigt.»

Waschküche im Stall

Der Eingangsbereich in der früheren Tenne gewährt freien Blick auf das gut 500-jährige tragende Gebälk. In den ehemaligen Stallungen links und rechts verbergen sich hinter historischer Holzwand und antikem Mauerwerk Waschküche und Veloraum, die einstige Heubühne wurde zum offenen Spielterrain.

Die drei Wohnungen mit bis zu sechseinhalb Zimmern sind per Lift und über alle drei Stockwerke zu erreichen. Die orange-leuchtende Kunststoffsäule als Treppenkern sorgt ebenso wie die indirekt beleuchtete milchgläserne Erschliessung der Etagen für erhellende Kontraste. «Kleine Fenster, wenig Licht», beschreibt Schreiber das Problem. «Im ehemaligen Estrich haben wir uns mit Glasziegeln und darunter liegenden Dachfenstern beholfen.»

Wurde damals auf dem offenen Feuer der Rauchküche gekocht, ist in der dreieinhalb-Zimmer-Wohnung nun moderne Küchentechnik eingepasst. Der Raum blieb nach oben offen, so dass man die russgeschwärzten Dachbalken sieht. Für das Wohnzimmer wurden zwei kleine Stuben zusammengelegt und der grün-schablonierte Kachelofen mit neuer Technik ausgestattet.

Hobby statt Rendite

Im Zuge des Umbaus wurde auch der ursprüngliche Zustand des Spychers wiederhergestellt, der in verzinkter Blockbauweise gefügte Kastenbau aus dem Jahre 1606 ist nicht nur bautypologisch interessant. «Das Malergeschäft Bernhard hatte hier 1911 seinen ersten Firmensitz, heute ist es unser Partyraum», weiss Schreiber zu erzählen.

«Es ging uns nicht um die Rendite, es ist Hobby und Herzensangelegenheit», erklärt der 70-Jährige seine Motivation, zu investieren. «Unser Wunsch war es, Schönes zu bewahren und ein Stück Dietliker Geschichte weiter zu führen.» Irgendwann will das Ehepaar selbst einziehen. «Ein bisschen wohnen wir schon hier, wenn auch nur im Garten», meint Ehefrau Ruth. «Wir kümmern uns um seine Pflege.»

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 22.09.2017, 16:03 Uhr

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