Hitzesommer

«Man hätte auf dem Schiffsdeck Spiegeleier braten können»

Während die hohen Temperaturen den Badis Rekordeinnahmen bescherten, ist die Bilanz der Ausflugsziele durchzogen. Vielen Kunden war es zu heiss für eine Wanderung oder eine Schiffsfahrt.

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Der heisse Sommer liess zwar die Kassen der Badis klingeln. Bei den Unterländer Ausflugszielen sah es jedoch anders aus. «Wir haben etwa die Hälfte des Umsatzes vom Sommer 2014 erzielt», sagt Hermann Trümpy vom Restaurant Lägern-Hochwacht in Boppelsen. Der Regensommer von letztem Jahr hatte doppelt so viele Gäste in das Restaurant geführt. «Es war den Leuten wohl zu heiss zum Hinaufwandern», sagt Trümpy und ergänzt, dass das Hauptgeschäft ohnehin im Frühling und Herbst erzielt werde. Er hofft nun auf einen schönen Herbst sowie auf einen verschneiten Winter – dann nämlich kommen besonders viele Gäste wegen des Schlittelwegs.

Gabriela Hintermann von der Waldschenke Altberg in Dänikon schätzt, dass etwa gleich viele Gäste wie letztes Jahr vorbeischauten. «Die wahnsinnig hohen Temperaturen waren nicht angenehm für Wanderer. Etwa 25 Grad wären ideal für unser Geschäft, wenn man sich dies denn wünschen könnte.» Auch sie weist dar­auf hin, dass der Hauptumsatz im Frühling und Herbst erzielt werde. Beliebt sei zudem das Fondueessen im Winter.

Raus aus der Badi, rein in den kühlen Wald

Nicht zufrieden mit dem Geschäft ist Madeleine Frigerio von der Schifffahrtsgesellschaft Züri-Rhy. Es seien viele Leute um das Schiff herum unterwegs gewesen – schwimmend oder auf dem Boot. Auf dem Schiff war es den Leuten aber zu heiss. «Man hätte Spiegeleier auf dem Deck braten können», sagt Frigerio. Morgens habe es den einen oder anderen auf das Boot gezogen, nachmittags fielen die Kunden jedoch aus. Das Geschäft im verregneten letzten Sommer sei ebenso schlecht gewesen, bedauert Frigerio.

Hohe Temperaturen sind auch in einem Seilpark keine idealen Voraussetzungen für eine grosse Besucherzahl. Dies sagt die Betreiberin des Klotener Parks, Susanne Knoblauch-Meyer. «Ich bin dennoch zufrieden mit dem Geschäft. Wir waren überrascht, wie viele Leute trotz des Badiwetters den Weg zu uns fanden.» Wahrscheinlich hätten sie genug von der Badi gehabt und hätten andere Aktivitäten gesucht. Da biete sich der kühle Wald an. Die Besucherzahlen hat Knoblauch-Meyer noch nicht ausgewertet. Man sei nicht an die Auslastungsgrenze gestossen, die Bilanz falle aber besser aus als im Sommer 2014.

Die Zuschauerterrasse des Flughafens zählte in den Monaten Juni und Juli 66 000 Besucher. Die Zahl sank im Vergleich zur Vorjahresperiode um 15 Prozent, führt Mediensprecher Michael Stief aus. «Bei über 30 Grad im Schatten bevorzugen viele das kühle Nass», sagt Stief. Trotz des Rückgangs sei man aber mit den Besucherzahlen zufrieden, zumal die Temperaturen auf der Terrasse zeitweise über 40 Grad betragen hätten. Den diesjährigen Besucherrekord verzeichnete die Terrasse am 31. Mai, wo 3398 Leute ein Ticket kauften, um Flieger zu beobachten. Im Schnitt sind es täglich 1000 Flugzeugbegeisterte.

Frau will nicht immer den gleichen Bikini tragen

Oft führte der Weg hingegen in die Unterländer Shoppingcenter. Das Glatt verzeichnete 7000 Besucher mehr als an einem durchschnittlichen Sommertag, wie CEO Stefan Gross sagt. Gut gelaufen sei zum Beispiel die Gelateria. Noch öfter als üblich nachgefragt wurden auch Sushi und andere leichte Speisen. «Kalbsbraten mit Polenta war den Besuchern bei diesem Wetter zu schwer», stellt Gross fest. Besonders viel wurde auch Bademode verkauft: «Die Leute sind so oft in die Badi gegangen, dass sie nach Variationen suchten. Man wollte nicht immer den gleichen Bikini tragen.» Laut Gross hat die Hitzeperiode aber keinen nennenswerten Einfluss auf den Umsatz. Extremes Wetter habe immer sowohl Gewinner als auch Verlierer zur Folge.

Der Flughafen verzeichnete im Juli eine positive Umsatzentwicklung im Airside Center. Dies sei auf die im Vergleich zum Vorjahr um 5,7 Prozent gestiegene Zahl der Passagiere zurückzuführen. Auch das Airport Center, der frei zugängliche Bereich vor der Passkontrolle, habe von der Zunahme der Ferienreisenden sowie vom gestiegenen Angebot im Bereich Food und Convenience profitiert. Einfluss auf die Entwicklung hätten mitunter die klimatisierten Räumlichkeiten, sagt Michael Stief. Der Kommerzumsatz in den Läden und Restaurants nahm im Juli im Vergleich zur Vorjahresperiode im Airside Center um 0,4 Prozent und im Airport Center um 7,4 Prozent zu. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 20.08.2015, 09:02 Uhr

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