Flughafen

Jumbolino-Ersatz scheint gefährdet

Dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier geht es finanziell schlecht. Wird das Programm nun gestoppt, droht der Swiss ein Fiasko.

Im Juni besuchte ein mit den Swiss-Farben bemaltes CS100-Testflugzeug den Flughafen Zürich. Da war auf beiden Seiten des Atlantiks noch alles in Ordnung. Nun berichten amerikanische Medien über finanzielle Probleme des kanadischen Flugzeugbauers Bombardier mit der CSeries.

Im Juni besuchte ein mit den Swiss-Farben bemaltes CS100-Testflugzeug den Flughafen Zürich. Da war auf beiden Seiten des Atlantiks noch alles in Ordnung. Nun berichten amerikanische Medien über finanzielle Probleme des kanadischen Flugzeugbauers Bombardier mit der CSeries. Bild: Archiv/Sibylle Meier

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gemäss verschiedenen Medienberichten ist das CSeries-Programm des kanadischen Flugzeugbauers Bombardier in akuter Gefahr. Die «Financial Times» berichtet, dass die Kanadier einen Käufer für das Programm suchen. 5,4 Milliarden Dollar hat das Unternehmen bereits in die Entwicklung der Mittelstreckenflugzeuge investiert, welche zu 90 Prozent abgeschlossen sein soll. Das verbleibende Risiko sei klein, argumentiert Bombardier bei der Suche nach einem Käufer. Die Kanadier selber hatten im Juli Schulden von 5,9 Milliarden Dollar ausgewiesen, der Aktienkurs hat seit Jahresbeginn um 60 Prozent nachgegeben.

Nun hat Airbus den Kanadiern eine Absage erteilt und gemäss der «SonntagsZeitung» sind auch die Chancen bei Boeing sehr gering. Problematisch ist, dass die bisher eingegangenen 243 Bestellungen für CSeries-Flugzeuge als zu wenig gelten. Bei der Credit Suisse denken Analysten gemäss der «SonntagsZeitung» sogar darüber nach, ob es nicht besser wäre, das Programm abzubrechen, was rund eine Milliarde Dollar kosten würde. Die weitere Produktion könnte hingegen nochmals 2 bis 3 Milliarden Dollar verschlingen.

Grossbestellung von United?

Bei Bombardier selber gibt man sich ob der Berichterstattung ungerührt und versucht mit grossem Effort, seine CSeries-Maschinen im US-Markt zu verkaufen. Gestern wurde bekannt, dass United Airlines 100 neue Flugzeuge bestellen will und die CSeries ganz vorne im Rennen dabei ist. Eine solch grosse Bestellung könnte das Programm retten. Oder eine Finanzspritze Kanadas.

Bestätigen sich die düsteren Prognosen hingegen, sitzt nicht nur Bombardier auf einem Scherbenhaufen. Bei Swiss arbeiten bereits rund 70 Mitarbeitende an der Einführung. Bei Swiss hat man derzeit aber noch weiter Vertrauen in Bombardier und rechnet nicht mit einer ausbleibenden Lieferung des Jumbolino-Ersatzes.

Ersatz scheiterte schon mal

Diese 16 Avro RJ100 oder umgangssprachlich eben Jumbolinos sind keine Lieblinge der Swiss. Schon seit ihrer Gründung 2002 versucht sie, die ehemaligen Cross­air-Maschinen loszuwerden. Man wollte sie damals durch Embraer-Flugzeuge ersetzen. Die Swiss war Erstkunde des Em­braer ERJ-170. Moritz Suter orderte 30 dieser Maschinen sowie 30 ERJ-195, ein längeres Modell mit mehr Sitzplätzen. Suter hatte gar eine Option auf 100 weitere Embraer.

Die brasilianischen Flugzeuge verspäteten sich vorerst, dann stand die Swiss in der Airline-Krise um 2003 selber finanziell schlecht da. Man reduzierte die Anzahl Bestellungen von je 30 auf je 15 der jeweiligen Embraer-Modelle. Gekauft wurden schliesslich nur Embraer ERJ-145 mit 50 Sitzen, ein bereits bestehendes Modell. Sie kamen 2005 in die Swiss-Flotte und waren 2006 bereits wieder weg. Die Bestellungen für die neuen ERJ-170/190 Jets wurden 2007 vom neuen Mutterkonzern Lufthansa übernommen, womit das Embraer-Kapitel für die Swiss endete.

CSeries drei Jahre verzögert

Nicht aber jenes der Jumbolinos. Die CS100 und CS300 von Bombardier sind die neue Lösung. Bisher bauten die Kanadier aber nur kleinere Regionalflugzeuge, etwa die CRJ-Serie, welche Maschinen mit 70 bis 100 Sitzplätzen hat, oder die knapp gleich grosse Dash 8, mit welcher Austrian die Strecke von Kloten nach Lugano für die Swiss bedient. Mit der CSeries wollte sich Bombardier an die Marktführer Airbus und Boeing wagen. Der CS300 hat etwa gleich viele Sitzplätze wie ein Airbus A319 oder eine Boeing 737.

Seit Swiss 30 CSeries-Flugzeuge als Erstkunde bestellte, verzögerte sich die Auslieferung aber immer wieder. 2009 wurden sie bestellt und hätten eigentlich ab 2013 fliegen sollen. Derzeit ist von einer Auslieferung Mitte 2016 die Rede. Bei Bombardier gibt man sich gelassen, betont, genug Reserven zu haben. Das passt aber gemäss nordamerikanischen Medien nicht zu den Bemühungen, das CSeries-Programm verkaufen zu wollen.

Freuen dürfte eine allfällige CSeries-Pleite höchstens die Schweizer Airline Helvetic. Sie entlastet die Swiss-Jumbolinos derzeit mit ihren Embraer 190 und Fokker 100 und hat darin ein funktionierendes Geschäftsmodell gefunden, das dann noch um einige Jahre verlängert werden könnte.

Erstellt: 12.10.2015, 21:16 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.