Kloten auswärts (3)

Im Rhonetal fürchtet man keine Klotener

Die Swiss League (Nati B) hat etwas, was die National League (Nati A) nicht hat: Eine Mannschaft aus dem Wallis. Noch eine Saison lang wird Kloten die altehrwürdige Litternahalle des EHC Visp geniessen. Derweil ist in 150 Metern Entfernung der Bau der Lonza-Arena im Gang – und diese wird «Nati A»-tauglich.

Mit 7700 Einwohnern ist Visp so gross wie Dietlikon. Der Hauptort des gleichnamigen Bezirks liegt an der Mündung der Vispa in die Rhone (im Wallis Rotten genannt) auf 658 Metern über Meer. Gespielt wird in der Litternahalle.
Video: Michael Caplazi

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Zwei Stunden bevor ein Heimspiel des EHC Visp beginnt, öffnet in der Litterna-Halle die «Cheese-Lounge». «An einem guten Tag gehen da schonmal 100 Foundues über die Theke», sagt der Eismeister Sandro Mazotti. Dass Walliser ganz generell viel von Fondue verstehen, ist nicht der einzige Grund, weshalb die Zahl so hoch ausfällt: Die Visper Eishockeyaner ziehen Zuschauer an – fast 3000 Fans schauten sich in der vergangenen Regular Season (reguläre Saison, ohne Playoffs) im Schnitt die Heimspiele an. Zum Vergleich: Der EHC Kloten erreichte in der National League (Nati A) knapp 5400 Zuschauer.

Visp hatte 2017/2018 demnach, hinter Olten (3500 Zuschauer) das zweitmeiste Publikum der ganzen Swiss League. Olten und Visp verbindet in Sachen Hockey aber noch eine ganz andere Sache: Eine Oltener Pensionskassenverwalterin hat der Gemeinde die Litternahalle 2016 für 5,7 Millionen Franken abgekauft. Die Anlagestiftung will für rund 40 Millionen Franken die alte Halle abreissen und eine Wohnüberbauung mit Fläche für Dienstleistungen realisieren. «Es soll um 150 Wohnungen gehen», sagt Mazotti.

Auf dem Meister-Betonboden

Wie die Tage der Litternahalle gezählt sind, habe man jetzt auch kein Geld mehr in Sanierungen gesteckt, sagt der Eismeister. Das lässt sich vor Ort allzu leicht verifizieren: Die Metallgeländer in den Zuschauerrängen sind abgenutzt, die grüne Wandfarbe in den Garderoben ist wohl nicht von 1978, aber auch das mag die Geschichte aus Hunderten von Hockeyabenden nicht zu kaschieren.

Der Gästesektor aus roten und weissen Betonstufen wirkt auch alles andere als wohnlich und die nach und nach zusätzlich angebauten Tribünen haben über die Jahrzehnte dafür gesorgt, dass sich der Hallenboden sogar wölbt. «Man muss aber auch sehen, dass diese Betonplatte schon seit 1956 da ist», sagt Mazotti. Auch als der EHC Visp 1962 in der Nati A den Schweizermeistertitel holte, tat er das an exakt derselben Stelle – bloss unter freiem Himmel halt, die Halle an sich wurde dann 1978 quasi drum herum gebaut.

56 Jahre nach dem grossen Titel ist der Lack natürlich ab. Doch dass die Halle verbraucht ist, tut dem durchs Rhoneertal wehenden Walliser Charme gewiss keinen Abbruch. Der Wind freilich ist nicht der Grund, warum sich die Klotener dort oben durchaus warm anziehen sollten. Nur etwa 150 Meter versetzt, an der Seewjinenstrasse, baut man an der Zukunft des EHC Visp: an einer neuen Eissport- und Eventhalle in topmoderner, kubischer Architektur. 35,5 Millionen Franken haben die Visper an Kredit genehmigt, 5000 Plätze wird der moderne «Würfel» haben. Eröffnung ist Saison 2019/2020.

Aufstieg ist nicht offiziell Ziel

Im Abstimmungskampf 2016 auf Walliserdeutsch liebevoll «Iischi Halla» genannt, soll das Prestigebauwerk nun den Namen Lonza-Arena tragen. Der Chemiekonzern Lonza hat als weitaus bedeutendster Arbeitgeber von Gemeinde und Talschaft einen 10-Jahres-Vertrag über rund 3 Millionen Franken abgeschlossen, um der Halle seinen Namen aufdrücken zu dürfen. Aus sportlicher Sicht ist für die Visper Fans ein anderes Kriterium von Bedeutung: Die Arena erfüllt die Anforderungen für Mannschaften der Nationalliga A.

Die Frage, ob man am Ende des Vispertals A-Ambitionen hat, muss auch die Klotener brennend interessieren. Die knappe Antwort vom Marketing- und Spielbetriebsleiter Michael Salzgeber: «Ja». Auch klubtechnisch und finanziell sei es«grundsätzlich möglich». Er verweist allerdings auch auf die Einschätzungen, die Bruno Aegerter, vor einer Woche in einem Interview mit Radio Rottu Oberwallis abgegeben hatte – und wo der Sportchef des EHC etwas kleinere Brötchen bäckt. «Realistisch gesehen gehören wir zwischen Rang 4 und Rang 6», sagte Aegerter.

Letzte Saison war man im Playoff-Viertelfinal am SC Langental gescheitert. «Wir waren in der Offensive etwas impotent. Würden wir nur schon 5 bis 10 Prozent mehr Tore schiessen, wären wir 2 bis 3 Ränge weiter vorne.» Im Hinblick auf die Zukunft der nächsten Jahre machte Aegerter indessen deutlich, dass vieles von der Verfügbarkeit der Spieler und vom Geld abhängig sei. «Die Budgets werden immer höher. Und im Wallis als Randregion ist es nicht einfach, viel Geld zu generieren.»

Die Worte eines offensichtlich vorsichtigen Sportchefs in Ehren: Kloten wird gut daran tun, sich vor Visp gehörig in Acht zu nehmen. Zumal, nach dem Konkurs des HC Red Ice (Martigny) 2017 und dem sportlichen Tauchgang des HC Sierre in die unteren Ligen, ist der EHC Visp derzeit der einzige Walliser Klub auf nationalem Niveau. Und das erhöht nicht zuletzt das Einzugsgebiet für Fans, Saisonabonnenten und Sponsoring.

Für Eismeister Mazotti ist vor allem eines klar: Erfolg oder gar Aufstieg, das kann nur der Mannschaft als Ganzes gelingen. «Auch wenn wir da und dort starke Einzelspieler hervorgebracht haben, der EHC Visp, das ist immer das Kollektiv – und nie der Einzelne!» Vor grossen Namen habe man auf jeden Fall keine Angst, auch vor Kloten nicht. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 23.07.2018, 17:28 Uhr

EHC Visp

Visp wurde Schweizermeister, als Kloten in die NLA vorstiess

Vereinsgeschichte
1941, als die Welt gerade den Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion erlebt, bekommt das Wallis einen neuen Hockeyklub: den EHC Visp. Den Grundstein haben damals die Brüder Richard, Otto und Anton Truffer sowie deren Vetter Herold Truffer gelegt, weshalb der EHC Visp scherzhaft auch «EHC Truffer» genannt wurde. Nur gerade bis 1942 gehörten die Visper zur Serie B, bis 1946 dann zur Serie A und schon 1949 erfolgte der Aufstieg in die Nationalliga B. 1960 wurde man B-Meister und stieg in die Nationalliga A auf. Und zwei Jahre später erlebte der Klub mit dem Schweizermeister-Titel seinen bislang grössten Erfolg: 1962 war auch das Jahr, in dem der EHC Kloten in die Nati A aufstieg. 1964 wurde Visp Cupsieger, 2011 und 2014 errang man noch je den Meistertitel in der NLB.
Durchschnittliche Zuschauerzahl in der vergangenen Saison
2987 (während Regular Season) und 3771 (während Playoffs)
Bekannte ehemalige Spieler
Nico Hischier (bis 2014)
Alexei Kowaljow (2013-2014), Steve Brulé (2008-2009, 2011), Dave Gardner (1983–1985), Aldo Zenhäusern (bis 1975), Walter Salzmann (60er-Jahre)
Einwohnerzahl von Visp
7726 (Ende 2016)
Nächste Beiz
In der Litternahalle gibt es die «Cheese Lounge», wo neben Walliserplatten auch Raclette und Fondue kredenzt wird. Ein Fondue mit Speck und Zwiebeln gibts für 27 Franken. Als Alternative bietet sich gegenüber dem Halleneingang, auf der anderen Strassenseite, das China-Restaurant Vispa d’Asia an.
Kloten spielt hier am: Mittwoch, 28. November, um 19.45 Uhr, und am Freitag, 28. Dezember, um 18.30 Uhr. (flo)

www.ehc-visp.ch

Das ist der Weg von Kloten nach Visp.

«Der EHC Visp, das war immer das Kollektiv – nie der einzelne Spieler»: Sandro Mazotti, Eismeister der Litterna-Halle Visp. (Bild: flo)

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