Bülach

Leben retten durch Organspenden

Im Spital Bülach wurde über das Thema Organspende orientiert. Mit dabei war eine Empfängerin eines Spenderherzen, die heute ein nahezu normales Leben führen kann.

Machten die Organspende zum Thema (von links): Barbara Lienhardt, Leitende Ärztin Intensivstation Bülach, Thomas Langholz, Leiter Kommunikation Spital Bülach, Herzempfängerin Renate Isenschmid und Martin Wendt, Team Koordination Unispital Zürich.

Machten die Organspende zum Thema (von links): Barbara Lienhardt, Leitende Ärztin Intensivstation Bülach, Thomas Langholz, Leiter Kommunikation Spital Bülach, Herzempfängerin Renate Isenschmid und Martin Wendt, Team Koordination Unispital Zürich. Bild: Sibylle Meier

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Um sich über die Problematik von Organspenden und Transplantationen orientieren zu lassen, trafen sich am Dienstagabend im Mehrzweckraum des Spitals Bülach mehr als 40 Personen.

Die leitende Ärztin der Intensivstation, Barbara Lienhardt, sprach einführend über die aktuelle Spendersituation in der Schweiz. Sie erklärte, dass alle Menschen, ausser solche mit einer aktiven Krebserkrankung, bis ins hohe Alter Organe spenden können. Allerdings stehe die Schweiz im Vergleich mit Staaten, welche die Widerspruchslösung eingeführt haben – damit ist gemeint, dass angenommen wird, jeder Mensch ist bereit, nach dem Ableben seine Organe für eine Transplantation freizugeben – nicht gerade gut da: 2017 gab es pro einer Million Einwohner nur 17,2 Spenden.

In Frankreich waren es 29,7 Spenden, in Spanien sogar 47. Entsprechend lang ist hier die Wartezeit. Für ein Herz dauert sie durchschnittlich 400 Tage, für Nieren beträgt sie rund drei Jahre.

«Für mich war es wie ein Wunder, dass ich durch ein geschenktes Herz mit einer guten Lebensqualität weiterleben darf.»Renate Isenschmid, Herzempfängerin

Um den Organmangel und die Wartezeiten in der Schweiz zu reduzieren, wurde 2018 eine Eidgenössische Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten» eingereicht. Bei der Annahme dieser Initiative würde die Bundesverfassung wie folgt geändert: «Die Spende von Organen, Geweben und Zellen einer verstorbenen Person zum Zweck der Transplantation beruht auf dem Grundsatz der vermuteten Zustimmung, es sei denn, die betreffende Person hat bereits zu Lebzeiten ihre Ablehnung geäussert.»

Glück im Unglück

An der Veranstaltung im Spital Bülach sprach die 44-jährige Renate Isenschmid aus Erlenbach von ihren persönlichen Erfahrungen. Denn hinter ihr liegt eine dramatische Zeit. Durch eine frühere Chemotherapie wurde ihr Herz geschädigt. Die Patientin wurde nach Bern geflogen und an eine Herzmaschine angeschlossen. Sie habe unglaubliches Glück gehabt, sagte Isenschmid.

Nach nur viereinhalb Wochen konnte ihr ein Spenderherz transplantiert werden. «Für mich war es wie ein Wunder, dass ich durch ein geschenktes Herz mit einer guten Lebensqualität weiterleben darf», äusserte sie sich in Bülach. Renate Isenschmid wird lebenslang Medikamente einnehmen müssen, um die Abstossung des implantierten Herzens zu vermeiden.

Schnelles Handeln ist nötig

Am Podiumsgespräch, geleitet durch Thomas Langholz, Leiter Kommunikation des Spitals Bülach, nahm neben Patientin Isenschmid auch Martin Wendt teil. Er koordiniert im Universitätsspital Zürich mit einem Team Spenden und Transplantationen in der ganzen Schweiz. Das Team erstellt die Warteliste und arbeitet mit ausländischen Stellen zusammen. Um eine erfolgreiche Transplantation durchzuführen, ist schnelles Handeln nötig: Ein Herz muss bereits innerhalb von vier, eine Niere innerhalb von zwölf Stunden transplantiert werden.

Wendt riet dringend dazu, das Thema Organspende in der Familie und mit Bekannten zu besprechen und Wünsche offenzulegen. Dadurch lassen sich komplizierte Diskussionen mit Angehörigen eines Verstorbenen vermeiden. Besucherin Maya Greminger aus Bülach fand den Anlass äusserst interessant: «Mir wurden gewisse Ängste rund um eine Organspende genommen.»

Erstellt: 23.10.2019, 14:36 Uhr

Initiative fordert Paradigmenwechsel in Bezug auf Organspende

Swisstransplant ist die nationale Stiftung für Organspende und Transplantation. Im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit ist sie als Nationale Zuteilungsstelle für die gesetzeskonforme Zuteilung der Organe an die Empfänger zuständig und führt die entsprechende Warteliste. Swisstransplant unterstützt die Initiative «Organspende fördern – Leben retten» ideell. Die Initiative zielt auf eine Verfassungsänderung, die jeden Erwachsenen im Todesfall zum potenziellen Organspender macht – es sei denn, er hat seinen Widerspruch zu Lebzeiten in ein offizielles Register eintragen lassen. Dieses Prinzip nennt sich auch Widerspruchslösung.

Der Bundesrat schlägt als indirekten Gegenvorschlag zur Initiative die Einführung einer erweiterten Widerspruchslösung vor: Wer nach seinem Tod keine Organe spenden möchte, soll dies neu festhalten müssen. Ist der Wille einer verstorbenen Person nicht klar dokumentiert, werden weiterhin die Angehörigen befragt.

Aus den aktuellsten Zahlen von Swisstransplant für das dritte Quartal 2019 geht hervor, dass. 1398 Menschen in der Schweiz auf ein Organ warten. 2018 sind 68 Personen auf der Warteliste gestorben. Nur etwas mehr als 65000 Personen sind per Ende September im Nationalen Spenderregister von Swisstransplant eingetragen. Das Register wurde vor rund einem Jahr eingeführt. Darin kann jede Person ihren Entscheid für oder gegen eine Organspende online festhalten. Auch kann man auf dem Formular eine Vertrauensperson angeben, welche entscheiden soll. (red)

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