Bülach

Junge Wortakrobatin entlarvt Nachbarn

«Herr Klöbner von gegenüber» heisst das erste Buch der zwölfjährigen Bülacherin Paula Stein. Es handelt von einem fiesen Nachbarn, von Erpressung und einem Schatz.

In ihrem ersten Buch beschreibt Paula Stein einen Nachbarn, wie ihn wohl jeder von uns kennt. Auch den Buchumschlag hat die 12-jährige Bülacherin selbst gestaltet.

In ihrem ersten Buch beschreibt Paula Stein einen Nachbarn, wie ihn wohl jeder von uns kennt. Auch den Buchumschlag hat die 12-jährige Bülacherin selbst gestaltet. Bild: Leo Wyden

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Wohl jeder kennt den Nachbarn Herrn Klöbner. Nein, nicht jenen Herrn Klöbner aus dem Buch von Paula Stein, der ist natürlich eine Phantasiefigur. «Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig», sagt die zwölfjährige Autorin dann auch und lacht verschmitzt.

Doch Erfahrungen mit fiesen Nachbarn wie eben jenem Herrn Klöbner haben wohl schon die meisten gemacht. Manchmal hat man bei ihnen den Eindruck, dass sie hinter ihrer Ruppigkeit etwas verbergen und das wiederum weckt die Phantasie – so auch bei Paula Stein. Die Bülacher Schülerin ist eine Leseratte, beobachtet gern und das Schreiben liegt ihr im Blut. «Herr Klöbner von gegenüber» heisst ihr erstes richtiges Buch. 70 Exemplare hat sie drucken und binden lassen. Erst vor wenigen Tagen sind diese bei ihr zuhause angekommen.

Für das Mädchen sind sie von unschätzbarem Wert. Gedanken verloren wischt sie sogar die unsichtbaren Stäubchen vom Cover, welches sie selbst entworfen hat. Dann schlägt sie das Buch auf und liest darin. Sie kennt jedes Wort, das sie mit Sorgfalt gewählt hat und registriert sichtlich zufrieden, dass die Satzkonstruktionen, die sie mit Bedacht gebaut hat, ihrem kritischen Blick immer noch standhalten.

Cooler Schreibstil

«Ideen kommen mir oft vor dem Einschlafen. Manchmal stehe ich nochmals auf, weil ich sie ins Notizheft schreiben will», sagt sie. Das bestätigt auch ihre Mutter Simone. «Manchmal ist Paula so im Schreibfluss, dass ich sie daran erinnern muss, ins Bett zu gehen. Oft drücke ich dabei aber auch ein Auge zu. Schliesslich macht sie ja etwas Sinnvolles und ich bewundere ihre Begeisterung und Zielstrebigkeit», sagt Simone Stein. Als selbständige Grafikerin weiss sie nur zu gut, dass sich Kreativität nicht in ein zeitliches Korsett zwingen lässt.

Auslöser für Paulas Schreiblust war die Kinderbuchreihe «Paula und Lou» der Autorin Judith Allert. «Ich habe diese Bücher verschlungen. Sie sind cool geschrieben und haben schöne Zeichnungen. So etwas wollte ich auch machen», sagt sie und erklärt dann, was sie mit «cool geschrieben» meint: «Je nach Szene sind die Sätze unterschiedlich lang. Kurze Sätze erzeugen Tempo und Spannung. Lange Sätze verwendet man eher für Beschreibungen und dann darf es ruhig blumiger sein.» Als besonders gelungenes Beispiel aus ihrer eigenen Feder nennt sie den Satz: «Es war totenstill. Man hätte sogar eine Stechmücke pupsen hören können.»

«Ideen kommen mir vor dem Einschlafen. Manchmal stehe ich nochmals auf, weil ich sie ins Notizheft schreiben will.»Paula Sten, Jungautorin

Paula redet so, wie sie schreibt. Strukturiert, durchdacht und mit facettenreichem Wortschatz. Vielleicht kommt das daher, dass ihr Vater Philipp aus dem hohen Norden Deutschlands stammt, astreines Hochdeutsch spricht und ihr oft aus «Harry Potter» vorliest. Es könnte auch sein, dass das Zeichentalent ihrer Mutter bei Paula durchschlägt. Beim Layout des Buches hat sie ihre Tochter unterstützt und ihr Tipps gegeben. «Immer wenn ein neue Person ins Spiel kommt oder bei einer direkten Rede gibt es am Anfang einen Einzug», sagt Paula. Doch bei allen Genen und Tipps und Mutmassungen – schlussendlich ist Paula einfach Paula. Punkt.

Kindheit in Bülachs Altstadt

Paula ist ein Kind Bülachs und so sprudeln ihre Ideen aus ihr heraus, wie das Wasser aus dem Rathausbrunnen vor ihrem Fenster. Paula ist im Städtchen geboren und seit sie zurückdenken kann, lebt sie in der Altstadt. Von ihrem Zimmer aus sieht sie die Kinder spielen, die Passanten flanieren, die Geschäftsleute hasten und die Hausfrauen schwatzen. Sie sieht Touristen mit Stadtkarten, Betagte mit Rollator und Pokémon Go Trainer mit Handys um die Riegelhäuser ziehen. Paula saugt das alles auf, speichert es in ihrem Kopf. So kann man nur darauf warten, bis sie um jede der scheinbar belanglosen Alltagssituationen eine Geschichte spinnt.

Bald kommt Paula in die Oberstufe. Schon jetzt vermisst sie ihre alte Klasse. «Ich bin ein bisschen traurig», sagt sie. Doch dann fängt sie sich wieder und erzählt, dass sie seit ihrem vierten Lebensjahr Akrobatik betreibt und das Bülacher Kindertanztheater besucht. «Auf der Bühne muss man sich mit den Gefühlen anderer Menschen auseinandersetzen und Bücher zu schreiben ist so etwas wie Wortakrobatik», sagt sie. Später möchte Paula Journalistin oder Autorin oder am besten gleich beides zusammen werden.

Das Buch «Herr Klöbner von gegenüber» ist für Kinder im Primarschulalter geschrieben, ist aber auch für jung gebliebene Erwachsene geeignet. Für zehn Franken kann man es per E-Mail bei der Autorin unter paulastein@bluewin.ch beziehen, oder in der Stadtbibliothek Bülach ausleihen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.07.2017, 15:30 Uhr

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