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Planungsvision: Raum Bülach für alle!

Der kommunale und der regionale Richtplan gehören sofort abgeschafft. Stattdessen gibts nur noch «gemeinsame kommunale» Richtpläne.

Selbst bei kleinsten Fahrplanänderungen kann nicht über die Köpfe der Kommunen hinweg beschlossen werden - oft zum Leidwesen kleiner Gemeinden.
Selbst bei kleinsten Fahrplanänderungen kann nicht über die Köpfe der Kommunen hinweg beschlossen werden - oft zum Leidwesen kleiner Gemeinden.
Keystone

Die Zürcher verwalten sich gerne. Sie teilen ihren flächenmässig kleinen Kanton nicht nur in (derzeit 168) Gemeinden ein, sondern auch in 12 Bezirke – und dann ist da noch eine weitere, im Volk etwas weniger bekannte Aufteilung: diejenige in 11 Regionen. Und wer nun glaubt, die Grenzen der Zürcher Regionen würden entlang der Zürcher Bezirksgrenzen verlaufen, der sieht sich bald korrigiert – zumindest weitgehend scheren sich Regionen nicht um Bezirke.

Nun ist die Regionen-Aufteilung zwar vorderhand nicht politisch, erhält aber durch einen ganz bestimmten Zusammenhang durchaus politische Relevanz: nämlich durch die Regionalen Planungsgruppen; eine pro Region. Deren Aufgabe ist es in erster Linie, die regionalen Richtpläne aufzustellen. Und darüber hinaus kennt jede Planungsgruppe ihre Regionale Verkehrskonferenz (RVK); die einzelne Gemeinde schickt ihre Delegierten hin, um ihre Anliegen zu vertreten.

So weit, so föderalistisch, könnte man meinen. Denn: Keine noch so kleine Fahrplanänderung einer noch so nebensächlichen Buslinie kann einfach über die Köpfe der Kommunen hinweg beschlossen werden. Oder? Die Sache hat einen Haken: Und der liegt in der Aufteilung der Regionen. Die Region Unterland umfasst 30 Gemeinden. Als Wasterkingens Gemeindepräsident Peter Zuberbühler an der RVK dagegen protestierte, dass seinem Wunsch nach einem Busfahrplan bis Betriebsschluss nicht entsprochen worden ist, nahm man das wohl zur Kenntnis – doch bei 28 grösseren Dörfern und einer Stadt innerhalb der gleichen Planungsgruppe hatte das kleine Dorf im Rafzerfeld schlicht kein Gewicht.

Die Ausgangslage im Furttal sieht da schon ganz anders aus: Dieses stellt nämlich für sich allein eine eigene Region dar – und hat entsprechend eine eigene Planungsgruppe, für ganze sieben Gemeinden. Und auch wenn Hüttikon (1000 Einwohner) längst nicht so gross ist wie Regensdorf (über 18 000 Einwohner), so hat es innerhalb der Furttaler Planungsgruppe (ZPF) sehr wohl ein Gewicht. Ganz konkret haben alle sieben Gemeinden ihren Gemeindepräsidenten im (mit sieben Sitzen vollzähligen) ZPF-Vorstand sitzen.

Wer auch immer für diese Regionen-Aufteilung verantwortlich war, hat zumindest das Furttal mit seinen 35 000 Einwohnern als quasi in sich geschlossene Einheit verstanden – und das kommt den Planern heute zugute. Das Unterland aber umfasst gut dreimal so viele Einwohner (113 000) und gleich mehrere Teilgebiete, die wohl kaum als zusammenhängend, sondern eher jedes für sich genommen als Einheit verstanden werden können; das Rafzerfeld etwa (7300 oder mit Eglisau 12 500 Einwohner), das Embrachertal (17 600 Einwohner) oder das Wehntal (6800, mit Steinmaur 10 200 Einwohner). Das heisst unter dem Strich auch: Planungsgruppe wie Verkehrskonferenz im Unterland müssen substanziell mehr unterschiedlichen Ansprüchen, Haltungen und Wünschen gerecht werden, als das zum Beispiel im Furttal der Fall ist.

Es gibt noch ein deutlicheres Beispiel dafür, wie witzlos die heutige Aufteilung der Planungsgruppen ist: den Echoraum in Bülach. Dahinter steht die Idee der Stadt Bülach und ihrer vier Kreisgemeinden (Bachenbülach, Hochfelden, Höri und Winkel), bis 2018 die kommunalen Richtpläne aufeinander abzustimmen. Und wenn fünf aus 30 Gemeinden einer Planungsgruppe zur Überzeugung gelangen, dass es wohl am sinnvollsten wäre, zwischen die Planungsebenen des regionalen Richtplans und des kommunalen Richtplans noch die neue Pseudo-Ebene des «gemeinsamen kommunalen Richtplans» zu schieben, dann muss tatsächlich die Frage erlaubt sein, was gegen eine Aufspaltung der Planungsgruppe Unterland spricht; zumal der «Raum Bülach» (Bülach und Kreisgemeinden) heute rund 32 000 Einwohner hat und mit dem Wachstum in Bülach Nord das Furttal sogar bald einholen könnte.

Den Visionären und Langzeitstrategen ist längst klar: Im Jahr 2067 hat der Kanton Zürich ohnehin nur noch ein Dutzend Gemeinden – und damit werden sich dann auch alle regionalen (und alle allfälligen «gemeinsamen kommunalen») Richtpläne erübrigt haben. Doch die Planung von Siedlung, Verkehr und Landschaft bis dahin ist entscheidend. Immerhin gehen die aktuellen kantonalen Wachstumsprognosen allein bis ins Jahr 2040 von 23 Prozent mehr Einwohnern aus – in absoluten Zahlen rund 340 000 Personen. Angesichts dieser Zahlen wären dem Kanton auch regionalplanerisch brauchbare Instrumente zu wünschen.

Daher der konkrete Vorschlag: Der Kanton soll sich an der Idee «Raum Bülach» orientieren (die notabene selbst der Regierungsrat als «zukunftsweisend» gerühmt hatte): Sowohl der kommunale wie auch der regionale Richtplan werden mit sofortiger Wirkung abgeschafft. Stattdessen wird jede Zürcher Gemeinde genötigt, mit ihren Nachbarn einen neuen «gemeinsamen kommunalen» Richtplan auszuformulieren. Dabei sind jeweils so viele Gemeinden zu berücksichtigen, wie als zusammenhängendes Siedlungsgebiet, als «Raum» verstanden werden können: Richtplan Rafzerfeld, Richtplan Embrachertal, Richtplan Wehntal. Und dann wird in kleineren, sinnvoller aufgeteilten Räumen jeweils gemeinsam die Zukunft geplant.

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