Kloten

Klotener Asylsuchende kochen Znacht für die Bevölkerung

Gemeinsam essen einmal anders: Morgen Abend laden die Klotener Asylsuchenden für ein gemeinsames Nachtessen mit der Bevölkerung alle Interessierten in ihre Containersiedlung ein. So wollen sie sich revanchieren für manch eine private Einladung von Einheimischen. Dahinter steht ein kleiner Verein.

Die Bewohner des Klotener Asylzentrums an der Rankstrasse haben nach ihrem Umzug von der Zivilschutzunterkunft in der Industrie an diesen Standort vor einem Jahr schon einmal die Bevölkerung empfangen.

Die Bewohner des Klotener Asylzentrums an der Rankstrasse haben nach ihrem Umzug von der Zivilschutzunterkunft in der Industrie an diesen Standort vor einem Jahr schon einmal die Bevölkerung empfangen. Bild: Archiv Balz Murer

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Es ist das erste Mal, dass der Spiess umgedreht wird. Afghanisch und eritreisch wird nun ­also für die Gäste gekocht, anstatt dass etwas typisch Schweizerisches aufgetischt würde. Denn dieses Mal sind es nicht die Asylsuchenden, die sich als Gäste an einen einheimischen Tisch setzen, sondern die Einheimischen, die sich an einen für viele doch sehr fremden Tisch setzen.Am Samstagabend zum Chinesen, zum Inder oder Italiener ist in Kloten jederzeit möglich. Aber zum Asylbewerber? – Doch genau dies machen ein kleiner Verein und eine Gruppe Klotener Asyl­suchende morgen Abend möglich. So kommt es, dass Afrikaner und Zentralasiaten für die Schweizer Bevölkerung kochen und sie die Einheimischen auch gleich ein­laden, bei ihnen zu essen.

Neue Begegnungen am Tisch

Umgekehrt sind schon viele der 30 Klotener Asylbewerber aus Eri­trea und Afghanistan, allesamt junge Männer, von einhei­mischen Familien und oft auch WGs zum Abendessen zu sich nach Hause eingeladen worden. Weil solche Abende denn nicht einfach so zustande kommen, ­vermittelt ein Verein namens «Gemeinsam Znacht» seit 2014 entsprechende Kontakte zwischen Gästen und Gastgebern. Wobei in der Rolle der Gäste bis anhin stets die Asylsuchenden ­waren und als Gastgeber immer Einheimische aus der Umgebung auftraten. «Damit wollen wir Kon­­takte ermöglichen und mithelfen, dass Ängste und Vorur­teile abgebaut werden», sagt ­Se­lina Sutter, die im Vereinsvorstand mitwirkt. Die geräumige Klotener Asylunterkunft Rank­strasse bietet nun die Gelegenheit für eine Premiere. «Es ist den Asylsuchenden ein Bedürfnis, sich zu revanchieren und sich bei der Bevöl­kerung für ihre Aufnahme bedanken zu können», sagt Sutter.

Authentisch statt hip essen

So ein Abend, wie er nun in Kloten ansteht, sei auch für sie und ihren Verein ungewöhnlich. «Ich werde als zahlender Gast auch ­dabei sein», sagt die 26-jährige Bündnerin, die in Zürich Jus studiert. Aufgrund des knappen Budgets der Köche und Gast­geber ist der ehrenamtlich auf­gestellte Verein auch dieses Mal bei der Organisation des gemeinsamen Abendessens eingesprungen. Damit genügend eingekauft werden kann und für alles gesorgt ist, haben die angemeldeten Gäste schon im Voraus je 35 Franken beigesteuert. «Das ist ein Unkostenbeitrag. Wenn etwas übrig bleibt, geht es in die gemeinsame Kasse der Bewohner der Klotener Asylunterkunft», erklärt Sutter.

Anstatt in einem hippen Gastro­tempel zu dinieren, bietet sich also morgen Abend jedem, der sich darauf einlassen mag, die Gelegenheit, in der Contai­nersiedlung an der Klotener Rankstrasse echt eritreisch und typisch afghanisch zu essen – ­ohne Schnickschnack und garantiert authentisch. Die Küche jener beiden Länder ist bislang nämlich noch nicht vertreten im Gas­tro­angebot der Flughafenstadt.

Noch Platz für Interessierte

Bislang haben sich gemäss ­Selina Sutter schon über 20 Leute angemeldet, wobei es noch freie Plätze hätte, lässt sie durchblicken. «Wer dabei sein möchte, sollte einfach offen und neugierig sein und nicht mit allzu fest­gefahrenen Vorstellungen zum gemeinsamen Essen kommen.» Da in der eher spartanisch ein­gerichteten Unterkunft plötzlich für so viele Personen gleichzeitig gekocht werden muss, hilft auch die Organisation «Cuisine sans Frontières» mit.

Dass die Bewohner der Asylunterkunft sich in ihre Privat­räume schauen lassen, ist für sie nicht neu. Schon kurz nach ihrem Umzug von einer Zivilschutz­unter­kunft ins Wohnquartier gleich neben der Stiftung Pigna war die Bevölkerung zu Kaffee und Kuchen ins Asylheim eingeladen worden. «Die Bewohner freuen sich über jede Gelegenheit, mit Einheimischen in Kontakt zu treten und ihr Deutsch anzuwenden», sagt Selina Sutter.
Gemeinsam Znacht:Samstag, 13. Mai, ab 18 Uhr in der Asylunterkunft Rankstrasse in Kloten. Unkostenbeitrag 35 Franken. Nur mit Anmeldung unter Tel. 079 576 58 15.

Erstellt: 11.05.2017, 20:22 Uhr

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