Autotuning

Polizei behält Tunerszene im Auge

Für viele Junge ist das Auto ein Statussymbol, das sie deshalb optisch und technisch verändern. Nicht alles aber ist beim Tuning erlaubt. Dort, wo es um Lärm und unerlaubte Leistungssteigerung geht, greift die Polizei ein.

Severin Kofel stört sich daran, dass er als Autotuner mit Rasern gleichgestellt wird.

Severin Kofel stört sich daran, dass er als Autotuner mit Rasern gleichgestellt wird. Bild: Christian Merz

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Hanspeter Reichmuth, Inhaber von Autozubehör Bricoville verkauft seit 1984 Zubehör für optisches Tuning. «Unsere Kunden sind zwischen 18 und 70 Jahre alt. Diese Leute haben Freude an ihren Autos und investieren viel Geld», erklärt er.

Das Zubehör koste zwischen 25 Franken für eine kurze Dachantenne bis zu einigen Tausend Franken für Felgen oder Flügeltürsysteme. «Die Leute wollen nicht blochen sondern ihr Auto präsentieren», ergänzt der Fachmann. Aber natürlich sei das Auto für viele Junge ein Statussymbol. «Wir machen die Kunden darauf aufmerksam, was erlaubt ist und was nicht.»

Tuner sind keine Raser

Und genau da setzt die Kantonspolizei an. Sie ist gesetzlich verpflichtet für Verkehrssicherheit zu sorgen und unnötigen Lärm zu verhindern. Für Jara Engler, Dienstchef des Verkehrspolizeistützpunktes Bülach (VZB) nimmt die Zahl der extrem lauten Fahrzeuge mit über 400 PS zu. «Die Meldungen von knallenden Autos, die den Anwohnern den Schlaf rauben, mehren sich.»

Die Kantonspolizei hat auf das Problem reagiert. «Wir sind in der glücklichen Lage zwei Fachspezialisten zu haben, die technisch versiert sind, um solche unerlaubten technischen Änderungen an Fahrzeugen zu erkennen», erklärt Engler. Seit Anfang 2018 ermitteln die beiden Fachexperten in der Tuningszene. Das Resultat: rund 40 stillgelegte lärmverursachende Fahrzeuge. Genau darauf legt der VZB den Fokus bei seinen Kontrollen. Es gehe um unerlaubte, leistungsgesteigerte Fahrzeuge und Lenker, die ihr Auto nicht im Griff haben. Aber Tuner seien nicht per se Raser, erklärt der Dienstchef.

Dies bestätigt auch Severin Kofel. Der junge Embracher hat gerade seinen BMW M2 für 8500 Franken optisch auftunen lassen. Leider bestehe das Klischee des typischen Rasers mit einem Protz-auto. «Meine Kollegen und ich tunen unsere Fahrzeuge zwar optisch, sind aber dadurch nicht gleich auch Raser. Wir haben einfach nur Freude an unseren schönen Autos.» In der Szene treffe man sich unter Kollegen, man zeige die neusten Veränderungen und tausche Informationen aus. Protztypen, die ihre Räder durchdrehen lassen, seien nicht willkommen. Kofel hat ein halbes Jahr gespart, um sein Auto tiefer zu legen, eine Sportauspuffanlage und eine Frontlippe zu montieren. Ausserdem hat sein Auto mit einer Gesamtfolierung ein anderes Erscheinungsbild bekommen.

Ein Katz und Maus Spiel

Dieses Erscheinungsbild sei es, das die Polizei veranlasse, ihre Autos zu kontrollieren. «Wir haben zwar getunte Autos, aber alles legal und mit Beiblättern oder Einträgen genehmigt.» Dies sieht die Kantonspolizei etwas differenzierter. «Einerseits überschätzten sich die jungen Lenker, wenn sie glauben, ihre leistungsstarken Fahrzeuge im Griff zu haben», erläutert Jara Engler. «Andererseits verbergen sich hinter den optisch getunten Fahrzeugen eben oft auch technisch nicht erlaubte Veränderungen.» Dann werden die Kontrollschilder eingezogen. Diese erhält der Halter erst dann wieder zurück, wenn er sein Auto rückgebaut hat und dieses vom Strassenverkehrsamt geprüft und abgenommen wurde. «Das kostet und tut weh, weil das Auto während dieser Zeit nicht mehr gefahren werden kann.» Bussen allein zeitigten keinen Erfolg, sie lägen mit rund 500 Franken im Übertretungsbereich.

Oft ist das für die Tuner wie ein Spiel. «Räuber und Poli», nennt es Jara Engler. Nachdem der Besitzer sein Auto wieder hat, tunt er es in den ursprünglichen Zustand zurück und prahlt zum Teil in den Sozialen Medien damit. Und so beginnt das Katz und Maus Spiel von neuem.

Erstellt: 29.10.2018, 17:03 Uhr

Was ist Tuning?

Ausgefallene Frontspoiler und Felgen oder tiefergelegte Autos fallen genauso unter Tuning, wie technische Änderungen zur Leistungssteigerung an den Abgas- und Auspuffanlagen. Beiden gemein ist, dass jede Modifikation meldepflichtig ist und somit dem Strassenverkehrsamt vorgeführt werden oder eine schweizerische Eignungserklärung vorliegen muss. (jhu)

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