Nachruf

Paul Angst, Politiker und positiv denkender Mensch

Paul Angst (1932 – 2019): Politiker, Jurist und Menschenfreund.

Paul Angst (1932 – 2019): Politiker, Jurist und Menschenfreund. Bild: Marc Dahinden

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Von der Herkunft her ein Bülacher, wurde Paul Angst bald Winterthurer und blieb es zeitlebens. In Wülflingen absolvierte er die Notariatslehre, in Winterthur wurde er 1957 mit erst 25 Jahren zum Stadtammann und Betreibungsbeamten gewählt.

Ein Amt, das er 40 Jahre lang innehatte. 1957 war es eine Kampfwahl, wie Angst später noch einige erleben sollte. Ebenfalls 1957 heiratete er seine Frau Lilli, das Paar feierte vor ziemlich genau zwei Jahren die diamantene Hochzeit. Humor und Toleranz seien zwei Grundzutaten zum Rezept für eine lange und gute Beziehung, verrieten sie damals dem «Landboten».

«Er blieb immer der Demokrat, der er war: fast ein Linker in der FDP»Heinz Bächinger, SP-Mitglied und politischer Weggefährte von Paul Angst

Für die Wahl 1957 war Angst der damaligen Demokratischen Partei beigetreten, die später mit den Freisinnigen fusionierte. «Er blieb immer der Demokrat, der er war: fast ein Linker in der FDP», sagt SP-Mitglied Heinz Bächinger, ein politischer Weggefährte, teilweise Gegner und trotzdem Freund Paul Angsts. Zur Zeit der Fusion zur FDP sei dieser Präsident der Demokraten gewesen.

«Einen Nagel einschlagen aber kann er nicht.»Angsts Frau vor zwei Jahren über ihren Ehemann Paul

Angst machte schnell auch als Politiker Karriere, war je 17 Jahre im Gemeinderat sowie im Kantonsrat. Zweimal kandidierte er als Stadtrat, blieb dabei aber erfolglos. Doch zwei andere ehrenvolle Ämter erreichte er mit seiner konzilianten Art: 1983/84 war er Ratspräsident in Winterthur, 1991/92 Kantonsratspräsident an der Limmat.

Er war der letzte Winterthurer, der dieses Amt bekleidete, am Montag nun wird dem Winterthurer FDP-Kantonsrat Dieter Kläy diese Ehre wohl auch zuteil; Kläy war 1991 als Jungfreisinniger dabei, als Winterthur Angst willkommen hiess.

«Zuerst sah er in seinem ganzen Leben das Gute.»Heinz Bächinger, Weggefährte Angsts

Ein Experte war Angst in seiner beruflichen Funktion: Er war leitender Redaktor einer Fachpublikation zum Betreibungs- und Konkursrecht, er präsidierte den nationalen Berufsverband und wurde gefragt bei Gesetzesvorlagen. Angst war genau, fast pingelig, «ein Jurist durch und durch», wie seine Frau vor zwei Jahren sagte - und mit einem Schmunzeln ergänzte: «Einen Nagel einschlagen aber kann er nicht.»

Nun ist Paul Angst vor zehn Tagen in seinem 87. Altersjahr gestorben. Seine letzten Lebensjahre waren geprägt vom zunehmenden Verlust der Sehkraft. «Er nahm das hin, ohne zu hadern, und verlor nie seinen feinen Humor», hält Heinz Bächinger im Winterthur Glossar fest. Und würdigt Angst als positiv denkenden Menschen: «Zuerst sah er in seinem ganzen Leben das Gute.» Zu den Hinterbliebenen gehören seine Frau, seine beiden Töchter sowie deren Familien.

Erstellt: 03.05.2019, 15:25 Uhr

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