Arbeitsmarkt

Neue Ideen stoppen die Lehrlingsmisere

Um die Attraktivität ihrer Berufsausbildungen zu steigern, setzen Handwerkerbetriebe vermehrt auf Lehrlingsmarketing, dem aktiven Anwerben von Auszubildenden.

Haris Fazlji (16), Sanitärinstallateurlehrling im 2. Jahr (links) im Gespräch mit seinem Chef Jean Claude Bregy.

Haris Fazlji (16), Sanitärinstallateurlehrling im 2. Jahr (links) im Gespräch mit seinem Chef Jean Claude Bregy. Bild: rce

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«Handwerk hat einen goldenen Boden», besagt ein Sprichwort und meint damit: wer ein Handwerk erlernt, hat eine berufliche Zukunft und wird gutes Geld verdienen. Aktuell kriegen die Handwerkbranchen aber zu spüren, dass Geld allein anscheinend nicht glücklich macht. «Der Schweizer Arbeitsmarkt ist ausgetrocknet, es mangelt immer mehr an Fachkräften, weil zu wenig ausgebildet werden», sagt Jean Claude Bregy, Inhaber und Geschäftsleiter der Sada AG im Glattpark, stellvertretend. Viele Lehrstellen könnten nicht besetzt werden. «Aktuell wählen Schulabgänger lieber den Weg an die Kantonsschule oder bevorzugen eine kaufmännische Ausbildung, Bau- und Handwerkerberufe sind weniger im Trend als früher.»Die Sada AG ist in den Berufszweigen Heizungs- und Sanitärinstallateur, Polybauer (Fachleute für die Erstellung von Gebäudehüllen und Dächern) sowie Spengler tätig. Die Opfiker Firma kämpfte ebenfalls mit der Schwierigkeit, Lernende und junge Fachkräfte zu rekrutieren. Die Sada AG haderte nicht, sondern handelte. Das Unternehmen im Glattpark investierte in sogenanntes Lehrlingsmarketing: Firmen warten nicht mehr nur auf die Bewerbungen von Schulabgängern, sondern gehen direkt auf sie zu und versuchen, Jugendliche aktiv auf den Lehrbetrieb und die Attraktivität ihrer Berufe aufmerksam zu machen.

Lernende als Werbeträger

Zu diesem Zweck beauftragte die Sada AG zuerst eine Marketingagentur damit, eine Betriebsanalyse zu erstellen. Diese ergab, dass die Firma im Markt zwar gut positioniert ist und eine hohe Unternehmenskultur unter den Mitarbeitenden geniesst. Bei befragten Jugendlichen war die Sada AG aber kaum bekannt, die angebotenen Berufe standen eher hinten auf der Wunschliste, die bisherigen Marketingaktivitäten beeindruckten die anvisierte Zielgruppe nicht. Nach dieser Analyse erschuf die Sada AG 2012 das firmeneigene Ausbildungsportal «Next» mit modernem Internetauftritt und einem jugendlichen Logo, das sich bewusst von demjenigen des Unternehmens absetzt. Die Sprache ist einfach gehalten, ohne grosse Werbeparolen. «Es ist wichtig, dass wir die jugendliche Zielgruppe direkt ansprechen und so die Freude am Handwerk neu wecken», sagt Bregy. Dazu gehört, dass auf den Bildern Sada-Lehrlinge abgebildet sind. Diese kommen auf der Webseite zu Wort, in der Informationsbroschüre und auf Lehrlingsportalen. «Next» sieht vor, Schülerinnen und Schülern der zweiten Oberstufe eintägige Schnupperprogramme zu vermitteln, Schulabgängern einwöchige Schnupperlehren. Um die Ausbildungsplattform bekannt zu machen, setzt die Sada AG neben dem Internet auf ein Dreisäulenprinzip. Einerseits wird Direktmarketing an den Schulen und mit einem neuen Informationsstand an der Zürcher Berufsmesse betrieben. In einem zweiten Schritt lädt die Sada AG in diesem Jahr erstmals zu einem firmeninternen Schnupper-Anlass. Dieser findet am Freitag, 23. September, in der Spenglerei-Niederlassung in Regensdorf statt. Neben den üblichen Informationen geben Sada-Lehrlinge interessierten Jugendlichen und deren Eltern einen direkten Einblick in ihre Ausbildung und stellen mit ihnen auch gleich ein Produkt her. «Stargast» wird der frühere Sada-Lehrling Argetim Nasufi sein, der 2011 an den nationalen Berufsmeisterschaften den Schweizer Sanitär-Meistertitel gewann. «An den Berufsmessen war das Interesse an ‹Next› schon sehr gross. Wir waren aber der Meinung, dass wir die jungen Leute gerne direkt zu uns einladen möchten, um ihnen unsere Ausbildungsplattform vorzustellen und einen Eindruck unserer Firma vermitteln zu können», erläutert Bregy.

Nachwuchspool Fussball

Die Sada AG versucht in einem dritten Bereich, aktiv Lehrlinge zu rekrutieren: bei den regionalen Fussballvereinen. Die Firma unterstützt seit 2012 die C-Junioren von zwölf Zürcher Klubs als Haupt- und Trikotsponsor. Diese erhalten über drei Jahre einen Geldbetrag. Im Unterland profitiert aktuell der Nachwuchs der FCs von Glattbrugg, Dielsdorf, Bassersdorf und Wallisellen von der Förderung. Jeweils im Sommer, zuletzt geschehen am 2. Juli in Zürich-Altstetten, findet dann der «Next Cup» statt. Die gesponserten Teams und ein paar weitere machen in der Juniorenklasse einen Sieger aus. Dazu haben die Jugendlichen an diesem Tag neben dem grünen Rasen am Next-Stand die Möglichkeit, sich über das Ausbildungsprogramm und die diversen handwerklichen Berufe zu informieren. «Für uns ist dies ideal, wir haben mögliche Kandidaten für Lehrstellen in einer gelösten Atmosphäre vor Ort, vielfach sind auch gleich die Eltern mit dabei», erklärt Bregy. Der Sada-Geschäftsführer zieht ein positives erstes Fazit über die Ausbildungsplattform «Next»: «Der Zulauf zum Informationsstand an der Berufsmesse war bereits gross, die ausgeschriebenen Lehrstellen können wir aktuell wieder alle besetzen.» Für Jean Claude Bregy scheint klar, dass sich die Investition in Lehrlingsmarketing langfristig für Schweizer KMUs auszahlen wird. «Meiner Meinung nach bieten noch nicht alle Berufsverbände zu diesem Thema genug Unterstützung an, ich hoffe, dass in naher Zukunft ein Umdenken stattfinden wird».

Schnupper-AnlassSada AG. Freitag, 23. September, ab 14 bis 19 Uhr, Althardstrasse 30, Regensdorf-Watt (vis à vis vom Bahnhof). Mehr Infos: www.sada.ch/schnupper-anlass und www.sada.ch/next.

Erstellt: 26.08.2016, 18:05 Uhr

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