Umfrage

Lohnt es sich, über Pfingsten zu verreisen?

Über Pfingsten in die Ferien? Auch in der ZU-Redaktion scheiden sich die Geister.

Über Pfingsten verreisen oder doch lieber zu Hause bleiben. Das sagen die ZU-Rekationsmitglieder dazu.

Über Pfingsten verreisen oder doch lieber zu Hause bleiben. Das sagen die ZU-Rekationsmitglieder dazu. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Flavio Zwahlen

Pfingstreiseverweigerer

Ostern, Auffahrt, Pfingsten: Wieso genau dann verreisen, wenn Flug und Hotel am teuersten sind? Das Gleiche gilt für Ausflüge ins Tessin: Wieso genau dann durch den Gotthard fahren, wenn alle anderen auch wollen? Auf diese Fragen gibt es keine wirklich guten Antworten. Deshalb bevorzuge ich, die Feiertage im Frühling in Ruhe zu Hause zu verbringen und mich dabei ein wenig vom Alltagsstress zu erholen.

Die Temperaturen sind auch hier meist schon sommerlich hoch. Heisst: Ich kann in die Badi gehen oder nette Grillabende veranstalten und das ohne jeglichen Reisestress. Zudem bleibt Zeit, um zu Hause einige Arbeiten zu erledigen. Verreisen kann ich auch noch in meinen Ferien. Der Vorteil: Ich gehe so den grossen Touristenströmen ein wenig aus dem Weg. Dadurch spare ich Geld und auch Nerven.

Trotzdem zog es mich über Ostern auch schon in den Süden, genauer: nach Barcelona. Wir hatten einigermassen früh gebucht und bezahlten deshalb einen «menschlichen» Preis. 30 Minuten anstehen für ein Glace fand ich dann aber doch recht viel.

Florian Schaer

Ziemlichvielflieger

In der Entsendung des Heiligen Geistes steckt schon der Gedanke von Entsenden, von Bewegung, von Reisen. Und das verlängerte Wochenende verleitet zusätzlich zum Aufbruch in die Ferne. Als Ziemlichvielflieger gehöre ich einerseits zu den Spätbuchern (meist weniger als 48 Stunden vor Abflug), andererseits zur Gruppe der Kurzstreckenschnäppchenjäger. Und just diese Kombination verträgt sich mit Pfingsten ausgesprochen schlecht. Angebot und Nachfrage.

Nein, Pfingsten ist da definitiv nichts für Sparfüchse. Ich hätte da aber einen Vorschlag für uns Aviatikfans, für die das Wort «Ausflug» zwingend etwas mit Flug zu tun haben muss: Gerade weil am Flughafen so viel los sein wird, ist es die perfekte Gelegenheit, wieder einmal das Zoomobjektiv aus dem Kasten zu holen, und das private Flugzeugfotoalbum aufzustocken.

Die Wetterprognosen sind zwar nicht gerade ideal, doch gerade das gereicht uns zum Vorteil: Wolken machen das Licht weicher. Und wenn es einen Regenguss geben sollte, haben Läden und Restaurants am Flughafen geöffnet – Pfingstfeiertag hin oder her.

Anna Bérard

Reisefüdli

Diese Pfingsten bin ich unterwegs, wenn auch nicht zur geistlichen Besinnung und schon gar nicht zur Erholung. Paris ist das Ziel, Hotel und TGV sind gebucht und die Tickets fürs Konzert, das der eigentliche Grund für die Reise ist, liegen griffbereit. Ich weiss: Ein Kurztrip nach Paris ist auch mit dem Zug nicht gerade ökologisch – der Strom in Frankreich kommt bekanntlich zum Grossteil aus einem der vielen AKW im Land.

Und wie ich sind mehrere Zehntausend andere an diesem Pfingstwochenende mit demselben Ziel in Frankreich unterwegs: Wir werden zwei winzige Menschen unter 80000 anderen im Stade de France sein. Aber egal: Mit dem TGV sind es gerade mal viereinhalb Stunden ab Zürich bis zum Gare de Lyon und nochmals 20 Minuten mit der Métro zum Stadion.

Natürlich könnte ich in derselben Zeit auch ins Engadin fahren, nach Tromsø in Norwegen fliegen, um den Zürichsee radeln oder über die Lägern nach Wettingen wandern. Jedem das Seine. Dieses Jahr hat die Vorfreude auf wummernde Bässe und eine tosende Menschenmenge mein Ziel über Pfingsten bestimmt.

Stefan Bill

Gummibootkapitän

Viel zu frühes Aufstehen für viel zu langes Staustehen. Dazu eine Stunde von meinem Leben mit Kofferpacken verschwenden. Und wofür? Um mir anschliessend Badetuch an Badetuch an einem überfüllten Strand irgendwo ein paar Hundert Kilometer weiter südlich einen Sonnenbrand zu holen? Oder für ein Foto von meinen Beinen auf Instagram, sodass alle wissen, wie entspannt ich bin, nur um mich am selben Abend erneut lautstark über den Stau zu ärgern? Oder damit ich 15 Minuten damit vergeuden kann, im Wörterbuch nachzuschlagen, wie ich hier mein «Gelato» bestellen muss? Nein danke!

Während andere für verlängerte Wochenenden in den Süden flüchten müssen, habe ich ein schönes Zuhause. Ich frage mich manchmal, wovor die Leute eigentlich fliehen wollen. Die Familie kommt ja meist mit. Ich hole mir meinen Sonnenbrand lieber auf dem Balkon, meine Glace in der Migros, und mein Instagram-Foto zeigt meinen Garten. Und sollte mich wirklich einmal das Fernweh packen, fahre ich in den Norden, auf der Limmat, in meinem Gummiboot, stressfrei und klima- neutral!

Martin Liebrich

Schlechtwetterprophet

Nein: An Pfingsten zu verreisen, halte ich für keine gute Idee. Abgesehen von den Staumeldungen, die an diesem verlängerten Wochenende in verlängertem Ausmass zu erwarten sind, ist meistens auch das Wetter mies.

So erinnere ich mich an ein Pfingstwochenende, an dem ich als freier Sportjournalist dieser Zeitung hätte ins Rafzerfeld fahren sollen, um über ein Faustball- Turnier zu berichten. Ich war wie gewöhnlich per Velo unterwegs. Von Kloten herkommend, drehte ich in Bülach aber um und fuhr heim. Das machte ich sonst nie. Aber es war so unmenschlich kalt, dass ich um meine Gesundheit fürchtete, müsste ich zwei Stunden an einem Spielfeldrand stehen. Den Auftrag erledigte ich dann per Telefon aus der warmen Stube.

Auch sonst kann ich mich nur an ein einziges Pfingstwochenende mit gutem Wetter erinnern: 2012. Meine Frau und ich kletterten damals aufs Finsteraarhorn. Jetzt, sieben Jahre später, nehmen wir mal wieder einen Anlauf. Da die Prognose fürs Wochenende (ausnahmsweise) gut ist, soll es auf den Tödi gehen. Nur etwa 50 andere haben die gleiche Idee.

Erstellt: 08.06.2019, 14:13 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles