Bülach/Hochfelden

Hochfelder Primarschule während Zivilschutzübung evakuiert

Die Glatt von Geröll befreit, den Verkehr geregelt und eine Schule evakuiert. Die Zivilschutzorganisation Bülach Rafzerfeld führte am Dienstag eine Einsatzübung durch. Als Katastrophenszenario wählte der Kommandant ein heftiges Unwetter.

Die Hochfelder Primarschüler müssen nach der Evakuierung zwei Stunden lang vor der Bülacher Sporthalle Hirslen  ausharren.

Die Hochfelder Primarschüler müssen nach der Evakuierung zwei Stunden lang vor der Bülacher Sporthalle Hirslen ausharren. Bild: Flavio Zwahlen

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Thema Unwetter ist so aktuell wie schon lange nicht mehr. In den vergangenen Wochen zogen immer wieder heftige Gewitter über das Unterland. Im Wehntal mussten Feuerwehr und Zivilschutz tagelang mit den Schäden kämpfen, die von Hagel, Wasser und Schlamm verursacht wurden. Dort war die Zivilschutzorganisation (ZSO) Bülach Rafzerfeld nicht im Einsatz. Um sich aber auf ein solches Szenario im Raum Bülach vorzubereiten, führten die Truppen am Dienstag eine Übung durch, die von Bund und Kanton überprüft wurde.

Schüler kennen Alarmzeichen

9.45 Uhr, Schulhaus Wisacher in Hochfelden: Der Pausengong ertönt mehrmals hintereinander. Die rund hundert Kinder, Primar- und Kindergartenschüler, wissen genau, was das bedeutet. Es ist das Zeichen für ein Notfall. Sofort begeben sich die Klassen zusammen mit ihren Lehrern ins Untergeschoss und von dort raus auf den Sportplatz. «Die Schüler wissen genau, was sie zu tun haben, wenn der Feueralarm aktiviert wird», sagt Schulleiter Werner Stühlinger. Die Schule habe diesen schon mehrfach getestet, meist unangekündigt. Doch weil es sich am Dienstag um eine gross angelegte Übung des Zivilschutzes handelte, hatte man die Schülerinnen und Schüler zuvor informiert.

Auf dem Sportplatz werden die Klassen nun von den orange-grün gekleideten Zivilschützern in Empfang genommen und auf den Rasen geleitet. Dort wird zuerst überprüft, ob niemand im Schulhaus zurückgeblieben ist. Rund zehn Minuten vergehen bis klar ist, dass sich alle Schüler und Lehrer auf dem Platz eingefunden haben. Die Evakuierung kann also fortgesetzt werden. In Zweierreihen folgen die Kinder, klassenweise, den Zivilschützern. Ihr Ziel: Die Sporthalle Hirslen. Der Fussmarsch dorthin dauert rund 15 Minuten.

Teilweise ein Chaos

Um 10.15 Uhr treffen die ersten Gruppen auf dem Parkplatz vor der Hirslen ein. Es ist trocken, obwohl die Übung ja eigentlich ein Unwetter-Szenario simuliert. Nun müssen sich die Schüler in Geduld üben. Das Mittagessen, welches im Mehrzweckraum vorbereitet wird, ist erst in rund zwei Stunden bereit. Während sich einige der Zivilschützer viel Mühe geben, die Kinder ein wenig abzulenken und mit ihnen Fangen oder Fussball spielen, sitzen andere teilnahmslos auf dem Boden. Je mehr Zeit vergeht, desto ungeduldiger werden die Kinder. Immerhin gibt es zwischendurch ein wenig Wasser und Brötchen. Trotzdem herrschen teilweise ein wenig chaotische Zustände auf dem Parkplatz. Letztlich läuft dann doch alles ohne grösseren Zwischenfälle ab, und die Schüler bekommen ihr Mittagessen. Um 13.15 Uhr geht es zurück zum Schulhaus Wisacher, wo die Kinder wieder dem normalen Schulbetrieb übergeben werden.

Rapport im Kommandoposten

Zwei Kilometer entfernt von der Hirslen findet im Kommandoposten auf dem Areal des Schulhauses Schwerzgrueb um 11.30 Uhr der Rapport des Zivilschutzes statt. Rund zehn Personen, die meisten davon Zugführer, finden sich dazu in den unterirdischen Räumen ein. Die Wände des Sitzungszimmers sind zugeklebt mit Plakaten, auf denen Infos zum laufenden Einsatz zu finden sind. Einsatzleiter und stellvertretender Kommandant der Zivilschutzorganisation Bülach Rafzerfeld Stefan Kugler sagt: «Ziel des Rapports ist, dass wir alle wieder auf demselben Wissensstand sind.» Er selbst wurde am Morgen um 5.30 Uhr aufgeboten. Zusammen mit Kugler stehen nun 136 Zivilschützer im Einsatz. «Wir haben auf der Bülacherstrasse den Verkehr geregelt, die Glatt von Steinen und Geröll befreit und ein Schulhaus evakuiert», informiert er seine Kollegen.

Die Leistung am Morgen sei gut gewesen, deshalb sei es nun wichtig, dass sich alle Einsatzkräfte verpflegen würden. «Ich will, das alle etwas essen und trotzdem noch Leute einsatzbereit sind, falls noch neue Meldungen reinkommen.» Stefan Kugler ermahnt die Zugführer ausserdem: «Am Nachmittag haben wir vor allem mit Aufräumarbeiten zu tun. Ich will, dass auch dort alles richtig abläuft.» Nach dem Einsatz sei bekanntlich vor dem Einsatz.

Realistisches Szenario

Die Zivilschutzorganisation Bülach Rafzerfeld gehört mit einem Totalbestand von 255 Einsatzkräften zu den grösseren Organisationen im Kanton Zürich. «Unsere Mitglieder kommen aus der Region», sagt Kommandant Patrik Meier. Trotzdem würde es länger dauern bis der Zivilschutz bereit ist, als beispielsweise die ortsansässige Feuerwehr. «Sind wir aber einmal aufgeboten, können wir über längere Zeit im Einsatz bleiben.» Beim Zivilschutz handle es sich um eine Milizorganisation: «Wir üben alle verschiedene Berufe aus.»

Der Zivilschutz muss seine Leute mindestens zwei und höchstens sieben Tage im Jahr für Wiederholungskurse von der Arbeit abziehen. Die Einsatzkräfte wussten am Dienstag Bescheid, dass irgendetwas passieren würde. Was genau ihre Aufgabe sein wird, erfuhren sie aber erst vor Ort. Patrik Meier, der die Übung organisiert hat, sagt: «Mit dem Unwetter wählten wir ein Szenario, das durchaus realistisch ist.» Der Zivilschutz müsse sich in der Schweiz aber beispielsweise auch mit Stromausfällen oder terroristischen Angriffen auseinandersetzen.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 13.06.2018, 18:28 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.