Zum Hauptinhalt springen

Richter befinden über Besenkampf

Während eines Streits um einen Besen hat sich ein Mann in Regensdorf den Oberarm gebrochen. Darum zerrte er seinen Kontrahenten vors Bezirksgericht und schliesslich auch vors Obergericht – vergeblich, wie sich gestern gezeigt hat.

Der Entscheid des Bezirksgerichts reichte dem Opfer nicht aus. Es zerrte seinen Kontrahenten vors Obergericht in Zürich.
Der Entscheid des Bezirksgerichts reichte dem Opfer nicht aus. Es zerrte seinen Kontrahenten vors Obergericht in Zürich.
Keystone

Ein Kampf zwischen zwei Männern um einen Besen hat gestern das Obergericht Zürich beschäftigt, wobei der Angeklagte entlastet wurde. Doch der Reihe nach: Vor Gericht gelandet ist der heute 45-jährige Schweizer Autolackierer, weil er im Januar 2013 in seiner Werkstatt in Adlikon mit seinem italienischen Mieter in Streit geriet. Der Angeklagte reinigte mit einem Besen den Boden und wischte absichtlich Staub über die Schuhe seines Gegners. «Dies war eine klare Provokation», erklärte der heute 38-jährige Italiener später gegenüber der Polizei.

Sicher ist, dass der Beleidigte sogleich versuchte, die «Tatwaffe» an sich zu reissen, wobei es zu einem grotesken Zweikampf kam. Laut einem Augenzeugen rissen die beiden Erwachsenen wie zwei kleine Kinder eine ganze Zeit lang am Besen herum. Dann zerrte der Angeklagte plötzlich am Besenstiel und führte laut Anklage ohne Vorwarnung eine Drehbewegung aus. Dies hatte zur Folge, dass das umkämpfte Putzgerät unter die rechte Achsel des Gegners sprang und prompt dessen Schultergelenk auskugelte.

Der Italiener schrie vor Schmerzen – und schaffte es, die Schulter wieder einzurenken. Allerdings ergab eine ärztliche Untersuchung, dass er einen Bruch des Oberarmknochens erlitten hatte. Er musste vier Wochen lang einen Verband tragen und war zwei Monate lang zu 100 Prozent arbeitsunfähig. Nach einer Strafanzeige des Geschädigten leitete die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung ein und erhob schliesslich Anklage gegen den Autolackierer wegen vorsätzlicher Körperverletzung.

Freispruch auf der ganzen Linie

Zumindest liege eine fahrlässige Körperverletzung vor, befand die zuständige Staatsanwältin, die zwei Strafanträge stellte: 80 Tagessätze zu 110 Franken (also insgesamt 8800 Franken) sowie 2000 Franken Busse bei Vorsatz sowie 50 Tagessätze zu 110 Franken (insgesamt 5500 Franken) und 1300 Franken Busse bei Fahrlässigkeit. Der Privatkläger verlangte zudem einen Schadenersatz von 13 684 Franken sowie ein Schmerzensgeld von 1000 Franken.

Bereits vor dem Bezirksgericht Dielsdorf beteuerte der Adliker im Sommer 2014 seine Unschuld, sprach von einem gegenseitigen Gerangel und bestritt einen Verletzungsvorsatz. Das Gericht sprach ihn frei – einerseits wegen widersprüchlicher Aussagen des Geschädigten, andererseits aufgrund der Tatsache, dass der Kläger den Kampf begonnen und am Besen festgehalten habe. «Halten zwei Personen an einem Besen fest und versuchen gegenseitig, dem anderen diesen zu entringen, so hätte nachgewiesen werden müssen, wer wann welchen Zug gemacht hat und welche Bewegung letztlich zur Schulterluxation geführt hat», schrieben die Richter. Doch dies sei in der Anklage nicht geschehen.

Der Geschädigte legte Berufung ein, zog seine Anträge jedoch kurz vor dem Prozess zurück. Dies wohl auf Anraten seines Anwaltes, der die Chancen vor Obergericht zuletzt als schlecht einschätzte. Da auch die Staatsanwaltschaft auf eine Berufung verzichtete, wurde das Dielsdorfer Urteil automatisch rechtskräftig. Damit erhält der Entlastete eine Prozessentschädigung von 4000 Franken. Der Kläger wurde dagegen mit seinen finanziellen Forderungen auf den Weg eines Zivilprozesses verwiesen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch