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Schön sein ist bei Coiffina reine Kopfsache

Die Coiffina AG gehört zu den grossen Schweizer Hairstyling-Unternehmen. Der Glattbrugger Firma ist die Nachwuchsförderung wichtig und auch die Integration von ausländischen Jugendlichen durch den Coiffeurberuf.

Was Vater Otto Sommer aufgebaut hat, wird von Bruno (links) und René Sommer erfolgreich weitergeführt. Die Coiffina AG beschäftigt 250 Angestellte und hat mit der Styling Academy im Firmensitz in Glattbrugg (im Bild) eine hauseigene Ausbildungsabteilung.

Was Vater Otto Sommer aufgebaut hat, wird von Bruno (links) und René Sommer erfolgreich weitergeführt. Die Coiffina AG beschäftigt 250 Angestellte und hat mit der Styling Academy im Firmensitz in Glattbrugg (im Bild) eine hauseigene Ausbildungsabteilung. Bild: Renato Cecchet

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Der Gang zum Coiffeur gehört zu den festen Lebensgewohnheiten wie Essen und Schlafen. Durchschnittlich 50 000 Dollar gibt eine Frau in ihrem Leben für Haar­pflege aus. Das ermittelte ein ­US-amerikanischer Hersteller von Pflegeprodukten im Jahr 2000 in einer Studie – inzwischen ist dieser Wert teuerungsbereinigt wohl noch gestiegen.

Zum Überleben benötigt der Mensch keine Haare, zum Wohlfühlen aber schon. Kopfhaare können Symbol für Jugend und Gesundheit oder ein Zeichen für Individualität und Persönlichkeit sein – und entscheiden oft mit dar­über, ob eine Frau oder ein Mann auf den ersten Blick als attraktiv, vital und gepflegt gilt. «Unser Berufszweig ist sehr persönlich, weil wir Menschen direkt am Kopf berühren und verschönern», bringt René Sommer, CEO der Coiffina AG, es auf den Punkt.

Sein Vater Otto Sommer gründete zusammen mit sechs anderen Zürcher Coiffeuren 1971 das Unternehmen – quasi aus Protest. Die einheimischen Haarkünstler wollten nämlich verhindern, dass sich ein ausländischer Anbieter im Jelmoli an der Bahn­hof­strasse einquartieren konnte. Mit Erfolg. Coiffina zog ins traditionsreiche Warenhaus nahe der Zürcher Bahn­hof­strasse ein und betreibt die dortige Filiale bis heute.

Mit René und Bruno Sommer haben inzwischen die beiden Söhne das Ruder in der Coif­fina AG, die seit 1992 ihren Geschäftssitz in Glatt­brugg hat, übernommen. CEO René Sommer, der ursprünglich aus der Mechanik und Informatik kommt, ist als Geschäftsführer für den technischen und kaufmännischen Bereich des Unternehmens zuständig. Der ­gelernte Coiffeur Bruno Sommer – er führte früher Geschäfte in Genf, Paris und in den USA – kümmert sich als Art Director für das Coiffeur-Handwerk an sich und um den künstlerischen Auftritt gegen aussen. Oder, wie er defi­niert: «René schaut, dass Geld hereinkommt, das ich dann wieder ausgebe.»

Engagement ­ auf verschiedenen Ebenen

Der Firmensitz in Glattbrugg ist Knotenpunkt von verschiedenen Unternehmen und Vereinigungen der Coiffeur-Branche, in welchen René und Bruno Sommer in verschiedenen Funktionen aktiv sind. Hier finden sich die Verwaltung von 15 Coiffina- und drei Hair-One-Salons, die Styling Academy für die Ausbildung von Lehrkräften oder die Grosshandelsfirma ­Coshi SA für den An- und Verkauf von Coiffeur-Uten­silien. Ausserdem laufen hier auch die Fäden der internationalen Berufsvereinigung Intercoiffure (mit Hauptsitz in Paris) und deren Junioren-Sektion, der Fondation Guillaume, zusammen.

