Kloten auswärts (5)

Langenthal scheut keine Herausforderung

Der SC Langenthal gehört in der Swiss League zum Kreis der Favoriten. 2012 und 2017 hat er die Liga gar gewonnen­. Nebst dem SCB, Biel und Langnau sind die Ober- aargauer ein Teil der Berner Hockeymanie – haben dabei aber nie den Kontakt zur Region und ihren Fans verloren.

Der Zürcher Unterländer besucht die Stadien der künftigen Gegner des EHC Kloten in der Swiss League. Heute: die Schorenhalle in Langenthal (Video: Michael Caplazi).

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Wer die Eishalle Schoren, das Heimstadion des SC Langenthals besucht, fühlt sich automatisch an die Swiss Arena des EHC Kloten erinnert. Beide Stadien liegen etwas zurückversetzt vom Stadtkern am Waldrand, bei beiden wird es mit dem Parkieren etwas schwierig, wenn ein Knüllermatch ansteht. Und ein solcher wird auf jeden Fall am 24. November anstehen, wenn die Langenthaler in ihrer Eishalle gegen Kloten antreten werden.

Einer, der sich jetzt schon darauf freut, ist der Langenthaler Geschäftsführer Gian Kämpf. «Der EHC Kloten ist in der Schweiz ein Traditionsclub. Wir freuen uns auf diesen neuen Gegner in der Swiss League.» Man sei auch gespannt darauf, wie es sei, in der Swiss Arena zu spielen.

Das Stadion bündelt die Energie der Fans

Die Langenthaler sind seit 1961 in der Eishalle Schoren zuhause, auch wenn damals noch kein Dach vorhanden war. Obwohl das Stadion also schon etwas in die Jahre gekommen ist, hat die Stadt Langenthal das Beste daraus gemacht. «Gerade erst haben wir die 40 Jahre alte Banden durch die neue stossabsorbierende Variante ersetzt», sagt Rudolf Minder, Geschäftsführer der Kunsteisbahn Langenthal AG, welche die Eishalle betreibt.

Dabei habe man auch gleich höhere Netze gespannt und ein wenig das Eis aufgepeppt. Auch sonst hat man alles aus dem Gebäude geholt, was noch geht: Verschiedene Lounges im Innern wurden über die Jahre geschickt in die Ecken der Halle eingebaut und bieten einen hervorragenden Blick auf das Spielfeld. Ein kleines Restaurant, das «Châlet» lädt zum gemütlichen Fondueplausch ein.

Für die Übertragung im Fernsehen gibt es ein Regiezentrum, wofür das Stadion ans Glasfasternetz angeschlossen worden ist. «Viele dieser Ausbauten und Ergänzungen haben wir quasi selbst gemacht», erklärt Minder. So spiele zum Beispiel einer der Metallbauer im Club bei den Senioren und habe deshalb geholfen. «In der Region hier sind viele Menschen irgendwie mit dem SC Langenthal verbandelt, das hilft uns sehr», so Minder.

Wo heute das Stadion steht hat man bereits vor der Grüdnung des Clubs auf selbst zurechtgemachten Eisflächen im Winter Hockey gespielt. Die Verbundenheit des Clubs mit der «Schoren» geht bis 1938 zurück. Foto: PD

Trotzdem: Der Zahn der Zeit nagt am Stadion. Von aussen macht es mit seinem Wellblech und ein paar «provisorischen» Imbisszelten – tatsächlich stehen sie seit über 10 Jahren dort, verrät Minder – nicht viel her. Doch im Innern versprüht die Eishalle dafür mächtig Charme. Die Dachkonstruktion aus Holz wirkt einladend und sorgt für eine gemütliche, warme Atmosphäre.

Gleichzeitig sind die Tribünen so nahe am Feld aufgebaut, dass man in kaum einem anderen Stadion sich so nahe am Geschehen fühlt. «Dadurch kommt in der Halle, die Platz für 4000 Zuschauer bietet, schon bei viel wenigern Besuchern eine richtig gute Stimmung auf», sagt Minder.

