Bülach

Jestetten blockiert Nagra-Messungen

Die deutsche Gemeinde Jestetten will die seismischen Messungen der Nagra auf ihrem Gebiet nur dann erlauben, wenn sie beim Endlager stärker mitreden darf.

Quelle Nagra/©swisstopo (JM100004).

Quelle Nagra/©swisstopo (JM100004). Bild: Grafik ak

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Heute beginnt die deutsche Firma DMT im nördlichen Zürcher Weinland mit den seismischen Messungen im Auftrag der Nagra. Auf rund 21 Quadratkilometern werden die Gesteinsschichten in der Tiefe un­tersucht, um abzuklären, ob diese sich für den Bau des Endlagers eignen. Die Messungen mit Vibrationsfahrzeugen erfolgen in den Gemeinden Benken, Dachsen, Feuerthalen, Flurlingen, Laufen-Uhwiesen und Neuhausen am Rheinfall und dauern voraussichtlich bis Anfang März.

Doch eigentlich will die Nagra auch auf dem Gebiet der deutschen Nachbargemeinde Jestetten messen – darf das aber nicht. Die Gemeinde am Rhein liegt bloss 1,3 Kilometer von jenem Standort nördlich von Mar­tha­len entfernt, wo das «Tor zum End­lager» gebaut würde. Zum Vergleich: Der Dorfkern von Benken liegt 1,7 Kilometer davon entfernt.

Forderung nach Mitsprache

Der Jestetter Gemeinderat macht die Zustimmung zu den Messungen auf dem eigenen Grund und Boden davon abhängig, ob die Gemeinde bei der schweizerischen Endlagerfrage stärker mitreden darf. Konkret will sie einen Sitz in der Leitungsgruppe der Weinländer Regionalkonferenz, dem Beteiligungsgremium in der Endlagerregion. «Mit den Feldarbeiten darf begonnen werden, sobald der Gemeinde eine schriftliche Zusage der Regionalkonferenz vorliegt», sagt Jestettens Bürgermeisterin Ira Sattler auf Anfrage. Es liege nun im Ermessen dieser Konferenz, ob sie der Forderung nachkomme. Ob also die Messungen durchgeführt werden, «hängt davon ab».

«Ich begrüsse die Haltung von Jestetten gar nicht», sagt Jürg Grau, Präsident der Regionalkonferenz und Gemeindepräsident von Feuerthalen (SVP). Im Sin- ne der Sicherheit solle Jestetten die Messungen zulassen. Zudem könne nur die Vollversammlung über das Jestetter Anliegen befinden. Diese tagt aber erst wieder am 19. März, «dann sind die Messungen durch, dann ist es zu spät», sagt Grau.

Verständnis für Jestetten

Völlig anderer Meinung als Jürg Grau ist sein Feuerthaler Gemeinderatskollege, SP-Kantonsrat und Mitglied der Regional­konferenz, Markus Späth. Er habe viel Verständnis für Jestetten. «Die deutsche Gemeinde musste schon immer etwas kämpfen, um bei der Endlagerfrage überhaupt angehört zu werden.» Zur Jestetter Blockade nimmt auch die Na­gra auf Anfrage Stellung: «Wir ­bedauern, dass die seismischen Messungen im Gebiet der Gemeinde Jestetten durch die Verknüpfung mit Partizipationsfragen blockiert werden.»

Erstellt: 07.02.2016, 21:57 Uhr

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