Nürensdorf

Schlosskeller statt Showbühne

Während 30 Jahren war er mit seinem Chor das Aushängeschild der Schweizer Gospelszene. Einen anderen Bo Katzman lernte man am Freitagabend kennen.

Bo Katzman und Tochter Ronja Borer führten das Publikum durch viele Stilrichtungen – von Rock über Soul und Country bis zu Mundartliedern.

Bo Katzman und Tochter Ronja Borer führten das Publikum durch viele Stilrichtungen – von Rock über Soul und Country bis zu Mundartliedern. Bild: Urs Brunner

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Um Bo Katzman ist es nach der letzten Tournée im Winter 2015/16 still geworden. Nun ist er wieder da. «Emotion» heisst das Soloprogramm, welches im Schlosskeller Nürensdorf am Freitag seine Premiere erlebte. Ein Soloauftritt war es jedoch nur bedingt, hat ihn doch seine Tochter Ronja Borer stimmkräftig unterstützt.

«Baseldeutsch ist nicht sexy»

Sich mit der Gitarre begleitend eröffnete Katzman das Programm mit dem Song, mit dem er in den 70er Jahren als Strassenmusikant erste Erfolge gefeiert hatte. Als Junger sei er in Jugendkellern aufgetreten, nun trete er wieder in einem Keller auf und stelle fest, dass sein Publikum mit ihm älter geworden sei. Er nahm die 90 Konzertbesucher, die den Schlosskeller nicht ganz füllten, mit auf eine Reise durch seine Karriere. Er erzählte, wie aus Reto Borer Bo Katzman geworden ist, man erfuhr, wer seine Vorbilder gewesen sind und wie sich seine musikalischen Vorlieben im Laufe der Zeit verändert haben.

Für Schmunzeln sorgten heitere Anekdoten aus seiner Biografie «Zwei Minuten Ewigkeit». Die einzelnen Lebensabschnitte untermalte er mit passenden Songs, solistisch oder im Duett mit seiner Tochter. Rocksongs wechselten ab mit Souligem, Protestsongs mit Countrymusik und Gospels, ja selbst ein berndeutsches Liebeslied fehlte nicht. «Ich wollte schon lang ein Liebeslied in Mundart schreiben, nur Baseldeutsch tönt halt einfach nicht sexy», begründete Katzman die Wahl des Dialektes.

Ronja Borer ist ausgebildete Musicaldarstellerin. Von der Grösse her könnte sie sich hinter ihrem Vater verstecken. Das muss sie aber nicht, erzeugte sie doch mit ihrer Interpretation des Songs «Think of me» aus dem Musical «The Phantom of the Opera» Hühnerhaut beim Publikum. Abwechslungsweise begleiteten sich Vater und Tochter mit Gitarre und Ukulele, oder sie wurden Playback von einer Band unterstützt. Ganz ohne Chor ging es aber doch nicht. Nur stand er nicht hinter Katzman, sondern sass vor ihm. Bei mehreren Songs animierte er mit Erfolg das Publikum zum Mitsingen, und was eignete sich dafür besser als ein Gospel oder Leonard Cohens «Hallelujah».

Begeisternd und begeistert

Charmant, witzig und selbstironisch führte Bo Katzman durch das Programm. Kleine Pannen, wie sie an einer Premiere passieren können, überspielte er routiniert. So gelang es ihm, das Publikum vom ersten Moment an zu begeistern. Susanne Schaad aus Bassersdorf hat mehrere seiner Chorkonzerte besucht. Sie fasste ihre Eindrücke in der Pause so zusammen: «Nachdem die Lösung mit dem verkleinerten, professionalisierten Chor nicht funktioniert hat, war der Entscheid für ein Soloprogramm das einzig Richtige. Mir gefällt es sehr gut.» Die Nürensdorferin Elsbeth Morf, die Katzman vom Musical «Keep Cool» her kannte, äusserte sich wie folgt: «Es war super. Einzig die als Playback eingespielte Musik war für meine Ohren etwas zu laut.» Bo Katzman selber zeigte sich begeistert: Er habe gesehen, wie toll das Programm bei den Leuten ankomme und sie begeistern könne, was ihn sehr glücklich mache.

Erstellt: 02.04.2017, 15:35 Uhr

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