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Landwirte rund um den Flughafen müssen auf Hilfe aus der Luft verzichten

Auch in der Landwirtschaft kommen Drohnen immer häufiger zum Einsatz. Doch Unterländer Bauern sind stark eingeschränkt: Rund um den Flughafen gilt eine grosse Sperrzone.

Kapseln mit Schlupfwespen-Eiern sollen dem Maiszünsler den Garaus machen. Drohnen entlasten Bauern beim Verteilen im Maisfeld.
Kapseln mit Schlupfwespen-Eiern sollen dem Maiszünsler den Garaus machen. Drohnen entlasten Bauern beim Verteilen im Maisfeld.
zvg

Am vergangenen Freitag fuhr der Eglisauer Bauer Severin Lamprecht nach St. Gallen. An der Fachmesse Tier&Technik informierte er sich unter anderem über neue landwirtschaftliche Methoden. Besonders interessiert hat Lamprecht die Sonderschau über Drohnen.

«Multikopter könnten uns Bauern in Zukunft auf vielfältige Art unterstützen»

Die unbenannten Flugobjekte bieten auch in der Landwirtschaft zahlreiche Möglichkeiten. Sie helfen dabei, Rehkitzen in Feldern aufzuspüren, Pflanzenschutzmittel zu spritzen, Kulturen mittels Kamera zu überwachen oder Schädlinge aus der Luft zu bekämpfen. «Multikopter könnten uns Bauern in Zukunft auf vielfältige Art unterstützen», sagt Lamprecht.

5 Kilometer Abstand halten

Doch können Unterländer Bauern von den Innovationen überhaupt profitieren? Im Umfeld des Flughafens sind bekanntlich so ziemlich alle Objekte, welche vom Boden abheben, tabu. Innerhalb von 5 Kilometern Distanz zu den Pisten kommen Drohnen also kaum infrage, selbst wenn sie lediglich zwei bis drei Meter über dem Feld fliegen. Dies gilt für Gemeindegebiet zwischen Embrach, Neerach und Regensdorf.

In einem weiteren Kreis, der bis weit ins Rafzerfeld reicht, sind Drachen, Modellflugzeuge sowie Multikopter erlaubt, sofern sie nicht höher als 150 Meter aufsteigen. Diese Limite schränkt den landwirtschaftlichen Einsatz nicht ein.

Kein Interesse im Unterland

Während viele Anwendungen von Drohnen noch nicht marktreif sind, ist die Bekämpfung des Maiszünslers bereits seit etwa drei Jahren verbreitet. Die Multikopter werfen über den Maisfeldern biologische abbaubare Kapseln ab, die Schlupfwespen-Eier enthalten. Sobald die Wespen ausgeschlüpft sind, legen die Weibchen ihre Eier in jene des Maiszünslers und töten sie ab.

Bis anhin mussten Bauern die Nützlinge von Hand auf den Feldern verteilen. Nun sollen sie es einfacher haben. Bei der Firma Firma UFA-Samen, welche zur Bauern-Genossenschaft Fenaco gehört, können sie die GPS-Daten ihrer Parzellen angeben. Darauf übernimmt ein geübter Pilot den Einsatz.

«Der Papierkram steht in keinem Verhältnis. Da hat man die Nützlinge schneller von Hand verteilt.»

Aus dem Sperrgebiet rund um den Flughafen seien bis anhin keine Anfragen für eine Behandlung eingegangen, sagt Thomas Widmer, welcher Drohnen im Auftrag von UFA-Samen fliegt. Theoretisch wäre es zwar möglich, bei Skyguide eine Bewilligung zu beantragen. Doch der Aufwand dafür wäre zu gross, sagt Widmer. «Der Papierkram steht in keinem Verhältnis. Da hat man die Nützlinge schneller von Hand verteilt.» Auch Unterländer Bauern, welche ausserhalb der 5-Kilometer-Zone angesiedelt sind, hätten bis anhin kein Interesse gezeigt.

Landwirt Thomas Näf aus Bülach zum Beispiel baut meist nur Silomais an. Dieser sei weniger anfällig für den Maiszünsler, weil er früher geerntet wird als Körnermais, sagt Näf. Zudem setzt er auf möglichst resistente Sorten.

Pestizide und Kameras

Gemäss Ueli Sager, Inhaber der Firma Remote Vision, welche die Drohnen vertreibt, werden die Helfer aus der Luft immer mehr auch zum Ausbringen von Spritzmitteln verwendet. So zum Beispiel an steilen Hängen im Weinbau, wo keine Maschinen hineinfahren können und die Winzer mit Rückenkanistern hantieren müssen. Solche gibt es im Unterland jedoch nicht. Aber auch wenn die Felder zu nass sind für die Traktoren, sind Multikopter eine Option. Im Schaffhausischen waren sie bereits letztes Jahr im Einsatz.

Für den Eglisauer Landwirt Severin Lamprecht mit seinen Obstbäumen und Reben wäre auch die Überwachung des Gesundheitszustands seiner Kulturen eine interessante Anwendung. Mit hochauflösenden Kameras ausgestattete Drohnen könnten etwa zur Kontrolle des hochansteckenden Feuerbrands eingesetzt werden. Obwohl sein Land ausserhalb der Sperrzone liegt, ist Lamprecht vorerst ohne eigenes Flugobjekt aus St. Gallen zurückgekehrt: «Die meisten Anwendungen sind noch zuwenig ausgereift.»

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