Bülach

Schülerfilm macht Transsexualität zum Thema

Der 15-jährige Nico Zimmermann zeigte im Sigristenkeller seinen Kurzfilm «Wer bin ich?». Darin geht es um einen transsexuellen Teenager, der mit seiner neuen Identität zu kämpfen hat.

In seinem filmischen Erstlingswerk wagt sich der 15-jährige Gymnasiast an ein komplexes Thema.

In seinem filmischen Erstlingswerk wagt sich der 15-jährige Gymnasiast an ein komplexes Thema. Bild: Sibylle Meier

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Ich musste einfach Mut fassen», sagt Nico Zimmermann nach der Premiere seines ersten Filmes und fügt mit einem Lachen hinzu: «Vielleicht war ich zu mutig.» Vor einem begeisterten Publikum zeigte der 15-jährige Gymi-Schüler am Sonntagvormittag im im Sigristenkeller in Bülach seinen ersten Kurzfilm «Wer bin ich?». Dieser zeigt die Leiden des transsexuellen Jugendlichen Mike Suter.

Äusserlich ist Hauptdarsteller Mike ein Junge, in seinem tiefsten Inneren fühlt sich Mike jedoch als Mädchen. Als Mike diese Gefühle mit Mutter und Freunden zu teilen versucht, kommt nicht die erwartete Unterstützung. Mike kämpft mit Ablehnung, Selbstzweifeln und Mobbing, und das Verhalten der Filmfigur wird in der Folge zunehmend selbstdestruktiver.

Eine grosse Arbeit, begleitet von viel Glück

Transsexualität ist immer noch ein heikles Thema. Zimmermann wusste, dass es eine Herausforderung sein würde, die Emotionen filmisch darzustellen. Als er andere Filme über transsexuelle Jugendliche sah und das Thema in der Schule behandelt wurde, überwand er jedoch seine anfänglichen Zweifel.

«Ich sah, wie belastend es für die Betroffenen sein kann, und wusste, dass ich einen Film dazu machen will», sagt er. Die Medien und deren Produktion hatten den Gymnasiasten schon seit Langem gereizt, den ersten Schritt zum Traumjob Radiomoderator hat er bereits gemacht: Seit Anfang 2019 ist er beim grössten Schweizer Jugendradio Radio 4 TNG in Winterthur zu hören. Ein Filmprojekt zu leiten, nahm aber noch ganz andere Dimensionen an.

Nur möglich, weil viele am gleichen Strick zogen

Seit August vergangenen Jahres arbeitete Zimmermann am Film. Wenn sich der junge Bachenbülacher an die vergangenen Monate erinnert, staunt er immer wieder darüber, wie viel Glück er hatte. Hauptdarsteller Noah Bajna, der Mike spielt, fand er auf Anhieb über Instagram. Die teure Filmausrüstung konnte er von der Winterthurer Produktionsfirma JG Video ausleihen. Die Feuerwehr Bachenbülach-Winkel erklärte sich bereit, bei den Aufnahmen ohne Entgelt mitzuhelfen. Selbst die Premiere im Sigristenkeller wurde rasch bestätigt. Der Weg von der Idee zum fertigem Film war jedoch dennoch mit harten Steinen gepflastert. Besonders während der viertägigen Dreharbeiten im November kam die Crew öfters an ihre Grenzen. Von 7 bis 19 Uhr trotzten sie den kalten Temperaturen und dem schlechtem Wetter. Eine Szene musste wegen technischer Probleme sogar vollständig gestrichen werden. Mehrmals waren die Beteiligten kurz davor, das Tuch zu werfen.

Dass der Film dennoch fertig wurde, ist deshalb für Zimmermann alles andere als selbstverständlich. Zimmermann zeigt sich bescheiden und selbstkritisch. Sein Dank gilt seiner Crew und seiner Familie. Obwohl er im Abspann als Produzent und Regisseur aufgelistet ist, kann er sich mit beiden Bezeichnungen nicht so richtig anfreunden: «Es war ein sehr gemeinschaftliches Projekt», sagt er.

Das Ende bleibt offen, der Appell ist klar

In jeder Etappe der Produktion haben über 30 Personen – Familienmitglieder, Freunde und Bekannte – mit ihm zusammengearbeitet und ihm unter die Arme gegriffen. «Bei einem solchen Projekt müssen alle am gleichen Strick ziehen, sonst geht das nicht», hält er fest.

Das Ende von «Wer bin ich?» lässt Mikes Schicksal offen und das Publikum mit Fragen zurück. Zimmermann verabschiedet sich jedoch mit einem Appell. Jedes Jahr versuchen mehrere trans-, homo- oder bisexuelle Jugendliche, sich das Leben zu nehmen. Dies könne nur verhindert werden, wenn die Menschen in ihrem Umfeld sie unterstützen und akzeptieren.

Erstellt: 03.03.2019, 17:22 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.