Die hauseigene Ausbildungs­abteilung Styling Academy liegt den Brüdern Sommer besonders am Herzen. «Unsere Branche kann nur bestehen und gesund bleiben, wenn sie den dazu nötigen Nachwuchs heranzieht», sagt René Sommer. «Das Ziel muss sein, die Lernenden nach deren Abschluss in die eigenen Betriebe übernehmen zu können. Das ­ von uns vermittelte Know-how kommt uns so selber wieder zugute und sorgt für Nachhaltigkeit.» Coiffina habe für 17 von 18 Auszubildenden vom letzten Abschlussjahrgang intern eine Anstellung gefunden, verrät René Sommer.

Speziell am Coiffina-Aus­bil­dungs­kon­zept ist, dass ange­hende Lehrlinge vor den branchenüblichen drei Ausbildungsjahren nicht ein paar Tage zum Schnuppern kommen, sondern einen ganzjährigen Vorkurs durchlaufen. «In diesem werden schon die Grundtechniken wie Schneiden und Färben vermittelt. Bevor die eigentliche Lehre beginnt, haben die Kandidaten 120 bis 200 Haarschnitte und Farbbehandlungen an zahlenden Kunden gemacht», sagt Bruno Sommer. Während der eigentlichen Ausbildung legen die Lehrlinge nicht nur die Lehrabschlussprüfungen ab, sondern müssen auch immer wieder interne Tests bestehen. Bei Coif­fina werde die Messlatte bewusst hochgelegt: «Wir machen allen Lernenden und Angestellten von Beginn weg klar: Bei uns darf man nicht nur arbeiten, man muss.»

René Sommer stellt erfreut fest, dass wieder mehr Männer den Beruf ergreifen. «15 Jahre lang hatten wir nur wenige Jungs, die Coiffeur werden wollten. ­Gerade Kundinnen ziehen aber vielfach eine männliche Bedienung vor.» Vermehrt steigen auch Jugendliche mit einem Migrationshintergrund in die Ausbildung ein. «Wir haben Lehr­linge, die erst drei oder vier Jahre in der Schweiz sind. Die Branche nimmt bei der Integration von auslän­dischen Jugendlichen eine tragende Rolle ein», meint René Som­mer. Voraussetzung sei, dass diese Deutsch lernen. «Umgekehrt bringen viele von ihnen für die Berufsausübung nützliche Sprachkenntnisse mit.» Gerade im städtischen Raum werde Mehr­sprachigkeit immer wichtiger, die Kundschaft internatio­naler. «Bei Coiffina beschäftigen wir 250 Angestellte aus 26 Nationen mit den verschiedensten Reli­gionen.»

China ­ als grosse Herausforderung

Die Sommer-Brüder engagieren sich stark in der inter­natio­nalen Berufsvereinigung Inter­coif­fure, die weltweit über 3000 Mitglieder hat. Alle vier Jahre findet ein Weltkongress statt, 2016 im Sep­tem­ber in Shanghai. Bruno Sommer als Managing Director der Fon­da­tion Guillaume hat eine tragende Rolle in der Organi­sation der Show­teile. 50 junge Top-Coiffeure aus 40 Ländern, die sich im Vorfeld qualifi­zieren mussten, dürfen dabei ihr Handwerk vor einem viel­köp­figen Fach­publi­kum prä­sen­tie­ren. ­«China ist eine ­grosse Heraus­forderung», sagt Bruno Sommer, «die Organisation ist speziell. ­Jeder Schritt, den wir vor Ort unternehmen, wird von den Funktionären genaustens beobachtet.» Es sei aber auch eine Chance. «Wir erhoffen uns neue Kontakte und Ideen. In Sachen Technik sind uns die Asiaten teilweise voraus. Trends, die dort geschaffen werden, kommen bei uns vielfach erst Jahre später.»

Apropos Trend: Für die lau­fende Saison angesagt sind laut Sommer Farben in allen Variationen und Kurzhaarschnitte.

www.coiffina.ch

Erstellt: 22.01.2016, 20:35 Uhr

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