Kloten

«Ich war nie eine Diva, nur schüchtern»

Roli Frei & The Soulful Desert treten morgen Donnerstag im Büecheler-Hus auf. Der 64-jährige Frei ist ein bekannter Basler Musiker, den aber viele erst jetzt richtig kennen lernen.

Der Basler Roli Frei und seine Band Soulful Desert werden im Klotener Büecheler-Hus das neuste Album  «Strong Is Not Enough» vorstellen.

Der Basler Roli Frei und seine Band Soulful Desert werden im Klotener Büecheler-Hus das neuste Album «Strong Is Not Enough» vorstellen. Bild: Alex Colle

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Bescheidenheit ist eine typisch schweizerische Tugend. Wir sind als kleine Nation wichtiger Handelspartner in der globalen Welt, vermitteln bei kriegerischen Konflikten, sind Geschäfts- oder Steuersitz internationaler Institutionen und Konzerne. An die grosse Glocke hängen wir das nicht unbedingt, wir bevorzugen im Umgang mit anderen eher die leisen denn die lauten Töne.

Neben bekannten Sportgrössen wie Roger Federer, Simon Ammann oder Lara Gut sind es vielfach Kulturschaffende, die zeigen, dass es auch anders geht und welche die Schweiz gerade mit Worten – aktuell die Unterländer Kabarettistin Hazel Brugger – oder eher lauten Klängen über die Landesgrenzen hinaus bekannt machen. Bands und Musiker wie die Sauterelles mit Toni Vescoli, Krokus, Gotthard, Yello, Polo Hofer, Züri West, Patent Ochsner oder Stephan Eicher haben sich auch international einen guten Ruf erarbeitet.

Schüchterner Rock ’n’ Roller

Zu dieser prominenten Liste müsste auch Roli Frei gehören. Der Sänger und Musiker ist seit 1970 in mehr als 1600 Konzerten im In- und Ausland aufgetreten. Dies mit verschiedenen Formationen und unterschiedlichen Stilrichtungen. Und trotzdem zeigt schon nur eine kleine Umfrage auf der Redaktion des «Zürcher Unterländers», dass der Name des Baslers kein Aha-Erlebnis auslöst, sondern Fragezeichen. Roli who – Roli wer?

Der heute 64-jährige Frei hat eine Erklärung dafür, dass er trotz 47-jähriger Bühnenpräsenz als Person bei einem Grossteil des Publikums nicht bekannter ist. «Ich stamme einerseits aus einer Zeit, in der Gruppen berühmt wurden und nicht unbedingt Einzelkünstler. Dazu kommt, dass ich mir immer ein wenig selber im Weg gestanden bin.

Ich war kein Partygänger, Alkohol sagte mir nie etwas und ich habe nach den Konzerten auch nicht mitgeraucht, sondern habe mich in der Garderobe versteckt, statt mit den Fans auf Smalltalk zu machen. Ich war viel zu wenig Rock ’n’ Roll. Das brachte mir in den 1970er-Jahren den Ruf einer Diva ein, die ich gar nie war. Ich war nur schüchtern.»

Dabei war Roli Frei zu Beginn seiner Karriere keineswegs ein Vertreter der eingangs erwähnten leisen Schweiz-Töne. Mit der Band Circus beschallte er in den 1970er-Jahren die hiesigen Jugendklubs und Konzertsäle mit dem damals sehr populären Art-Rock, ähnlich den Branchengrössen Genesis, Pink Floyd oder Yes.

Frei, der seine Wurzeln eher im schwarzen Soul von Sängerinnen und Sängern wie Aretha Franklin, Wilson Pickett, Gospelkönigin Mahalia Jackson oder dem Jazz des Golden Gate Quartet dennin der Rockmusik sieht, wechselte das Genre und erlebte seine kommerziell erfolgreichste Zeit. Als Sänger der Lazy Poker Blues Band schaffte er sich nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland einen Namen.

Die populäre Bluesgruppe tourte unter ­anderem zusammen mit Joe Cocker durch Europa. 1982 wurdeer von der Swiss Music Scenezum besten Sänger des Jahres ausgezeichnet. 1994 spielte er mit der Swiss All Star Band, der auch Polo Hofer und Toni Vescoli angehörten, ein Album ein. Er trat im Berliner Olympiastadion auf und spielte Konzerte im New Yorker Kultclub CBGBs, wo Punklegenden wie die Ramones, Patti Smith oder Singer-Songwriter Willy DeVille ihre Karrieren starteten.

Die Zeichen, dass Roli Frei den Sprung zur Berühmtheit schaffen würde, standen sehr gut. Es kam anders. «In den Gruppen, in denen ich gespielt hatte, fühlte ich mich gefangen, war unsicher, hatte Angst, nicht zu genügen.» Frei zog quasi die Notbremse. Er gründete sein eigenes kleines Projekt Soulful Desert. «Ich mache jetzt das, was ich am besten kann: Singen und Gitarre spielen, Songs komponieren und dem ­Publikum präsentieren, mit einer Band, die aus guten Musikern besteht, die auch meine Freunde sind und mich so akzeptieren, wie ich bin.»

Am Ende der Pubertät

Vier Alben haben Roli Frei & The Soulful Desert seit 1993 aufgenommen, das neuste «Strong Is Not Enough» erschien im vergangenen November. Die vierzehn Songs sind mehrheitlich Balladen, melancholisch, bluesig, soulig. Ob beabsichtigt oder nicht:Da scheint sie wieder zu sein, die anfänglich beschriebene helvetische Bescheidenheit, eher leise denn laut. Aber die Songs sind ­jederzeit getragen von Freis abwechslungsreicher Stimme, die mal leidenschaftlich und feinfühlig, dann mit Wut oder Empörung lautstark und kraftvoll daherkommt.

Ans Aufhören denkt Roli Frei noch lange nicht. «Ich bin trotz meines Alters immer noch in einem Entwicklungsprozess. Ich habe erst in den letzten zehn Jahren gelernt, mich mehr für mich und meine Sache starkzumachen, mich einzumischen», sagt er und ergänzt mit einem Lachen. «Der Frei befreit sich immer noch. Ich habe endlich die Pubertät hinter mir.»

Erstellt: 31.05.2017, 10:39 Uhr

Infobox

Roli Frei & the Soulful Desert.­Donnerstag, 1. Juni, 20 Uhr, ­Büecheler-Hus, Kloten.

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