Zum Hauptinhalt springen

Ökologisch bis in den Weinkeller

Weder die Insolvenz des Baumeisters noch eine schwierige Planungsphase in der Kernzone konnten das Projekt stoppen. Mit der Eröffnung seines eigenen Weinguts geht für den Winzer Mathias Bechtel ein Traum in Erfüllung.

Mathias Bechtel erfüllt sich mit der Weinproduktion in Eglisau einen Traum. Foto: Paco Carrascosa
Mathias Bechtel erfüllt sich mit der Weinproduktion in Eglisau einen Traum. Foto: Paco Carrascosa

60 Gäste, alles Freunde, Bekannte, am Bau Beteiligte, Vereinsvertreter, sowie Partner aus der Gastronomie stehen in der Produktionshalle des neuen Weinguts. Und dann tritt Mathias Bechtel, in der Hand ein Glas Sauvignon blanc, ans Rednerpult. «Endlich ist es so weit», sagt der 34-Jährige. «Bravo!», ruft jemand.

Und dann erfährt man, dass mit diesem Bauwerk in nur dreizehn Monaten Bauzeit der Grundstein für die lokale Verarbeitung der regionalen Trauben gelegt ist. Was in Eglisau und der Region wächst, kann nun hier zu einem guten Tröpfchen reifen. Zudem werden im Rahmen der «Melioration Vorderer Stadtberg» die Rebparzellen neu konzipiert und erschlossen.

Und da kommt dieses Weingut genau zur richtigen Zeit. So kann sich der Jungwinzer Mathias Bechtel, der bereits über zehn Jahre Berufserfahrung verfügt und recht erfolgreich mit der eigenen Kollektion unterwegs ist, nach Herzenslust ausleben. Dazu kommt, dass es vor allem für kleinere Betriebe schwierig ist, eine Nachfolge zu finden. «Um die langfristige Bewirtschaftung solcher Parzellen zu sichern, braucht es professionelle Betriebe wie diesen», sagt Mathias Bechtel.

Existenz gesichert

«Die Rebberge von Eglisau prägen das Landschaftsbild des Zürcher Unterlandes. Deshalb ist es extrem wichtig, dass die Menschen, die diese Reben erhalten, auch eine Existenzgrundlage haben», sagt Gemeindepräsident Peter Bär in seiner Ansprache. Dann spannt er den Bogen zur Klimadebatte und betont in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit der lokalen Produktion. Er berichtet, dass der Weinkonsum in der Schweiz zurückgehe, während der Import eher eine Zunahme verzeichne. Dem müsse man entgegenwirken.

Die Bauphase beschreibt Bär als nicht ganz einfach. Immerhin musste das Gut in die Kernzone integriert werden. Und dann erzählt er, dass kurz nach der Fertigstellung der Bodenplatte die Schaffhauser Firma Leu Rüsi Bau AG als Baumeister Insolvenz anmelden musste. Doch bereits nach zwei Wochen wurde die Baustelle neu eingerichtet und neu betrieben. Und Peter Bär führt weiter aus: «Die Kernzone, sensibles Landschaftsbild. Zahlreiche Abklärungen und Diskussionen waren nötig. Aber wenn ich heute das Weingut anschaue, muss ich sagen, es ist sehr gut gelungen.»

Maximal ökologisch

Der Weinstylist Mathias Bechtel kelterte bis 2015 in den Lokalitäten von Esther und Edi Hangartner. Anfang 2017 pachtete er deren Betrieb mit den Reben. Während des Abends erklärt Bechtel immer wieder seine Philosophie. «Schonend im Einklang mit der Natur wird nicht nur der Rebberg bewirtschaftet, die Ökologie lebt in diesem Keller weiter», ist sein Credo. Schon bei der Annahme unter dem rund vier Meter ausladenden Holzdach plumpsen die Früchte in die Traubenpresse gleich darunter.

«Mithilfe der Gravitation. Da wird nichts grob geschoben oder gepumpt», nennt es Bechtel. Und so bleiben Kerne und Häutchen unversehrt, denn Schäden würden unerwünschte Bitter- und Gerbstoffe generieren. Anschliessend im Kühlraum lagernd, wird die Hefe bei konstanten acht Grad Temperatur vor allzu eifriger Tätigkeit gestoppt.

«Ein rein physikalischer Prozess. Keine chemische Stabilisation oder Sulfide oder was auch immer», erklärt Bechtel. Mittels Beheizen mit Geothermik oder mit Einzeltankkühlung durch Eiswasser findet die Vergärung statt. Den benötigten Strom liefert eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach.

Wein mit Familienanschluss

«Es sind alles kleine Details, die einzeln im Glas keine grosse Rolle spielen. Doch die Summe aller Details ergibt am Schluss ein spezielles Resultat», sagt Mathias Bechtel. Und weil die Wohnung der Familie direkt über der Produktionsstätte liegt, kann der Winzer zu jeder Tages- und Nachtzeit schauen, wie es seinem Wein geht.

Dieser schlummert dann später in wertvollen Holzfässern seiner Vollendung entgegen. Dieser Barrique-Raum bildet das Herz und das Allerheiligste des Gebäudes. Man kann ihn durch den gläsernen Boden im Verkaufsraum bestaunen. «Im Prinzip haben wir das Gebäude um ihn herum geplant und gebaut», erklärt Bechtel mit einem Schmunzeln.

Tag des offenen Weinguts – Grand Opening. Am Samstag, 14. Dezember, von 11 bis 18 Uhr, lädt Mathias Bechtel die Bevölkerung zu Rundgang und Degustation ein. Bechtel-Weine, Rebbergstrasse 18, Eglisau. www.bechtel-weine.ch. Mathias Bechtel sucht einen Winzer. info@bechtel-weine.ch. Telefon 043 810 70 25.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch