Wallisellen

Pausenmilch erhält Schulverbot

Am 7. November erhalten 310000 Schweizer Kindergarten- und Schulkinder gratis eine Portion Milch. Die Walliseller müssen verzichten. Die Schulleiterkonferenz hat der Aktion erstmals ein Abfuhr erteilt.

Am 7. November ist Tag der Pausenmilch. Im Kanton Zürich werden dann rund 36000 Portionen Milch ausgeschenkt.

Am 7. November ist Tag der Pausenmilch. Im Kanton Zürich werden dann rund 36000 Portionen Milch ausgeschenkt. Bild: Robert Grogg

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Die Pausenmilch-Landfrauen von Wallisellen sind enttäuscht. Seit zwei Jahrzehnten haben sie an einem Tag im Jahr an allen Schulen der Gemeinde einen Milchausschank organisiert. 300 Liter haben sie jeweils verteilt. Ihr Einsatz fand im Rahmen der nationalen Aktion «Pausenmilch» statt, an dem landesweit 310000 Portionen Milch ausgeschenkt werden. Auch dieses Jahr wäre die Aktion geplant gewesen. Doch die Schulleiterkonferenz der Gemeinde hat sie gestrichen. Man beurteile das Sponsoring durch einen Verband als kritisch, wurden die Landfrauen informiert. Ausserdem halte man Milch als Pausenverpflegung für fragwürdig.

«Wir haben niemanden überredet, Milch zu trinken. Viele Kinder fanden die Milch extrem gut und haben den Becher mehrmals nachfüllen lassen», schreiben die Landfrauen in einem Leserbrief in der Lokalzeitung.

Kein Pulver, keine Ovi

Auch Theres Weber-Gachnang, Präsidentin der Zürcher Landfrauenvereinigung, zeigt sich sehr enttäuscht über die Haltung der Schule Wallisellen. Sie fragt sich, ob man damit den negativen Reaktionen der Eltern vorbeugen möchte. Viele würden sich beklagen, dass die Landwirtschaft zuviel koste. «Wenn man aber den Kindern etwas zurückgeben möchte, ist das auch nicht recht.» sagt sie. Immer wieder entstünden anlässlich der Aktion gute Gespräche über die Tierhaltung und das Produkt Milch. «Diese wären gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig.» Als gelernte Krankenschwester sei sie überzeugt von der positiven Wirkung der Milchprodukte, verstehe aber voll und ganz, wenn jemand sie nicht mag oder wegen eine Allergie keine trinken kann. In Wallisellen sei seit 20 Jahren pure Milch ausgeschenkt worden. «Da es uns rein um die Milch und deren Vorzüge geht, wurde auf Zusätze wie Shakepulver oder Ovomaltine verzichtet.»

Swissveg hinterfragt

Dass die Aktion nicht unbestritten ist, zeigt ein Blick auf die Website von Swissveg, der grössten Interessenvertretung vegetarisch und vegan lebender Menschen in der Schweiz. Dort können Interessierte ein Musterschreiben runterladen und an Schulleitungen verschicken. Darin wird ein Verzicht auf den Tag der Pausenmilch gefordert. Milchprodukte zusätzlich zu bewerben, führe zu einer noch einseitigeren Ernährung und stehe der Kampagne des Bundes zu einem höheren Früchte- und Gemüsekonsum direkt entgegen, so die Argumentation.

Im Kanton Zürich findet die Pausenmilch-Aktion an 248 Standorten statt für über 36000 Kinder und Jugendliche. Den Schulen enstehen dabei keine Kosten.

«Es sind Einzelfälle»

Es komme selten vor, dass sich eine Schule oder eine Schulgemeinde von der Aktion distanziere, sagt Daniela Carrera, Teamleiterin Schulen und Pausenmilch beim Verband der Schweizer Milchproduzenten SMP. «Verglichen mit den zahlreichen Standorten, an denen die Aktion stattfindet, sind das Einzelfälle.» Was das von Walliseller Schulleitungen kritisierte Sponsoring anbelange, existiere eine Charta des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer der Schweiz. «Wir halten uns daran und setzen das Swissmilk-Logo zurückhaltend ein. Swissmilk vertritt keine Marke, sondern die einheimischen Milch und Milchprodukte und hält sich an die offiziellen Ernährungsempfehlungen», betont Carrera. Den Kindern werde auf Wunsch die Broschüre «Gesunde, zuckerfreie Znüni» abgegeben.

Wie Marion Völger, Amtschefin des Volksschulamts des Kantons Zürich auf Anfrage erklärt, macht man den Schulen bezüglich Pausenmilch-Aktion keine Vorgaben. «Der Entscheid über die Durchführung liegt in der Kompetenz der Schulleitungen respektive der Schulpflegen.»

Erstellt: 29.10.2019, 16:48 Uhr

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