Eglisau

Mit Flyern und Glace für mehr Sicherheit werben

Der Rettungsdienst des Spitals Bülach führte zusammen mit der Feuerwehr Eglisau-Hüntwangen-Wasterkingen eine Kampagne gegen Ertrinkungsunfälle auf dem Rhein durch.

Mario Gabler und Nadia Forte klären über Risiken einer Flussfahrt auf.

Mario Gabler und Nadia Forte klären über Risiken einer Flussfahrt auf. Bild: Balz Murer

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«Es wäre sicherer, wenn Sie mit einer Schwimmweste unterwegs wären.» Diese Empfehlung spricht Mario Gabler, stellvertretender Leiter des Rettungsdiensts Spital Bülach, an diesem warmen Sonntagnachmittag bestimmt gegen zwei Dutzend Mal aus. Sie richtet sich an Menschen, die sich auf Schlauchbooten, Stand Up-Paddles oder Weidlingen zwischen Eglisau und Rüdlingen auf dem Rhein bewegen. Mario Gabler ist zusammen mit Nadia Forte, Rettungssanitäterin in Ausbildung, auf einem Boot der Feuerwehr Eglisau-Hüntwangen-Wasterkingen unterwegs.

Mit dabei haben die beiden ihr Rettungsequipment, Flyer der Kampagne gegen das Ertrinken von Kindern sowie eine Kühlbox, gefüllt mit Wasserglacé am Stiel. Begleitet werden sie von Seiten der Feuerwehr Eglisau-Hüntwangen-Wasterkingen von Fabian von Känel und Hans Schmid, der das Boot steuert. Die beiden erfahrenen Feuerwehrleute kennen den Rhein wie ihre Westentasche und zeigen den Rettungssanitätern, wo es Untiefen oder Strömungen hat.

Alle Risikogruppen ansprechen

Nach dem Start kurz nach 14 Uhr bei der Lochmühle ist das erste Ziel der Fuchsbach. Drei Schlauchboote mit jungen, übermütigen Leuten an Bord, kommen dem Team des Rettungsdiensts und der Feuerwehr entgegen. Ohne Schwimmwesten. Hans Schmid hält das Boot an und Mario Gabler führt sein erstes Beratungsgespräch. Er weist darauf hin, dass es Leben retten kann, wenn man eine Schwimmweste trägt. «Wir sprechen alle Risikogruppen an», erklärt er anschliessend.

Egal ob Rüffel oder Lob: Jeder und jede bekommt ein Raketen-Glacé angeboten.

Das heisst nicht nur Familien mit Kindern, sondern auch Bootsführer, die gerne einmal einen über den Durst trinken. Viele seien sich der Gefahren gar nicht bewusst, die ein Fliessgewässer berge.

Weitere Tragödien verhindern

Letztes Jahr verlor ein Jugendlicher im Rhein bei der Tössegg sein Leben. Und im Freibad der Sportanlage Erlen in Dielsdorf konnte ein Fünfjähriger in letzter Sekunde gerettet werden. «Wir haben uns entschieden, dass wir solche Tragödien nicht mehr erleben möchten», erklärt Mario Gabler, weshalb der Rettungsdienst Spital Bülach eine Kampagne gegen Badeunfälle volksnah umsetzt.

Als Schwerpunkte wurden der Rheinabschnitt zwischen Eglisau und Flaach sowie die Erlen in Dielsdorf bestimmt. Während in der Erlen Kurse für Eltern angeboten werden, betreibt man auf dem Rhein aufsuchende Präventionsarbeit. Das Tragen von Schwimmwesten ist zwar nicht vorgeschrieben, wird aber von den Sanitätern empfohlen. Mitgeführt werden müssen sie auf jeden Fall.

«Nicht mehr dazu gekommen»

Vor und nach der Tössegg wird das Team auf mehrere Stand Up-Paddler und Schlauchbootfahrer aufmerksam, die ohne Schwimmwesten an Bord unterwegs sind. Während sich ein Paddler zu rechtfertigen versucht – «ich bin nicht mehr dazugekommen, eine zu kaufen» – machen sich andere gar nicht erst die Mühe, das fehlende Rettungsmaterial zu erklären. Dritt wiederum haben die Schwimmwesten an oder zumindest mit an Bord. Egal ob Rüffel oder Lob: Jeder und jede bekommt ein Raketen-Glacé angeboten.

Als letzte Station wird die Badi in Eglisau angesteuert. Dort richten die Rettungssanitäter ihr Augenmerk auf Familien mit kleinen Kindern. Als alle Flyer und Glacestängel Abnehmer gefunden haben, macht das Team Feierabend. In der Hoffnung, dass die Ermahnungen etwas ausgelöst haben.

Erstellt: 15.07.2019, 13:43 Uhr

Präventionskampagne gegen Ertrinken

Der Rettungsdienst Spital Bülach und die Sportanlage Erlen führen an folgenden Daten jeweils von 11 bis 14 Uhr eine Kampagne gegen das Ertrinken von Kleinkindern in der Erlen durch: Samstag, 20. Juli (Verschiebedatum: Samstag, 27. Juli), Mittwoch, 7. August (Verschiebedatum: 10. August). Die Kampagne am Rheinufer, zwischen Rheinbadi Eglisau und Freibad Flaach, findet am Samstag, 24. August (Verschiebedatum: Sonntag, 25. August), und am Samstag, 1. September, jeweils zwischen 14 und 17 Uhr statt.

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