Bestattungen

Nur geringe Nachfrage nach muslimischen Grabfeldern

Grabfelder, die sich für muslimische Bestattungen eignen, sind im Unterland selten. Oft sind sie nur durch Zufall nach Mekka ausgerichtet. Vier Gemeinden haben deshalb Verträge mit der Stadt Zürich abgeschlossen.

Seit 2004 stehen in Zürich-Witikon muslimische Grabfelder zur Verfügung. (Archiv)

Seit 2004 stehen in Zürich-Witikon muslimische Grabfelder zur Verfügung. (Archiv) Bild: Doris Fanconi

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«Bisher gab es in Dielsdorf keine Nachfrage nach muslimischen Grabfeldern», erklärt Nando Nussbaumer von der Gemeindekanzlei. Dennoch hat sich die Gemeinde dazu entschieden, mit der Stadt Zürich eine Vereinbarung zu treffen, so dass verstorbene Musliminnen und Muslime aus Dielsdorf in Zürich bestattet werden können.

Denn seit September 2018 gilt das neue Stadtzürcher Reglement für Bestattungen und Friedhöfe. Deshalb können auch verstorbene Musliminnen und Muslime, die nicht in Zürich wohnhaft waren, in Witikon bestattet werden. Im Mai werden dafür zwei islamkonforme Grabfelder eröffnet.

Insgesamt haben bisher sechs Gemeinden eine solche Vereinbarung mit Zürich abgeschlossen. Im Unterland sind dies neben Dielsdorf auch Opfikon, Kloten und Dällikon. Alle Gemeinden geben wie Dielsdorf an, dass sie bisher keine oder nur vereinzelte Nachfragen nach muslimischen Grabfeldern hatten.

Per Zufall Richtung Mekka

Barbara Heiz, Bereichsleiterin Bestattungen der Stadt Opfikon, schätzt, dass sie in den letzten zehn Jahren nur zwei Mal mit einer Nachfrage nach muslimischen Bestattungen konfrontiert war. «Nur in einem Fall konnten wir ein Grab in Opfikon anbieten, das per Zufall nach Mekka ausgerichtet war», erinnert sich Heiz.

Ein ähnliches Szenario ist in Kloten vorzufinden. «Die Gräber für Kleinkinder sind zufälligerweise so ausgerichtet, dass sie sich für muslimische Bestattungen eignen», sagt Angelika Zika, Leiterin des Klotener Zivilstands- und Bestattungsamtes. In Kloten wohnhafte Eltern, die ein Kind verloren haben und eine Bestattung nach muslimischer Tradition wünschen, könnte so auf dem kommunalen Friedhof ein Grab geboten werden.

«Nur in einem Fall konnten wir ein Grab in Opfikon anbieten, das per Zufall nach Mekka ausgerichtet war.»Barbara Heiz, Bereichsleiterin Bestattungen der Stadt Opfikon

In der Gemeinde Regensdorf, die allerdings keine Vereinbarung mit Zürich abgeschlossen hat, gibt es ebenfalls Gräber, die per Zufall für muslimische Bestattungen geeignet sind. Acht Famliengräber weisen die erforderliche Ausrichtung auf. Sieben davon sind allerdings bereits vergeben.

An eine explizite Nachfrage für das letzte freie Grab kann sich Elena Canzian, Leiterin des Regensdorfer Bestattungsamtes, nicht erinnern. Muslimische Beisetzungen seien in Regensdorf nicht häufig. «Die letzte fand 2016 statt», sagt Canzian.

Meist im Ausland beigesetzt

Generell sei es heute so, dass die meisten Musliminnen und Muslime zur Bestattung in ihr Heimatland zurückgeführt werden wollen. Meist würden die Angehörigen sehr rasch handeln und alle Vorkehrungen in die Wege leiten.

Dies konnten alle angefragten Gemeinden bestätigen. Allseits war jedoch auch zu vernehmen, dass sich dies mit der zweiten oder spätestens dritten Generation ändern dürfte, da der Bezug zur Schweiz zumeist mit jeder Generation stärker werde.

Dennoch möchten Opfikon, Kloten, Dielsdorf und Dällikon ihren Einwohnerinnen und Einwohnern diese zusätzliche Dienstleistung schon heute anbieten. Ein Grund dafür ist auch, dass den Gemeinden keine Zusatzkosten entstehen. Musliminnen und Muslime, die diese Dienstleistung in Anspruch nehmen möchten, kommen selber für allfällige Mehrkosten auf.

Nando Nussbaumer fasst es exemplarisch für alle Gemeinden zusammen: «Der Gemeinderat beurteilt das Angebot deshalb als Win-win-Situation für beide Seiten und hat daraufhin beschlossen, den Anschlussvertrag mit der Stadt Zürich zu unterzeichnen.»

Ruhefrist von 20 Jahren

2004 wurden in Witikon die ersten beiden muslimischen Grabfelder eröffnet. Die beiden neuen Felder, die im Unterschied zu den ersten auch Muslimen von ausserhalb zur Verfügung, liegen innerhalb des Friedhofes.

Die Gestaltung der Felder ist von der Hanglage und der Ausrichtung nach Mekka beeinflusst, welche für eine muslimische Beisetzung unabdingbar ist.

Die Ruhefrist beträgt – wie bei allen Gräbern auf anderen städtischen Friedhöfen – 20 Jahre und kann nicht verlängert werden. Bei der Aufhebung verbleiben die Gebeine unberührt in der Erde.

Erstellt: 07.04.2019, 15:57 Uhr

Schwerer Stand für die letzte Ruhe

Muslimische Grabfelder im Kanton Zürich sind eine Seltenheit. 2004 wurde in Zürich-Witi­kon das erste derartige Grabfeld eröffnet. 2011 zog Winterthur mit fünf muslimischen Grabfeldern beim Friedhof Rosenberg nach. Das Winterthurer Parlament hatte ein Jahr zuvor den Antrag, 1,5 Millionen Franken für fünf muslimische Grabfelder auszugeben, ohne Gegenstimme bewilligt.

Andere Städte im Kanton dagegen lehnten entsprechende Vorstösse ab. So wollte die Stadt Schlieren 2013 muslimische Grabfelder einführen. Der Gemeinderat folgte dem Antrag mit 22 Nein- zu 10 Ja-Stimmen allerdings nicht. 2016 ein erneuter Versuch: Die SP der Limmattaler Stadt beantragte, doch noch muslimische Grabfelder anzubieten. Sie scheiterte jedoch ebenfalls im Parlament.

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