Nördlich Lägern

Nagra rüttelt sich durchs Unterland

In den nächsten Monaten wird die Arbeit der Nagra für die Bevölkerung sichtbar: In einem Dutzend Unterländer Gemeinden werden Vibrationsfahrzeuge unterwegs sein. Der ZU hat einen Tag vor Beginn der seismischen Messungen Einblick ins Basislager und in die Feldarbeiten erhalten.

In der Mitte des Vibrationsfahrzeuges befindet sich der «Shaker». Eine Platte wird auf den Boden gesenkt und sendet daraufhin Wellen aus, die von den Gesteinsschichten reflektiert werden.

In der Mitte des Vibrationsfahrzeuges befindet sich der «Shaker». Eine Platte wird auf den Boden gesenkt und sendet daraufhin Wellen aus, die von den Gesteinsschichten reflektiert werden. Bild: ilda Özalp

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Ein Industriegelände im aargauischen Bad Zurzach dient derzeit als Basislager für die 3-D-seismischen Messungen im Gebiet Nördlich Lägern, wo dereinst ein Atommülllager zu stehen kommen könnte. Über 150 Angestellte der deutschen Firma DMT sind hier fünf Monate lang stationiert, um im Auftrag der Nationalen ­Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) die Messungen durchzuführen. Diese sollen Erkenntnisse zu den Gesteinsschichten liefern.

Fahrzeuge senden Wellen aus

Kisten mit Kabeln stehen im Hof des Industriegeländes. An den schwarzen Kabeln sind Geofone befestigt – empfindliche Messgeräte, die in die Erde gesteckt werden. Auf der anderen Seite der hohen Fabrikgebäude sind noch viel mehr solcher Kisten zu sehen. «Die Kabel werden heute geprüft und wenn nötig ersetzt», sagt Stefan Policke. Policke arbeitet hier mit einem anderen Kollegen als unabhängige Kontrollstelle. «Wir sorgen dafür, dass der Auftragnehmer DMT den Vertrag mit der Nagra erfüllt», sagt der Ingenieur. Alle Geräte werden am heutigen «technical audit» unter die Lupe genommen, damit alles funktioniert bei den Messungen. Diese sind gestern gestartet.

Neben den Kisten stehen die Vibrationsfahrzeuge, die in den nächsten Monaten in der Region unterwegs sein werden. Die Vermesser haben fünf grosse Fahrzeuge, ein kleines und ein Ersatzfahrzeug dabei. Das kleine kommt auf schmalen Strassen oder auf Waldwegen zum Einsatz. Bei der Messung wird die Bodenplatte in der Mitte des Fahrzeugs gesenkt und in Schwingung versetzt, wie Marian Hertrich, Projektleiter 3-D-Seismik der Nagra, erklärt. Sie sendet daraufhin seismische Wellen in den Boden aus. Diese werden von den Gesteinsschichten unter der Erdoberfläche reflektiert und innert Sekunden an die Geofone gesendet, welche das Signal aufzeichnen. In Nördlich Lägern werden Schichten bis in einer Tiefe von 1000 Metern gemessen.

Es kommen jeweils zwei Fahrzeuge gleichzeitig zum Einsatz. «Sie müssen die Bewegungen synchron ausführen, was eine Herausforderung für die Bedienenden ist», sagt Hertrich. Damit es wendig ist, besitzt das Fahrzeug Knickgelenke. Die Daten, welche die Messung hervorbringt, werden auf Bildschirmen in zwei kleinen Lastwagen angezeigt.

Eine Messung nach Raster

Die Arbeit auf dem Feld findet heute in der Nähe eines Hofs in Weiach statt. Angestellte der DMT stecken Geofone am Rande eines Feldes in die Erde. Mehr als eine Viertelmillion Geofone gilt es im gesamten Messzeitraum auf dem zu untersuchenden Gebiet anzubringen. Dieses ist 92 Quadratkilometer gross und umfasst neben einem Dutzend Unterländer Gemeinden auch Kaiserstuhl und Fisibach im Aargau sowie Hohentengen ennet der Landesgrenze. Da Leitungen nicht über den Rhein gelegt werden konnten, wird auf beiden Seiten des Flusses gemessen.

Die Arbeiter bereiten heute auch die Stellen für die Sprengladungen vor. Sprengungen machen etwa ein Zehntel der Messungen aus und finden dort statt, wo die Vibrationsfahrzeuge einsinken und dadurch den Boden beschädigen könnten – zum Beispiel auf dem Acker in Weiach, auf den die Arbeiter mit kleinen Traktoren das benötigte Material transportieren.

Auf einer Karte wird das Vorgehen bei der Messung sichtbar: Die Anregungspunkte, also die Punkte, an denen die Vibrationsfahrzeuge das Signal aussenden, und die Empfangspunkte, also die Geofonstandorte, sind rasterartig angeordnet. «Die Anregungslinien sind als gerade Linien geplant», sagt Hertrich. Jedoch könne dieses auf dem Papier bestehende Raster aufgrund der Topografie oder wegen Hindernissen nicht immer eingehalten werden. So müsse man auf andere, in der Nähe liegende Punkte ausweichen, was sich aber nicht auf die Datenqualität auswirke.

Wer sich über den Messfortschritt informieren will, kann dies bald unter www.nagra-blog.ch tun.

Erstellt: 21.10.2016, 08:38 Uhr

Geofone zeichnen die Wellen auf, die vom Gestein reflektiert werden. (Bild: Ilda Özalp)

An Stellen, wo die Vibrationsfahrzeuge das Land beschädigen könnten, kommt eine Sprengung zum Einsatz. Diese wird hier vorbereitet. (Bild: Ilda Özalp)

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