Bezirksgericht Bülach

Pflege-Patientin mit Fön verbrannt

Weil er eine demente Bewohnerin eines Alterszentrums mit einem Haarfön verbrannt haben soll, ist ein Pfleger vom Bezirksgericht Bülach zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden.

Ein spezieller Fall wurde am Dienstag vor dem Bülacher Bezirksgericht verhandelt.

Ein spezieller Fall wurde am Dienstag vor dem Bülacher Bezirksgericht verhandelt. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit einem kniffligen Fall musste sich am Dienstag das Bülacher Bezirksgericht befassen. Die Verhandlung endete mit einem Schuldspruch für den Angeklagten. Das Urteil umfasst eine Geldstrafe von 150 Tagesätzen zu 30 Franken bedingt und mehrere tausend Franken Untersuchungskosten wegen einfacher Körperverletzung

Rückblende: Bei der Bewohnerin eines Unterländer Pflegezentrums wurde genau vor fünf Jahren eine kreisrunde Wunde an der Innenseite am Oberschenkel festgestellt. Da die mittlerweile verstorbene Frau dement war, konnte die Ursache der Verletzung zunächst nicht eruiert werden. Die Bewohnerin konnte sich nicht mehr mitteilen.

Beim Ehemann der Frau kam schliesslich der Verdacht auf, dass die Wunde von einem Haarfön herrühren und die Verletzung seiner Frau vom Pflegepersonal zugefügt worden sein könnte. In der Tat befand sich im Zimmer der Bewohnerin ein Haartrockner, dessen Durchmesser genau auf die Wunde der Geschädigten passte.

Der Ehemann ging mit seinem Verdacht zur Polizei, die umgehend Ermittlungen aufnahm. Sie führten zu einem damals 21-jährigen Pflegelehrling, der die Betagte am besagten Morgen geduscht hatte. Am Nachmittag wurde die Verletzung bei einem Toilettengang festgestellt.

Über zwei Monate U-Haft

Der Lehrling verbrachte danach 77 Tage in Untersuchungshaft, stritt aber stets ab, auch nur einen Fön angefasst zu haben. Der Anwalt des Lehrlings verwies denn am gestrigen Prozesss auch darauf, dass es nicht auszuschliessen sei, dass sich die Bewohnerin mit einer Flüssigkeit, etwa heissem Tee oder Kaffee, verbrüht habe. Auch eine Kratzwunde oder allergische Reaktion führte er als mögliche Ursache ins Feld.

Das Gericht kam allerdings zum Schluss, dass die Wunde «ohne Zweifel» vom Angeklagten mit einem Fön beigefügt wurde und dabei «eine beträchtliche kriminelle Energie» im Spiel war.

Der Richter stützte sich dabei auf ein rechtsmedizinisches Gutachten ab, dass zum Schluss kam, dass ein Fön als mögliche Ursache in Frage kommt. Zudem ist es laut dem Bericht der Rechtsmedizin unmöglich, dass sich die Bewohnerin aufgrund ihrer eingeschränkten Beweglichkeit die Verletzung selber zugefügt hatte. «Aus dem täglichen Leben ist ausserdem klar, dass sich beim Verbrühen im Sitzen eine längliche und nicht eine runde Wunde ergibt», hielt der Richter fest. Auch eine allergische Reaktion oder ein Pflaster seien als Ursache auszuschliessen.

Unnötig langes Verfahren

Dem Angeklagten zu Gute hielt das Gericht die überlange Verfahrensdauer von fast fünf Jahren. So sei der Fall bei der Staatsanwaltschaft fast zwei Jahre liegengeblieben. Der Angeklagte musste seit dem Vorfall seine Lehre unterbrechen und sich mit Aushilfsjobs über Wasser halten. In der Pflege hätte ihn niemand mehr beschäftigen wollen. Nach einem Freispruch hätte er seine Lehre gerne abgeschlossen, denn ihm gefalle die Arbeit mit Menschen. Der Verteidiger gab am Dienstag bereits an, ein Weiterzug des Urteils ans Obergericht zu prüfen.

Erstellt: 20.03.2018, 21:55 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.