Ein neues Heim für den Club ist in Planung

Indes, das Ende der Halle zeichnet sich bereits ab. Spätestens im Jahr 2031 wird die Eishalle Schoren Geschichte sein. Die Stadt plant den Bau einer neuen, modernern Halle. Und zwar gleich aus mehreren Gründen. «Ein möglicher Aufstieg in die National League ist sicher einer davon», erklärt Minder. «Wir laufen hier inzwischen infrastrukturmässig einfach definitiv am Limit.»

Auf jeder Nachwuchsstufe gibt es beim SC Langenthal mindestens zwei Teams, zudem trainiert Minder auch noch ein Frauenteam. «Zudem gibt es noch viele kleinere Mannschaften, die Hockey spielen wollen, hier oben aber keinen Platz mehr finden.» Die neue Halle wird aber nicht im Gebiet Schoren gebaut werden, sondern an einem anderen Standort.

Grund dafür ist erstens, dass die Stadt im Schoren das Land nur im Baurecht besass, zweitens hätte bei einem Neubau der Waldabstand Probleme verursacht, wodurch 2500 Quadratmeter Wald hätten gerodet und an einem Ort wieder neu angepflanzt werden müssen.

Langenthal glaubt an Klotener Qualität

Für Minder bedeutet das Ganze vor allem eins: «Bis 2031 gilt es nun, das alte Stadion in Schwung zu halten.» Ein erstes Testspiel gegen Langenthal bestreitet der EHC Kloten am 16. August und wird dabei auf einen unangenehmen Gegner treffen. Der SC Langenthal ist ein Club, der von einer ganzen Region mitgetragen ist und der sich schon des Öfteren mit Teams aus der National League duelliert hat. Gleichzeitig werden die Langenthaler die Klotener definitiv nicht unterschätzen.

«Ein Club wie Kloten muss in der Swiss League die Ambition haben, ganz vorne mitzuspielen», sagt CEO Kämpf. Er mache sich denn auch keine Sorgen darüber, dass es in Kloten weiterhin bergab gehen könnte. «Sie haben eine gute Mannschaft zusammengebaut.» Vielleicht habe der Abstieg für Kloten auch etwas gutes, wenn man in Betracht ziehe, wie stark etwa früher Absteiger wie die SCL Tigers oder der SC Rapperswil-Jona Lakers zurückgekommen seien. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 30.07.2018, 15:00 Uhr

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Quelle: d-maps, Grafik: mb

Vom «Chneble» am Waldrand zum Aufstiegskandidaten

Vereinsgeschichte
Die Anfänge des SC Langenthal gehen auf die Kriegswinter der Jahre 1941 bis 1945 zurück. Auf Eisflächen in der Umgebung von Langenthal spielten ein paar sportbegeisterte mit Haselstecken und gefrorenen Pferdeäpfeln Hockey. 1946 wurde der Club gegründet, nachdem man ein Turnier in Bern gewonnen hatte. 1952 beschlossen 14 Mitglieder des SCL, am Waldrand in Schoren eine Natureisbahn anzulegen. Die Kosten beliefen sich auf rund 40 000 Franken. In der Saison 1952/1953 durfte der SCL auch dem Schweizerischen Hockeyverband beitreten und spielte dort in der Serie B, was heute der 1. Liga entspricht. In der Saison darauf gelang erstmals der Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse. 1961 schliesslich wurde für fast 900 000 Franken am Standort Schoren die Kunsteisbahn gebaut. Erst 1981 wurde diese allerdings überdacht. Seit der Saison 2001/2002 spielt Langenthal in der zweithöchsten Liga und gewann diese 2012 und 2017.

Clubfarben
Blau (Heimspiele) und Gelb (Auswärtsspiele)
Durchschnittliche Zuschauerzahl in der vergangenen Saison
Zirka 2000.

Bekannte Spieler
Sven Bärtschi (2006-2010), Yannick Rathgeb (bis 2010), Noah Schneeberger (2007-2008)

Einwohnerzahl Langenthal
15 501 (2016)

Nächste Beiz
Für das «Châlet» im Stadion wird Reservieren empfohlen. Ansonsten ist das «Schoren Pintli» am nächsten.
Kloten spielt hier am: Samstag, 24. November 2018, 17.30 Uhr; Samstag, 12. Janur 2019, 17.30 Uhr. Beide Spiele sind nicht für eine Übertragungvorgesehen.

www.sclangenthal.ch

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