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Kein Depot, weniger Abfall und zufriedene Gäste

Lange Schlangen vor Depot-Abgabestellen sucht man am diesjährigen Zürich Openair vergebens. Die Veranstalter setzen heuer auf Mehrwegbecher ohne Pfand. Freiwillige sind während vier Tagen auf dem Gelände im Einsatz und sammeln die Becher ein. Das Konzept scheint aufzugehen.

Jana, Luca und Cindy (von links) sammeln für «Viva con Agua» Becher am Zürich Openair ein.
Jana, Luca und Cindy (von links) sammeln für «Viva con Agua» Becher am Zürich Openair ein.
Paco Carrascosa

Luca, Cindy und Jana sind auf dem Areal des Zürich Openair (ZOA) unterwegs. Sie ziehen eine bunt bemalte Mülltone hinter sich her. Ihre Mission: Becher einsammeln. Sie machen sich auf in Richtung Hauptbühne, immer wieder kommen Leute auf sie zu und entsorgen ihre Trinkbecher in der Tonne. Nach einem Tag am Festival wissen die Gäste, wie es funktioniert: Für jeden zurückgebrachten Becher spendet der Veranstalter einen gewissen Betrag an die Schweizer Non-Profit-Organisation «Viva con Agua». Letztes Jahr kamen noch durch Depospenden total 16000 Franken zusammen. Daran wollen sich die Veranstalter orientieren.

Das ZOA arbeitet schon seit einigen Jahren mit dem gemeinnützigen Verein zusammen, der jährlich an über 30 Festivals pro Sommer präsent ist. Das Publikum kann die Depotbecher abgeben und so das Pfand spenden. Das so eingenommenene Geld fliesst in Projekte, die sich für sauberes Trinkwaser und sanitäre Grundversorgung einsetzen.

«Leute schalten den Verstand ein»

Das neue Konzept, kein Pfand mehr zu verrechnen, hat aus Sicht des Veranstalters zwei Gründe: Einerseits ist es ein Versuch, die immensen Abfallmengen des Grossanlasses zu verringern. Diese beliefen sich in vergangenen Jahren insgesamt auf 150 bis 180 Tonnen. Andererseits wäre es mit dem neuen Cashless-Bezahlsystem nicht möglich gewesen, die zwei Franken pro Teller oder Becher auf die Konten der Besucherinnen und Besucher zurückzuüberweisen.

Die Gäste freut es. Schliesslich bleibt ihnen so erspart, immer wieder mit Müll und Jeton zur Abgabestelle zu rennen. «Das ist sehr angenehm», sagt Nicole, die an allen vier Tagen das Festival besucht. Sie hält mehrere Becher in der Hand und wartet, bis dieHelferinnen und Helfer mit den farbigen Abfalleimern wieder vorbeilaufen. «Besonders schön finde ich, dass die Leute offensichtlich ihren Verstand einschalten und die Becher nicht einfach wegwerfen, obwohl kein Depot drauf ist.»

Auch während der Konzerte wird ans Recyclen gedacht: Die engagierten Menschen von «Viva con Agua» mischen sich mitten unters Publikum, als Erkennungszeichen halten sie stets eine weisse Flagge in die Luft. Ist gerade kein Durchkommen zu ihnen möglich, stecken die Gäste ihre Becher zu Meterhohe Plastiktürmen zusammen, um sie später ordnungsgemäss zu entsorgen.

Aufgabe ist angenehmer geworden

Helferin Jana ist begeistert vom neuen Konzept. Sie ist seit letztem Jahr an 14 Festivals mit der wohltätigen Organisation unterwegs gewesen. Da sie nun die Leute nicht mehr bitten muss, ihr den Becher und somit das Pfand zu spenden, sei ihre Aufgabe viel einfacher geworden. Kollege Luca hat einen Einwand: «Das mag zwar stimmen, aber für unsere Organisation hat das ganze auch einen Nachteil: Niemand will mehr wissen, wofür wir uns einsetzen.»

Welche Auswirkung das neue System auf den Abfallberg am Sonntag haben wird, wird sich zeigen. Und auch, wie viele der insgesamt 400000 Becher im nächsten Jahr wiederverwendet werden können.

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