Kloten

Nur die Hälfte wird recycelt

Seit Anfang ­Jahr ­können die Klotener Plastik ­getrennt sammeln. Die Hälfte ­des Sammelgutes wird jedoch ­verbrannt. Für die Umwelt ­lohne sich das trotzdem, ­ sagen die Verantwortlichen.

An der Klotener Zentralsammelstelle am Römerweg werden seit kurzem auch Plastikabfälle in gebührenpflichtigen Sammelsäcken angenommen. ­ «Läuft das Projekt gut an, könnte auch die Haushaltsammlung ein Thema werden», sagt Reto Schindler (im Bild) von der Stadt Kloten.

An der Klotener Zentralsammelstelle am Römerweg werden seit kurzem auch Plastikabfälle in gebührenpflichtigen Sammelsäcken angenommen. ­ «Läuft das Projekt gut an, könnte auch die Haushaltsammlung ein Thema werden», sagt Reto Schindler (im Bild) von der Stadt Kloten. Bild: Balz ­Murer

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Tragetaschen, Milch- und Shampooflaschen, Joghurtbecher oder Plastikschalen für Fleisch oder Gemüse und viele andere Kunststoffverpackungen nehmen ­heute viel Platz im Abfallsack ein. ­Nach Dietlikon, Bassers­dorf und Nürens­dorf können seit Anfang Jahr auch die Klotener ihre Plastikabfälle in einem separaten, kostenpflichtigen Sammel­sack tren­nen und bei der zen­tra­len Sam­mel­stelle am Römerweg ­abgeben.

Anders als bei anderen Materialien kann beim bunten Plastiksammelsurium nur die Hälfte des Materials tatsächlich recycelt werden. Dieser Teil wird bei der Firma Innorecycling im thurgauischen Eschlikon zu Granulat verarbeitet und an Firmen weiterverkauft, etwa der Streng Plastic in Nieder­hasli. «Das Granulat kann zu Kabelschutzrohren, Blumentöpfen oder Tragetaschen weiterverarbeitet werden», erklärt Markus Tonner von der Inno­recycling.

Die bessere Verbrennung

Die anderen 50 Prozent des Plastikabfalls werden jedoch nach wie vor verbrannt, allerdings in Zement­werken statt in Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA). Dies sei ökologisch sinnvoller, sagt Tonner. Denn der Kunststoff ersetze in einer Zementfabrik praktisch eins zu eins die Kohle als Brenn­stoff. Zwar würden auch viele KVA Strom und Fern­wärme produzieren, doch bei den meisten sei die energetische Wirkungseffizienz nur gering, erläutert Tonner. «Unsere Vision ist, dass wir dereinst bei 8 Millionen Einwohnern und 250 000 Tonnen Plastikabfall einmal 700 000 Tonnen CO2 einsparen können gegenüber der heutigen Verbrennung der Plastikabfälle in den Kehrichtverbrennungsanlagen», sagt Tonner. Schliesslich erzeuge jedes Kilogramm Plastik bei der Verbrennung durchschnittlich 3,5 Kilogramm CO2.

Mittlerweile wird in immer mehr Gemeinden Plastik gesammelt. Allerdings haben meh­rere Städte wie Thun, Bern und Zug ihre Pilotprojekte wieder abgebrochen. Die Stoffe in der Plastiksammlung seien zu stark verschmutzt gewesen, sodass vieles dennoch in der KVA lan­dete. Tonner ist das Pro­blem bekannt. «Wie stark eine Sammlung verschmutzt ist, hängt von der Art ab, wie man sammelt», erklärt er. In Bern etwa seien die Sammelstellen unüberwacht gewesen, weshalb viele Fremdkörper in die Plastiksammlung gelangt seien. Dies will man in Klo­ten vermeiden. Aus diesem Grund wird an der zentralen Sammelstelle ein Mitarbeiter die Säcke entgegennehmen und in die Mulde werfen.

Kleines Sparpotenzial

Dass das Sammeln von Plastik ökologisch sinnvoll ist, davon ist auch ­Reto Schind­ler von der Stadt Klo­ten überzeugt. Gefragt nach dem Motivationsgrund erklärt er: «Uns war es wichtig, dass wir als Energiestadt auch Plastik sammeln.» Zudem hätten immer wieder Einwohner danach gefragt. Für die Stadt entstünden durch die Plastiksammlung keine Kosten, weshalb auch die Abfallgrundgebühr nicht belastet werde, so Schindler. Für den Verbraucher, der fleissig Plastik trennt, liegt sogar ein kleines Sparpotenzial drin: Während der Preis für einen 60-Liter-Kehrichtsack bei 2.48 Franken liegt, kostet der 60-Liter-Plastiksack 2 Franken. Die Sammelsäcke sind an der Sammelstelle, im Stadthaus und bei der Post erhältlich.

Noch steht an der Sammel­stelle eine kleine Mulde für die Plastikabfälle bereit. Auf eine grös­sere Mulde könne man jedoch jederzeit wechseln, sagt Schindler. Sollte sich zeigen, dass die Klotener fleissige Plastiksammler sind, könnte auch die Haushaltsammlung ein Thema werden. Dann würden die Plastiksammelsäcke gleich wie die Müllsäcke von der Müllabfuhr abgeholt. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 22.02.2016, 20:30 Uhr

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